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Bibliotheksleiter Thomas Stierle: „Printmedien sind immer noch gefragt“

Ein sinkendes Budget für Bücher, weniger Einnahmen, weniger Neuanmeldungen: Trotz vieler negativer Eckpunkte brachte die Bilanz der zwei Pandemiejahre in der Stadtbibliothek auch erfreuliche Höhepunkte zutage. Gleichzeitig machte sich Wehmut breit, denn ein Abschied steht bevor.

„Bibliothek des Jahres 2021“: Die Stadtbibliothek Ludwigsburg hat ein ausgezeichnetes Angebot. Archivfoto: Holm Wolschendorf
„Bibliothek des Jahres 2021“: Die Stadtbibliothek Ludwigsburg hat ein ausgezeichnetes Angebot. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der 16. März und die pandemiebedingte Schließung ist eine Zäsur in der Geschichte der Ludwigsburger Stadtbibliothek: Die Besucherzahlen gingen gegenüber den beiden Jahren vor Corona in 2020 und 2021 um 55 Prozent zurück, die Neuanmeldungen brachen um 46 Prozent ein und die Einnahmen aus Benutzungs- und Versäumnisgebühren gingen um 29 Prozent zurück.

Digitales Angebot ausgebaut, Fördermittel gewonnen

Trotzdem bot die Bilanz, die Bibliotheksleiter Thomas Stierle jetzt vor Stadträtinnen und Stadträten vorlegte, reichlich Anlass für Lob. „Die Zahlen erzählen nichts darüber, wie groß die Bemühungen waren“, so Stierle. In der Coronapandemie sei man sehr kundenorientiert gewesen. Das betraf nicht nur die Kulanz bei Ausleihfristen und Ausweisverlängerungen. So bald wie möglich wurde es den Nutzerinnen und Nutzern trotz geschlossener Türen ermöglicht, Medien zu entleihen. „Abholangebote waren zulässig und wurden gerne angenommen“, so Stierle. Mit 6270 Öffnungsstunden wurden zwar 23 Prozent weniger als in der Vorperiode realisiert, die Zahl der Entleihungen ging wegen solcher Angebote nur um 18 Prozent zurück.

Großen Zuwachs gab es bei der Nutzung der digitalen Medien (ein Plus von 51 Prozent), Film- und Musikstreaming, Datenbanken, Presseportale fanden 71 Prozent mehr Zuspruch. Während der Coronazeit wurde das digitale Medienangebot erweitert, zum Beispiel mit Hilfe von Fördermitteln des Bundes in Höhe von knapp 52000 Euro. Stierle und sein Bibliotheksteam haben die Zeit sinnvoll genutzt. „Wir waren noch nie so erfolgreich in der Einwerbung von Fördermitteln“, berichtete er. Zusätzliches Geld hat auch die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung „Bibliothek des Jahres“ in die Kassen gespült, die die Stadtbibliothek im 75. Jahr ihres Bestehens erhalten hat. Preisgeld und zahlreiche Fördermittel kommen mehr als gelegen.

„Das Angebot ist entscheidend für die Nachfrage“

Die Kürzungen im Haushalt und die Einschränkungen durch Corona führten dazu, dass 8630 Medien (23 Prozent) weniger erworben werden konnten. Das habe auch mittelfristig negative Auswirkungen auf die Entleihungszahlen, mahnte Stierle: „Das Angebot ist entscheidend für die Nachfrage.“ Das betreffe digitale Angebote ebenso wie Lesestoff auf Papier. „Printmedien sind immer noch gefragt.“ So gab es 1997 noch 857409 Bücher und andere gedruckte Medien, 2019 waren es mehr als eine Million.

Wehmütig zeigten sich die Stadträte angesichts des nahenden Abschieds von Thomas Stierle, der die Bibliothek mehr als 30 Jahre „grandios und immer am Puls der Zeit“ (Elfriede Steinwand, Grüne) und „mit großem Weitblick“ (Hubertus von Stackelberg, SPD) weiterentwickelt habe und zu einem „Leuchtturm in der Bibliothekslandschaft“ (Claus-Dieter Meyer, CDU) gemacht habe.

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