Logo

Besichtigungen im Nazibunker

In Unterriexingen läuft der nächste Versuch, eine Anlage aus dem Zweiten Weltkrieg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen

Hohberg-Bunker im Markgröninger Ortsteil Unterriexingen: Noch ist die Ruine mit ihrem dichten Netz unterirdischer Gänge und Nischen in der Panzermauer für Besucher gesperrt. Fotos: privat
Hohberg-Bunker im Markgröninger Ortsteil Unterriexingen: Noch ist die Ruine mit ihrem dichten Netz unterirdischer Gänge und Nischen in der Panzermauer für Besucher gesperrt. Foto: privat
350_0900_25989_glems_014.jpg
350_0900_25990_glems_021.jpg
350_0900_25991_glems_004.jpg

Markgröningen. Den Hohberg in Unterriexingen durchzieht ein dichtes Netz unterirdischer Gänge mit Maschinengewehrscharten, einem Wassertank und einem Treppenhaus mit drei Stockwerken. Sie gehören zu einem der größten Bunker der früheren Neckar-Enz-Stellung, mit der die Nationalsozialisten die deutsche Westgrenze gegen Angriffe absichern und Rüstungsgüter herstellen wollten. Der Deckname: Gallinit. Nahezu unversehrte Wandbeschriftungen erzählen aus dieser Zeit, über die Historiker auch mehr als 80 Jahre später noch forschen.

Die Geschichte des Unterriexinger Bunkers ist aber nicht nur deshalb eine Never-Ending-Story, wie es der CDU-Ratsherr Simeon Fleckhammer ausdrückt. Jahrelang haben ein Bietigheimer Geschichtsforscher und ein Erligheimer Unternehmer versucht, die Anlage für die Öffentlichkeit an drei oder vier Tagen im Jahr zugänglich zu machen. Im Bietigheimer Forst ist ihnen das mit dem Bunker 302 bereits gelungen, der ebenfalls Teil der Neckar-Enz-Stellung war. Sie wurde in den 30er Jahren errichtet und bereits in der Weimarer Republik geplant.

In Unterriexingen schienen die Initiatoren 2015 am Ziel zu sein. Der Markgröninger Gemeinderat hatte bereits grünes Licht für die Nutzung der unterirdischen Anlage gegeben, nur das Landratsamt in Ludwigsburg hätte noch zustimmen müssen. „Doch kurz vor der Öffnung gab es Probleme mit der Sicherheit und der Technik“, sagt Günther Mertz, der Vorsitzende des Markgröninger Arbeitskreises Geschichtsforschung und Denkmalpflege.

Sein Verein unterstützte das Projekt damals – und tut das heute noch. „Wir würden eine Öffnung des Bunkers absolut begrüßen“, sagt Mertz unserer Zeitung. „Zudem muss er als Denkmal unbedingt erhalten werden.“

Nach fast vierjähriger Funkstille schlug der Bunker in dieser Woche mal wieder im städtischen Ausschuss für Umwelt und Technik auf. Nach Angaben der Stadt muss der Bauherr die Ausführung verändern. Er hat nun vor, eine neue Stahltreppe für einen zweiten Rettungsweg zu bauen. „Der ursprünglich geplante Rettungsweg ist aufgrund der Tiefe technisch nicht wie geplant möglich“, heißt es aus dem Markgröninger Rathaus. Darüber hinaus wurden die Pläne für eine Treppe am Hohberg-Bunker modifiziert.

Das Rathaus bewertet das Vorhaben weiterhin positiv. „Es ist, wie sich gezeigt hat, genehmigungsfähig“, heißt es in einer Stellungnahme. Allerdings habe sich in der Ausführung gezeigt, dass die beantragten Änderungen notwendig gewesen seien.

Verwaltung und Kommunalpolitik erteilten am Donnerstagabend erneut ihr Einvernehmen. „Wir sind froh, dass wir jetzt wieder ein Stück vorangekommen sind“, sagte der Christdemokrat Fleckhammer im Ausschuss. Der Freie Wähler Hans Bader hofft, dass „wir endlich einen Haken an die nötigen Umbauarbeiten machen können“.

Bader hat den Unterriexinger Bunker nach eigenen Angaben noch nicht von innen gesehen – dafür aber der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner. Vor Jahren nahm er mit einer Reihe von Stadträten die Einladung zu einer Besichtigung an und zeigte sich nachher von der Größe der Anlage beeindruckt. Der Freie Wähler Rainer Gessler war damals ebenfalls auf dem Hohberg mit dabei. Er findet, dass das Bauwerk „ein Teil unserer Geschichte ist“.

Autor: