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Campus rückt wieder in den Fokus

Das alte Krankenhaus und das bestehende Ärztehaus in Marbach: Wenn die Pläne für den Gesundheitscampus umgesetzt werden, wird sich das Areal drastisch verändern.Archivfoto: Kuhnle
Das alte Krankenhaus und das bestehende Ärztehaus in Marbach: Wenn die Pläne für den Gesundheitscampus umgesetzt werden, wird sich das Areal drastisch verändern.Archivfoto: Kuhnle
Um die Entwicklung des bisherigen Marbacher Krankenhausareals zu einem Gesundheitscampus war es in den vergangenen Monaten ruhig. Doch eine Klausurtagung des Kliniken-Aufsichtsrates am vergangenen Wochenende bringt wieder Bewegung in das Thema – und einmal mehr Marbacher Sorgen ans Licht.

Marbach. Als der Gemeinderat der Schillerstadt am vergangenen Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommt, steht nur das Energiekonzept für das künftige Neubaugebiet Keltergrund in Rielingshausen auf der Tagesordnung. Doch Michael Herzog, Stadtrat der Freien Wähler und niedergelassener Arzt, nutzt das öffentliche Forum, um das Thema Gesundheitscampus aus der – auch coronabedingten – Versenkung zu holen und darauf zu dringen, dass die Planungen so umgesetzt werden, wie es zuletzt Konsens war.

Die Verlesung einer zweiseitigen Stellungnahme, sagt Herzog nach der Sitzung, sei mit den Vorsitzenden der übrigen Fraktionen und mit Bürgermeister Jan Trost abgesprochen gewesen. So wird zwei Tage vor der Klausurtagung des Kliniken-Aufsichtsrates nicht über Herzogs Einlassungen diskutiert, die übrigen Stadträte quittieren sie vielmehr mit Applaus. Und unterstützen damit Äußerungen wie diese: „Im Oktober finden wohl die abschließenden Beratungen und dann hoffentlich die Ratifizierung des städtebaulichen Vertrages durch die Gremien des Kreistags statt. Wir wissen, dass es dort nicht nur Befürworter dieses Plans gibt, der in harten Verhandlungen letztlich aber einvernehmlich mit der Klinikenverwaltung, dem Landratsamt, der Evangelischen Heimstiftung und uns, der Stadt Marbach, ausgehandelt wurde. Der Gemeinderat der Stadt Marbach steht vorbehaltlos hinter diesem Vertragswerk.“ Und: „Wir hoffen und wünschen, dass jetzt nicht versucht wird, diesen Vertrag wieder aufzuschnüren und einzelne Abschnitte zu ändern oder gar zu streichen. Wenn auf dem Gelände nicht bald etwas passiert, laufen wir Gefahr, dass eine ausgediente Ruine zurückbleibt, die immer mehr verwahrlost. Dies kann keiner wollen.“

Sätze, die Landrat Dietmar Allgaier, der in Personalunion Aufsichtsratsvorsitzender der maßgeblich an den Marbacher Plänen beteiligten Regionalen Kliniken-Holding (RKH) ist, nicht so ganz nachvollziehen kann: „Die Aufregung sehe ich nicht“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung und verweist darauf, dass die Inhalte jener Absichtserklärung, auf die sich RKH, Landkreis und Stadt Marbach vor einem Jahr verständigt haben, weiterhin Bestand hätten. Dieser „Letter of intent“ sieht vier Bausteine für den Gesundheitscampus vor: die Erweiterung des bestehenden Ärztehauses, den Bau eines Komplexes mit Pflegeplätzen und betreuten Seniorenwohnungen durch die Evangelische Heimstiftung, eine Akademie für das Klinikum Ludwigsburg und den Bau einer Krankenpflegeschule. Am Aufbau einer Pflegeschule „halten wir fest“, sagt Allgaier nach der Aufsichtsratssitzung explizit. Es sei wichtig, eigenes Personal, aber auch Personal für andere Träger auszubilden.

Etwas vager wird der Landrat beim Thema zweites Ärztehaus, das schon in der Vergangenheit Zankapfel zwischen den Parteien war. Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr war aus den Reihen des Marbacher Gemeinderats der Vorwurf des Dilettantismus an die Adresse der Klinikenleitung erhoben worden, weil es bis dahin nicht gelungen war, Interessenten für ein zweites Ärztehaus zu finden. Allgaier sagt jetzt: „Wir halten an dem Konzept fest – aber es muss wirtschaftlich tragfähig sein.“ Umgesetzt werden könnten diese Pläne erst, wenn es eine entsprechende Auslastung gebe, der Bedarf müsse eruiert werden. Diese Vorbedingung nennen Kreis und Kliniken freilich, seit ein Ärztehaus als Kompensationsmodul für das Ende des Krankenhausbetriebes in Marbach im Raum steht.

Dietmar Allgaier geht davon aus, dass die entscheidenden Gremien im Oktober grünes Licht für den Start des städtebaulichen Wettbewerbs geben; der Ausschreibungstext sei bereits fertig. Dieses Verfahren finanziert laut Landrat die Kliniken-Holding, der Betrag liege im unteren sechsstelligen Bereich. Möglicherweise würden Ergebnisse schon im ersten Halbjahr 2022 vorliegen. Für Allgaier ist das Indiz dafür, „dass wir an dem Konsens mit Marbach festhalten wollen“. Er sei optimistisch, „dass der Aufsichtsrat mitgeht“.

Die Marbacher Kommunalpolitik wird diesen Optimismus wohl erst teilen, wenn der städtebauliche Vertrag unterschrieben ist. „Wir sind in den letzten acht Jahren durch ein Tal der Tränen gegangen“, erinnert Michael Herzog an so manche geplatzten Projektideen für den Campus – etwa die einer Privatklinik für Psychosomatik, wie sie nun in Freudental entsteht. Und offenbar treibt die Marbacher auch die Sorge um, dass andere Kommunen den Finger für eine Krankenpflegeschule und die Akademie heben könnten: „An einem anderen Standort sind diese Einrichtungen aber sicher auch nicht günstiger zu haben als in Marbach.“