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Clubs leiden unter dem Stillstand

Sie gehören zu den großen Verlierern der Coronakrise: Betreiber von Clubs und Diskotheken. Noch immer sind ihre Betriebe weitgehend geschlossen, eine Öffnungsperspektive ist nicht in Sicht. Auch die Betreiber des Dancing Park Palazzo in Freiberg und des Ars Vivendi Dance Club in Ludwigsburg sind in finanzieller Bedrängnis und wissen nicht, wie es für sie weitergehen soll.

Ausgelassene Stimmung in einer Diskothek: Darauf müssen Clubbetreiber und Gäste auf unbestimmte Zeit verzichten.Foto:deagreez /stock.adobe.com
Ausgelassene Stimmung in einer Diskothek: Darauf müssen Clubbetreiber und Gäste auf unbestimmte Zeit verzichten. Foto: deagreez /stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. Stampfende Beats, tanzende Menschen und ausgelassene Stimmung: Was bis vor einem halben Jahr für das junge Partyvolk an Wochenenden noch völlig normal war, ist in Zeiten von Corona undenkbar. Viele Menschen auf engem Raum sind der ideale Nährboden für die Verbreitung des Virus. Junge Urlauber, die in südlichen Ländern auf einen Clubbesuch nicht verzichten wollten, können ein Lied davon singen. Viele haben das Virus mit nach Hause gebracht. Kein Wunder, dass man sich hierzulande schwer damit tut, die Diskotheken wieder öffnen zu lassen.

Für die Branche, die seit dem Lockdown im März brach liegt, ist das „der Super-GAU“, wie Ekkehard Menninger vom Dancing Park Palazzo in Freiberg sagt. Die Auswirkungen für den Betrieb und die rund 50 Beschäftigten seien gravierend. Für die Festangestellten habe er Kurzarbeit angemeldet, doch die Aushilfen hätten von heute auf morgen keinen Job mehr gehabt. Dass er den Betrieb nicht komplett dichtmachen muss, liegt zum einen an den staatlichen Hilfen, aber auch an der soliden wirtschaftlichen Basis des Unternehmens. „Wir sind schon seit 43 Jahren auf dem Markt und sehr stabil“, sagt Menninger, der die Unterstützung seitens der öffentlichen Hand als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnet. Zudem sei sehr belastend, dass die Clubbetreiber keine Perspektiven hätten und nicht wissen, wann sie wieder öffnen dürfen. Gleichzeitig habe es in diesem Sommer viele private Veranstaltungen in Scheunen und Gärten gegeben, wo seines Erachtens eine größere Ansteckungsgefahr besteht als in einem Club. „Weil wir Sicherheitspersonal haben, das es gewohnt ist, Kontrollen durchzuführen, ist es für uns einfacher, die Rahmenbedingungen zu erfüllen“, sagt Menninger. Dazu würden die Clubs über gute Belüftungsanlagen verfügen. Seine Hoffnung liegt in der Lösung, wie sie in der Schweiz praktiziert wird. Dort dürfen aktuell bis zu 300 Personen tanzen. „Das wäre zumindest ein Anfang“, sagt Menninger, dessen Palazzo vor Corona von bis zu 800 Personen pro Abend besucht wurde.

Mittlerweile ist in Diskotheken ein Bar- und Kneipenbetrieb erlaubt, die Tanzfläche muss weiterhin geschlossen bleiben. „Das ist allerdings nicht unser Kerngeschäft“, sagt der Palazzo-Chef. „Unsere Kundschaft erwartet, bei uns tanzen und soziale Kontakte knüpfen zu können.“ Das war in Freiberg bis vor einem Jahr mittwochs, freitags und samstags möglich. Jetzt öffnet der Dancing Park nur samstags um 21.30 Uhr, ab Oktober auch freitags. Das macht Menninger vor allem für seine Mitarbeiter und Stammgäste, denn wirtschaftlich sei es nicht lukrativ. „Wir machen Verluste dabei“, so Menninger. Damit auch wirklich keiner auf die Idee kommt zu tanzen, sind die Tanzflächen bestuhlt. Bis auf den Sitzplatz ist überall im Club eine Maske zu tragen und der Sicherheitsabstand von 1,50 Meter einzuhalten.

„Es rechnet sich in keinerlei Hinsicht, auf diese Weise loszulegen“, sagt Anton Greulach, der gemeinsam mit Thomas Schock die Geschäfte des Ars Vivendi Dance Club in Ludwigsburg führt. Bei den ganzen Ausgaben für Gema, DJ, Strom und Wareneinsatz würde man am Ende nur drauflegen. Zudem sei der Club auf einen Tanz- und nicht auf einen Bar- und Kneipenbetrieb spezialisiert. Die staatliche Unterstützung decke derweil nicht einmal die Hälfte der laufenden Kosten ab. Seit der Eröffnung des Clubs 2001 hätten es die Betreiber geschafft, „durch Verzicht auf große Gehälter und ein verschwenderisches Leben Rücklagen aufzubauen“. Davon könne man jetzt zehren.

„Die Hauptproblematik ist die Planungsunsicherheit“, sagt Greulach. Gibt es noch weitere Unterstützung vom Staat? Wann werden die Zügel gelockert? Nach dem Lockdown am 14. März habe es vonseiten der Industrie- und Handelskammer und des Wirtschaftsministeriums geheißen, dass man sich mit dem Beantragen von Unterstützung Zeit lassen könne. Am 7. April habe er folglich den Antrag weggeschickt. „Dann kam es letztlich doch darauf an, wann man die Hilfe beantragt hat“, sagt Greulach. Dadurch habe er für den März keine finanzielle Hilfe bekommen. „Das ist der Horror“, zumal rund 35 Mitarbeiter an dem Betrieb hängen. Am Ende wollen Greulach und Schock jetzt einfach nur weitermachen und den Club wieder öffnen dürfen. So wie Ekkehard Menninger vom Palazzo: „Ich würde gern die 50 Jahre vollmachen.“

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