Logo

Regele-Areal

Blockabfertigung für die Schillerstraße

Wie wichtig die Schillerstraße für den Verkehrsfluss in der Stadt ist, konnte jüngst während der rund vierwöchigen Vollsperrung beobachtet werden. Die dreijährige Bauphase auf dem Regele-Areal, die im Januar beginnen soll, bereitet den Planern im Rathaus deswegen jetzt schon Kopfzerbrechen. Von ihren Vorschlägen sind längst nicht alle Stadträte begeistert.

Kein Durchkommen aus der Weststadt: Die Schillerstraße wird von 2020 an nur aus einer Richtung befahrbar sein. Im Rathaus hat man sich für die Ost-West-Richtung entschieden. Archivfoto: Ramona Theiss
Kein Durchkommen aus der Weststadt: Die Schillerstraße wird von 2020 an nur aus einer Richtung befahrbar sein. Im Rathaus hat man sich für die Ost-West-Richtung entschieden. Foto: Ramona Theiss

Kurz aber heftig ist der Vorgeschmack auf die rund drei Jahre dauernde Bauphase in der Schillerstraße ausgefallen. Bevor die Abrissarbeiten auf dem Regele-Areal in der Schillerstraße beginnen können, mussten die Stadtwerke in den vergangenen Wochen wichtige Versorgungsleitungen von der einen auf die andere Straßenseite verlegen. Während für Fahrradfahrer und Fußgänger der Weg zwischen dem Abschnitt Gartenstraße und Myliusstraße frei war, gab es in diesem Abschnitt für Autofahrer kein Durchkommen – in beiden Richtungen.

An die Verbotsschilder halten wollten sich dabei längst nicht Verkehrsteilnehmer. „Es gab viele Rotlichtfahrten“, resümiert Richard Schlichczin (Leiter der Abteilung Straßenverkehr bei der Stadtverwaltung), dessen Kollegen vom ersten Tag an den Verkehr beobachtet haben. „Größere Verkehrskatastrophen, habe es Schlichczin zufolge aber nicht gegeben. Auch der Ausweichverkehr über die Myliusstraße habe sich irgendwann eingespielt.

Diese Einschätzung teilten längst nicht alle in der Stadt. „Die Anwohner in der Gartenstraße haben das nicht so entspannt gesehen“, berichtete Andreas Rothacker (Freie Wähler). Wie die Stadt den Verkehr während der drei Jahre dauernden Bauphase regeln will, sorgte im Mobilitätsausschuss des Gemeinderats jetzt auch für kontroverse Diskussionen. Was plant die Stadt? Die gute Nachricht: Eine Fahrtrichtung soll für den Autoverkehr offen bleiben. Die Experten von der Stadt haben sich für die Ost-West-Richtung entschieden. „Der Verkehr muss nach außen abfließen können“, begründete Bürgermeister Michael Ilk. Der Fußweg und der Radweg auf der südlichen Seite sollen erhalten bleiben. Die freie Fahrspur für Autos vom Osten in Richtung Schillerdurchlass und Weststadt sei nur drei Meter breit. Damit Fahrradfahrer und Autofahrer sich nicht in die Quere kommen, plant die Stadt eine Blockabfertigung. Über Ampelschaltungen sollen die Radfahrer einen Vorsprung bekommen, während der Autoverkehr aus der Mathildenstraße nicht mehr geradeaus fahren soll, sondern zunächst um das Dreieck Schillerplatz herumgeführt wird. „So schützen wir die Radfahrer“, argumentierte Schlichczin. Auf dieser Strecke seien erfahrungsgemäß viele Schüler unterwegs.

„Sie sind richtig kreativ geworden, das muss man loben“, freute sich darüber Dr. Christine Knoß (Grüne). „Sicherheit und Schulverkehr gehen vor“, findet auch ihr Fraktionskollege Frank Handel (Grüne). Ganz anders sah das Armin Klotz (CDU): „Das können wir nicht befürworten.“ Stefanie Knecht (FDP) versteht den Umweg um den Schillerplatz nicht, auf den die Experten die Autofahrer schicken wollen. Das könne unter Umständen dazu führen, dass Autofahrer gleich in die Schulgasse abbiegen, in der Durchgangsverkehr allerdings gar nicht zulässig ist. Die Blockabfertigung könnte schließlich auch über die Radfahrerampeln gewährleistet werden, ohne die Autofahrer unnötig ums Karree zu schicken.

„Wir können nicht drei Jahre lang so ein Chaos veranstalten,“ sagte auch Rothacker. Sein FW-Fraktionskollege Jochen Zeltwanger forderte gar, man sollte so fair sein und den Weststädtern sagen, dass man sie nicht mehr in der Stadt haben wolle.

Die Einwände der Stadträte blieben nicht ohne Wirkung. „Es könnte funktionieren“, dachte Matthias Knobloch (Fachbereichsleiter für Nachhaltige Mobilität) laut nach. Das Fazit: Es wird weiter optimiert. Ein Ausweichverkehr über die Schulgasse wäre die schlechteste aller Lösungen.

Autor: