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Bekenntnis zur Freundschaft über Ländergrenzen hinweg

Drei Partnerstädte feiern den Europatag virtuell – Bürgermeister von Mirande lobt die Solidarität in der EU beim gemeinsamen Kauf von Impfstoffen

Korntal-Münchingens Bürgermeister Joachim Wolf bei der Videokonferenz mit seinen Amtskollegen. Foto: Holm Wolschendorf
Korntal-Münchingens Bürgermeister Joachim Wolf bei der Videokonferenz mit seinen Amtskollegen. Foto: Holm Wolschendorf

Korntal-Münchingen. Dass unter der Pandemie auch Städtepartnerschaften leiden, liegt nahe. Die Stadtoberhäupter von Korntal-Münchingen, dem belgischen Tubize und dem französischen Mirande betonen zwar, dass man auch zuletzt engen Kontakt gepflegt hat. Dennoch: persönliche Begegnungen sind die Essenz einer Städtepartnerschaft und können nicht durch moderne Medien ersetzt werden.

Andererseits bietet das Internet immerhin die Möglichkeit, sich im virtuellen Raum zuzuprosten. Diese Möglichkeit nutzten am Samstag der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf, sein Amtskollege Michel Januth (Tubize) und Jean-François Darroux, stellvertretender Bürgermeister von Mirande, bei einer gemeinsamen Europafeier.

Die offiziellen Vertreter der Städte beschränkten sich auf kurze Ansprachen. Die Corona-Pandemie habe die gegenseitige Freundschaft nicht beeinträchtigt, betonte Wolf. Allerdings habe sich gezeigt, dass ein Europa der offenen Grenzen keine Selbstverständlichkeit sei. Die Mitgliedsländer der EU müssten ihre Beziehungen jetzt auf den Prüfstand stellen, sich solidarisch verhalten und nationalistischen Tendenzen entschlossen entgegenwirken.

Städtepartnerschaften stünden für europäische Werte, sagte Michel Januth. „Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit und Solidarität, all das gibt der EU ihren Sinn.“ Gerade in einer globalisierten Welt, die Ungleichheiten schaffe und viele Menschen von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließe. Die EU könne ein Gegengewicht bilden, denn der Zusammenschluss der europäischen Länder sei ein Projekt, in das sich alle Bürger einbringen könnten. „Europa wird von den Bürgern für die Bürger gebaut“, so der Bürgermeister von Tubize, einer 26000 Einwohner zählenden Stadt in der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant.

Jean-François Darroux verlas eine Botschaft seines Chefs Patrick Fanton, der verhindert war. Mirande hat 3500 Einwohner und liegt in der südfranzösischen Region Okzitanien. Die Pandemie sei nicht nur eine gesundheitliche Krise, sondern habe auch Defizite im wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Bereich aufgezeigt, so Fanton. Er sieht es als Vorteil, dass sich die EU-Staaten in dieser schwierigen Lage solidarisch verhalten und eine gemeinsame Strategie für den Kauf von Impfstoffen entwickelt haben.

Die EU müsse den Bürger wieder in den Mittelpunkt ihrer Institutionen stellen, forderte Fanton. Dabei seien alle Generationen gefordert, „die jungen Leute können diese Herausforderung nicht alleine meistern“. Städtepartnerschaften könnten dazu beitragen, der EU ein menschliches Gesicht zu geben und das interkulturelle Verständnis zu fördern.

Verständnis fördern soll auch ein gemeinsames Projekt der drei Partnerstädte: Jugendliche drehen Videos in ihren jeweiligen Heimatstädten, die anschließend zu einer deutsch-belgisch-französischen Koproduktion zusammengeschnitten werden. „Wir werden die beteiligten Jugendlichen zu einer Vorführung einladen“, kündigte Wolf an. Ein weiterer Höhepunkt der Städtepartnerschaft steht am 9. Oktober an: An diesem Tag wird Wolf die Ehrenmedaille der Stadt Korntal-Münchingen an Pierre Beaudran verleihen, den langjährigen Bürgermeister von Mirande.

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