Logo

Martinusweg

Christliche Wanderer zeigen Einigkeit

Evangelische und katholische Gläubige haben am Samstag die Etappe von Ludwigsburg nach Besigheim auf dem Martinusweg absolviert. Dabei standen neben dem Glauben vor allem das Gemeinschaftsgefühl und die körperliche Ertüchtigung im Mittelpunkt.

350_0900_12265_.jpg
Freude an der Gemeinschaft: die Pilger auf dem Weg von Ludwigsburg nach Besigheim. Foto: Alfred Drossel
350_0900_12266_.jpg

Ludwigsburg. Für den Glauben haben die Menschen in der Geschichte vieles getan. Auch Pilgern gehört zu der langen Liste an Treuebezeugungen des christlichen Abendlands. Während der Jakobsweg weltbekannt ist, handelt es sich beim 2011 eröffneten Martinusweg eher um eine regionale Angelegenheit. Am Samstag machten sich rund 50 Wanderer auf, um die Etappe von Ludwigsburg bis Besigheim zurückzulegen – 2016 ist das Martinsjahr, in dem sich seine Geburt zum 1700. Mal jährt.

Was mit dem Auto oder per Zug sehr gemütlich ist, offenbart sich zu Fuß als Herausforderung. Schließlich gilt es, 22 Kilometer mit immerhin 262 Höhenmetern hinter sich zu bringen. In den frühen Morgenstunden waren die gläubigen Sportler an der Ludwigsburger Schlosskirche gestartet, um am Nachmittag in Besigheim zu sein. Obwohl es sich beim Martinusweg um eine katholische Pilgerstrecke der Diözese Rottenburg-Stuttgart handelt, waren auch jede Menge Protestanten auf der Route unterwegs.

Der katholische Dekan Alexander König aus Ditzingen sowie sein evangelischer Kollege Eberhard Feucht betonten im abschließenden Gottesdienst in der Besigheimer Stadtkirche die Verbundenheit der beiden Konfessionen. Ihr Ziel müsse es sein, in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten und vor allem Neuankömmlinge mit christlichen Werten zu begrüßen. „Zudem ist das moderne Pilgern immer eine Suche nach sich und dem Glauben“, so Feucht. Die beiden Martins, der eine der Heilige aus Tours, der andere Luther, brächten die Konfessionen zusammen. „Die Stadtkirche hier ist ein Kleinod, das es anzusehen gilt“, fügte Alexander König hinzu.

Für die Wanderer war die Tour ein willkommener Ausbruch aus dem Alltag. Vor allem das Gemeinschaftsgefühl und die Erlebnisse auf dem Fußweg seien Motivation für sie, wie sie bei ihrer Ankunft in Besigheim bestätigten. „Man besinnt sich endlich mal auf das Wesentliche“, ließ Andrea Blesel wissen.

Die Bönnigheimerin ist katholisch, ihr Mann Jürgen evangelisch. Das Paar war bereits zum dritten Mal auf einer Etappe des Martinusweg dabei. „Neben dem Glaubensaspekt ist die Unterhaltung mit den Leuten eine weitere Motivation“, sagte Jürgen Blesel.

Die Freude an der Gemeinschaft war den Pilgern anzusehen, als sie durch das Tor neben dem Schochenturn einmarschierten. Angeführt wurden sie vom Besigheimer Wolfgang Steng, der die Pilgerfahne trug. Dekanatsreferent Alexander Bair war als geistlicher Begleiter im Team.

Seine persönliche Religiosität stand für Ernst Kind aus Eberdingen-Nussdorf im Fokus. Der 68-jährige Katholik hatte keine Probleme, die Strecke zu bewältigen. Dass bei dieser Etappe auf das Singen von Liedern verzichtet wurde, störte ihn nicht. „Ich schicke ab und zu ein stilles Gebet gen Himmel, das reicht mir“, verriet der ehemalige Messdiener. Er freue sich zudem auf weitere Pilgerwege mit illustren Gruppen, die die Konfessionen verbinden. Bei der abschließenden Führung durch die Stadtkirche begeisterte ihn vor allem der prächtige Altar.