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Bottwartaler Freibadretter kämpfen für Öffnung

Nach einem kuriosen Abstimmungskrimi stand es am Dienstag voriger Woche fest: Das Mineralfreibad oberes Bottwartal in Oberstenfeld bleibt in dieser Saison zu. Dagegen formiert sich jetzt in Beilstein Widerstand.

Bleibt das Oberstenfelder Bad diese Saison leer? Archivfoto: Alfred Drossel
Bleibt das Oberstenfelder Bad diese Saison leer? Foto: Alfred Drossel

Oberstenfeld/Beilstein. Während die Beilsteiner Gemeinderäte mit deutlicher Mehrheit für eine Öffnung des Bades votiert hatten, war die Abstimmung im Oberstenfelder Gemeinderat ganz knapp mit einer Stimme Mehrheit für die Schließung ausgegangen. Die Öffnungsgegner – in Beilstein die Bürgerliste, in Oberstenfeld eine Koalition aus Teilen der Freien Wähler und Teilen der CDU – führen die Kosten ins Feld. Rund 150.000 Euro Mehrkosten zusätzlich zu dem ohnehin anfallenden Abmangel würde die Öffnung kosten. Die Befürworter der Öffnung hatten vor allem die Familien im Sinn, die in diesem Sommer coronabedingt vermehrt den Urlaub zu Hause verbringen werden. Diese Argumente teilt Dagmar Gemmrich. Sie und ihre Mitstreiter haben sich zur Aktionsgruppe „Bottwartaler Freibadretter“ zusammengeschlossen; innerhalb weniger Stunden hatten sie bereits 60 Unterschriften zusammen. Am heutigen Dienstagabend wollen sie ihr Anliegen im Beilsteiner Gemeinderat vortragen. Ihr Hauptargument: „Kinder und Familien brauchen ihren Freibad-Spaß gerade jetzt“.

„Das können wir uns nicht gefallen lassen!“ war der erste Gedanke von Dagmar Gemmrich, nachdem sie von der Abstimmung in den beiden Gemeinderäten und im Zweckverband gehört hatte. Daraufhin habe sie beschlossen, Leute zusammen zu trommeln und ihre Argumente zu Papier zu bringen. Die Freibadretter wollen, dass nicht finanzielle Erwägungen, sondern die konkrete Hilfe für Familien im Vordergrund stehen. Gerade nach den belastenden Einschränkungen während des Corona-Lockdowns bräuchten die Familien in Beilstein und Oberstenfeld keinen Freibad-Lockdown, sondern die Möglichkeit, wenigstens in Fahrradreichweite ein kleines bisschen Urlaub im Freibad genießen zu können, schreiben sie in einer Pressemitteilung.

Zudem sei der Schwimmunterricht für die Kinder „absolut notwendig“, denn: „Noch mehr Nichtschwimmer – das ist verantwortungslos.“ Auch für die Mitglieder der Sportvereine habe es verheerende Auswirkungen, wenn es eine Saison lang kein Schwimmtraining gebe – ganz abgesehen davon, dass Schwimmen der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit zuträglich sei, das Immunsystem und die mentale Zufriedenheit stärke.

Gerade in Zeiten der Kontaktbeschränkungen sei ein Treffen mit Freunden notwendig. „Das Freibad ist im Sommer der Ort der Begegnung“, schreiben die Freibadretter. Selbstverständlich müssten die Corona-Regeln eingehalten werden, ein begrenztes Angebot könne es aber dennoch geben und an zusätzlichen Arbeiten wie Desinfektion und Abstandskontrolle würden sich sicher einzelne Besucher beteiligen. Eine Schließung jedenfalls sei für viele Oberstenfelder und Beilsteiner Bürger unerträglich, schreiben die Freibadretter und fordern eine Öffnung ab Ende Juni.

Sie bekomme viel Zuspruch bei ihren Unterschriftensammlungen, sagt Dagmar Gemmrich im Gespräch mit unserer Zeitung, auch viele Oberstenfelder kämen vorbei, um zu unterschreiben. Andererseits zeigten manche auch Verständnis für die Schließung. Die Gemeinderatssitzung am Dienstag beginnt um 19 Uhr mit der Bürgerfragestunde.

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