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Bosch weist Vorwurf des Vertragsbruchs zurück

Unternehmen reagiert auf Kritik des Betriebsrats am Bietigheimer Standort – Geschäftsführung: Zu wenig Mitarbeiter zu Standortwechsel bereit

Bietigheim-Bissingen. Am Mittwochmorgen hatten sich Vertreter des Betriebsrats von Bosch AS (Automotive Steering) in Bietigheim mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing und den SPD-Landespolitikern Sascha Binder und Thomas Utz getroffen. Bei dem Gespräch im Ratssaal der Stadt Bietigheim-Bissingen (ein Termin im Werk selbst nannte Bosch als zu kurzfristig angekündigt) wurde die Bosch-Spitze vor allem vom Betriebsrat kritisiert – unter anderem dafür, dass die Produktion in Bietigheim bis 2021 stillgelegt werden soll und dass, wie anwesende Mitglieder des AS-Betriebsrats betonten, wesentliche Punkte des 2016 vereinbarten Sozialtarifvertrags nicht eingehalten worden seien.

Bosch reagierte am Donnerstag auf die Vorwürfe des Betriebsrats. „Der Kritik, dass die Vereinbarungen des Standorttarifvertrags nicht eingehalten wurden, treten wir entgegen“, teilte eine Sprecherin mit. „Die Vereinbarung des Sozialtarifvertrags haben wir im Rahmen der Gegebenheiten umgesetzt. Abweichungen in den prognostizierten Stückzahlen sind branchenüblich und betreffen alle Werke.“ Trotz eines Marktumfeldes, „das deutlich schwieriger ist als 2016 prognostiziert“, seien bis heute „deutlich mehr“ Mitarbeiter in der Bietigheimer Fertigung beschäftigt als vereinbart.

„Bei der Vermittlung von Mitarbeitern an andere Bosch-Standorte sind wir auf deren Bereitschaft zum Wechsel angewiesen“, so die Sprecherin weiter. „Leider wurden trotz intensiver Unterstützung der Personalabteilungen nicht alle Möglichkeiten zum Wechsel wahrgenommen.“ Der Betriebsrat hatte der Unternehmensspitze etwa vorgeworfen, dass bisher nur 30 AS-Beschäftigte statt, wie vertraglich vereinbart, 124 konzernintern innerhalb des Großraums Stuttgart gewechselt sind.

Hanns Bernd Ketteler, Mitglied der Bosch-AS-Geschäftsführung, teilte am Donnerstag mit: „Wir haben höhere Investitionen am Standort getätigt als im Sozialtarifvertrag zugesagt.“ Die ursprünglich vereinbarte Anzahl von 80 Mitarbeitern im Entwicklungsbereich werde mit jetzt rund 270 Beschäftigten „weit übertroffen. Dies ermöglicht uns, den Standort Bietigheim als Entwicklungsstandort fortzuführen und voraussichtlich weiter auszubauen.“

Die schwierige wirtschaftliche Lage der Fertigung in Bietigheim sei seit langem bekannt. „Wir führen seit Monaten mit Betriebsrat und Vertretern der IG Metall Gespräche, um nach einer Lösung für die Fortführung der Fertigung in Bietigheim zu suchen. Leider ohne Erfolg. Trotz intensiver Bemühungen sehen wir keine Alternative zur Einstellung der Fertigung in Bietigheim“, sagt Ketteler. (red)