Logo

Caritas: „Vermieten ist Vertrauenssache“

Auch weil Vermieter schlechte Erfahrungen gemacht haben, etwa auf Mietschulden sitzengeblieben sind, und das Geld nicht unbedingt brauchen, stehen Wohnungen leer. Hier will das Projekt „Türöffner“ ansetzen, an dem sich nun auch die Gemeinde Murr beteiligt.

Die Caritas möchte als zuverlässiger Partner Wohnungseigentümer und Wohnungssuchende zusammenbringen. Foto: Stephanie Nagel
Die Caritas möchte als zuverlässiger Partner Wohnungseigentümer und Wohnungssuchende zusammenbringen. Foto: Stephanie Nagel

Murr. Die gemeinsame Offensive von Caritas-Region, Dekanat Ludwigsburg und den katholischen Kirchengemeinden will angesichts der Wohnungsnot eine Vermittlungs- und Brückenfunktion übernehmen: Sie mietet selbst Wohnungen an und vermietet diese dann weiter. Das Projekt begann Ende 2018 im Kreis Ludwigsburg, wo sich bereits mehrere Kommunen beteiligen (wir berichteten), und wurde inzwischen auf den Rems-Murr-Kreis ausgeweitet.

Finanzielle und vertragliche Unterstützung gibt es derzeit vom Landkreis Ludwigsburg sowie den Kommunen Ludwigsburg, Gerlingen und Freiberg, so der Regionalleiter der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, Hendrik Rook. Asperg unterstütze das Projekt momentan vor allem ideell. In Ditzingen stehe der Vertragsabschluss kurz bevor. Bislang habe man im Kreis 38 Wohnungen angemietet und so 115 Menschen untergebracht.

Im Murrer Rathaus haben Bürgermeister Torsten Bartzsch und Hendrik Rook am Freitag einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet und dabei verkündet, dass sich gerade schon eine Wohnungsvermittlung anbahnt. Für jeden Murrer, dem die Caritas im Ort eine Wohnung verschafft, sollen künftig 2500 Euro aus der Sozialstiftung der Kommune an das Projekt fließen. Zunächst ist die Vereinbarung auf zwei Fälle pro Jahr begrenzt. „Das wäre schon ein sehr, sehr großer Erfolg“, sagt Torsten Bartzsch. Doch auch bei weiteren Fällen soll es laut dem Bürgermeister nicht an Unterstützung durch die Gemeinde fehlen: „Wir sehen das Thema Wohnungsmangel als großes Problem an.“ Finanziert wird das Projekt, vor allem der Personalbedarf, zudem aus Eigenmitteln der Caritas sowie jeweils 100 000 Euro über drei Jahre von der katholischen Kirche in Württemberg.

Man wolle den Wohnungsmangel nicht nur politisch beklagen, so Hendrik Rook, sondern auch praktisch etwas tun. Die Gründe, die Vermieter für den Leerstand nennen, könne er durchaus nachvollziehen. Vermieten sei immer Vertrauenssache, schließlich wolle man seine Immobilie in sicheren Händen wissen. Die Caritas wiederum miete nur geeigneten Wohnraum an: „Wir wollen nicht prekäres Wohnen durch prekäres Wohnen ersetzen.“ Maximal bezahlt sie dem Vermieter die für die Gemeinde geltende Mietobergrenze minus zehn Prozent. Aus dem Differenzbetrag werden Kosten gedeckt, die der Caritas entstehen, etwa um die Zeit bis zum Einzug zu überbrücken. Denn erst im zweiten Schritt wird entschieden, wer die Wohnung beziehen soll. Dafür legt die Caritas die maximale Personenzahl fest und schickt dann eine Ausschreibung an mehrere Einrichtungen und Institutionen.

Die Zielgruppe sind laut Hendrik Rook „Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt nicht so attraktiv sind“ wie Alleinerziehende und Geflüchtete. Bei der Auswahl spielten auch Aspekte wie Dringlichkeit und Kinderschutz eine Rolle. Nach dem Einzug kümmert sich die Caritas weiter: Zum einen gibt es eine klassische Sozialbetreuung für die Mieter, zum anderen wird aber auch das Mietverhältnis betreut. Voraussetzung ist etwa, dass die Mieter eine Haftpflichtversicherung haben. Außerdem sind die Untermietverträge auf drei Jahre befristet. Laut Hendrik Rook ist das möglich, da die Caritas als soziale Einrichtung solche Sondermietverhältnisse eingehen kann. Die Verträge mit den Vermietern seien unterschiedlich geregelt.

Wenn in den drei Jahren alles gut funktioniert hat, kann der Vermieter in ein direktes Mietverhältnis wechseln und die Caritas zieht sich zurück. Es kann aber auch alles bei Alten bleiben. Einige Eigentümer wiederum hätten sich gleich am Anfang entschieden, doch direkt zu vermieten. Auf Wunsch können sie nämlich beim Vermittlungsprozess dabei sein. Bisher habe es nur einen Fall gegeben, in dem ein Wohnungswechsel erforderlich war, weil sich Vermieter und Mieter nicht vertrugen. „Sollte es einmal gar nicht klappen, suchen wir nach einer Lösung“, sagt Hendrik Rook.

INFO: Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter www.türöffner-lb.de

Autor: