Logo

Bürgermeister sitzt stolz im Bagger

An den Ortseingängen zu Asperg warnen Hinweisschilder: Bis Mitte 2023 ist in der Eglosheimer Straße kein Durchkommen mehr. So lange wird es dauern, bis die Verkehrsschlagader der Stadt saniert ist. Gestern war der symbolische Baggerbiss für das Mammutprojekt.

Bürgermeister Christian Eiberger beim ersten Baggerbiss in der Eglosheimer Straße. Foto: Holm Wolschendorf
Bürgermeister Christian Eiberger beim ersten Baggerbiss in der Eglosheimer Straße. Foto: Holm Wolschendorf
350_0900_31683_NEUUeberoertliche_Umleitung.jpg
350_0900_31684_Eroeffnung.jpg

Asperg. Bürgermeister Christian Eiberger klettert in die zwölf Tonnen mächtige Baumaschine und greift unter Anleitung zu den Knüppeln, mit denen die Schaufel bewegt wird. Der Schultes wird angewiesen, eine einst begrünte, mit Pflastersteinen gesäumte Verkehrsinsel in der Streicherkreuzung zu räumen.

Er setzt die Zähne an und beißt auf stabilen Beton. Die Vorderachse des Fahrzeugs verliert dabei leicht die Bodenhaftung. Der Bagger macht ein kleines Männchen, das Ganze sehr hässliche Geräusche. Die Straße zeigt sich dagegen weitgehend unbeeindruckt. Ein paar Kratzer hat sie und einige Pflastersteine verliert sie. „Ich lasse besser die Profis ran“, beendet Eiberger seinen Jungferneinsatz mit so einem schweren Gerät. „Im Sandkasten ist das viel einfacher“, scherzt der dreifache Familienvater und gibt zu, dass sein Dienstwagen mit Automatikgetriebe aus bayerischer Produktion nicht nur einfacher zu bedienen, sondern auch deutlich bequemer sei.

Was Eiberger beim ersten Baggerbiss anrichtete, ist ein Klacks angesichts dessen, was der Eglosheimer Straße in den nächsten Monaten bevorsteht. Auch wenn er meint, „ich will nicht zu viel kaputt machen“. Auf rund 900 Metern Länge, von der Streicher-Kreuzung bis zum Adler, wird hier kein Stein auf dem anderen bleiben. „Ich wünsche uns allen gute Nerven“, hofft der Bürgermeister, dass am Ende der Strapazen und Beeinträchtigungen alle mit dem Ergebnis zufrieden sein werden: Eine komplett runderneuerte Asperger Meile, die auch aus der Perspektive der Fußgänger geplant worden sei. Es wird die größte zusammenhängende Tiefbaumaßnahme in der Historie der Stadt.

Danach ist die Buckelpiste, die 2017 etappenweise zur schlechtesten Landesstraße im ganzen Landkreis Ludwigsburg gekürt wurde, ebenfalls Geschichte. Das meiste Geld des knapp fünf Millionen Euro teuren Projekts wird allerdings nicht sichtbar sein. Die meisten Maßnahmen werden nämlich vergraben: Abwasserkanäle, Wasser- und Gasleitungen, Strom- und Glasfaserkabel.

Die Bagger werden sich bis in vier Meter Tiefe beißen, um den 60 Jahre alten Doppelkanal rauszureißen und einen neuen, zusammengefassten zu verlegen. 18000 Kubikmeter Erde werden bewegt. Das entspricht 600 Fuhren mit mittelschweren Lastern.

Auch die komplette Wasserleitung ähnlichen Alters wird von den Stadtwerken Asperg erneuert. So wie auch die Hausanschlüsse. Die Kosten bis zur Grundstücksgrenze trägt die Kommune, ab da die Immobilieneigentümer. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim werden im selben Zug die Gasleitungen neu machen. Stromleitungen verlegen die Netze BW.

Auch an der Oberfläche wird sich vieles tun: Die Fahrbahn wird durchgehend 6,50 Meter breit und bekommt einen neuen Straßenbelag. Die Kanaldeckel werden bodeneben verlegt, um Rollgeräusche von den Rädern zu minimieren.

Die Fahrbahn wird beidseitig von asphaltierten Gehwegen mit einer Breite zwischen zwei und 3,5 Metern flankiert. „Leider sind die zu schmal, um einen eigenen Radweg anzulegen“, bedauerte Bauamtsleiter Benjamin Durst bereits am Anfang der Planung vor einem Jahr. Es bleibt, wie gehabt, bei den rund 25 Pkw-Stellplätzen. Die aber werden nun auch baulich mit Rasensteinpflaster und eigenen Parkbuchten sichtbar gemacht.

Die Zebrastreifen zwischen Rewe-Markt und IB-Bildungszentrum mit Bäcker und Drogeriemarkt bleibt erhalten, wie auch die Druckknopfampel an der Wilhelmstraße. Was dagegen wegfällt, ist die Ampel an der dann verschlankten Kreuzung zur Osterholzstraße. „So etwas braucht eine reine Anliegerstraße nicht“, meint Durst. Und wer den Schleichweg weiter nutzen wolle, müsse sich in Zukunft beim Abbiegen eben etwas gedulden.

Rund 4,5 Millionen Euro statt wie ursprünglich geschätzt 5,3 Millionen wird das Gesamtprojekt kosten. Das Land wird sich daran mit 550000 Euro beteiligen. An der Stadt bleiben schließlich etwa 3,7 Millionen Euro hängen.

Die große Herausforderung ist: Einzelhandel, Gewerbe und die Schule des IB wollen erreichbar bleiben. So wie die Anwohner auch möglichst ungehindert zu ihren Häusern kommen wollen. „Ganz ohne Einschränkungen wird das aber nicht funktionieren“, sagt Bauamtsleiter Benjamin Durst. Vor allem aber muss die Feuerwehr, die ebenfalls an der Eglosheimer Straße liegt, ausrücken können. Das bedeutet, dass aus allen Richtungen die Floriansjünger schnellstmöglich zu ihren Wagen kommen müssen.

Jetzt müssen sich 16000 Autofahrer, die sonst täglich die Strecke nutzten, andere Routen suchen. Die aber sind gut ausgeschildert und die Straßenmarkierungen wurden auch schon weggeflammt, die Ampelanlagen sind stillgelegt und blinken gelb. Nicht alle wollen das zum Baustart einsehen und versuchen trotzdem mit ihren Autos noch hupend durchzubrechen. „Das wird sich schnell legen, sobald Laster den Weg versperren und die ersten Gräben gezogen sind“, gibt sich die Bauleitung gelassen.

Autor: