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Comeback der Kreativfarben

Tamm/Bietigheim-Bissingen. „Fünfmal am Tag hat ein Mensch weltweit ein Produkt vor Augen, das mit Marabu-Farben bedruckt ist.“

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Welche darf’s denn sein? Jenifer Navarro-Rubio sucht sich eine Farbe und eine Schablone aus. Hendrik Matischak (links) und York Boeder in der Verpackungshalle des Geschäftsbereichs Kreativfarben an der Fritz-Lieken-Straße 7–9 in Bietigheim-Bissingen. Foto: Fotos: Alfred Drossel
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Welche darf’s denn sein? Jenifer Navarro-Rubio sucht sich eine Farbe und eine Schablone aus. Hendrik Matischak (links) und York Boeder in der Verpackungshalle des Geschäftsbereichs Kreativfarben an der Fritz-Lieken-Straße 7–9 in Bietigheim-Bissingen. Foto: Fotos: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Hendrik Matischak, Geschäftsleiter der Sparte Kreativfarben, nennt einige Beispiele: als Aufdrucke an Gläsern, auf CDs und DVDs, Farbe auf Tachometern, Kosmetikartikeln oder Kreditkarten, an Waschanleitungen von Kleidung oder als gedruckte Markenlogos auf Produkten.

 

„Was Schuhe angeht, sind wir bei allen großen Sportartikelherstellern vertreten“, sagt Marabu-Chef York Boeder. Zu den Kunden gehören Beiersdorf und L’Oréal sowie der Spielwarenhersteller Lego. Die Branchen sind vielfältig. Wegbrechende Märkte kann Marabu immer wieder durch neue kompensieren.

 

80 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen mit Druckfarben für die Industrie – vor allem in den USA, Asien und China sowie Südamerika. Ganz anders das Kreativfarbengeschäft: Hier steht Europa stark im Fokus. Erst in jüngster Zeit habe Marabu hier in Märkte wie die USA investiert, wo andere Rohstoffe als hierzulande zugelassen und andere Kennzeichnungen nötig sind. Auch in Asien bauen die Tammer seit zwei Jahren massiv Händler auf. „Das Bedürfnis nach Produkten Made in Germany ist groß“, sagt Boeder. Es sei wichtig, dass die Farben hochgradig sicher sind, im Labor werden sie chemisch geprüft. Marabu stecke viel Zeit und Wissen in die oft zwei, drei Jahre dauernde Entwicklung sowie den Tausch von Rezepturen. Im Vergleich zum Wettbewerb will das Unternehmen sauberer, gesünder und umweltverträglicher sein sowie mit Kriterien wie besonderer Kratzfestigkeit und Temperaturbeständigkeit überzeugen. Farben auf Golfbällen zum Beispiel müssen extremen Anforderungen standhalten, auf Smartphones dürfen sie nicht leitfähig sein. Während im günstigen Segment vor allem durch Produkte aus Asien hoher Druck herrsche, konzentrieren sich die Tammer auf High-End-Anwendungen.

 

Viele Leute verbinden die Marke Marabu mit Kinderprodukten, den Farbkästen für Schulen. Dabei hatte das Unternehmen sie in den 80er Jahren aus dem Sortiment genommen, als billige Importe auf dem Markt kamen. „Wir haben dies wieder zurückgeholt, weil es eine Rückbesinnung auf sichere Produkte gibt“, so der 47-jährige Maschinenbauingenieur nennen. Derzeit beobachte er ein Comeback des Kreativmarkts durch sich änderndes Freizeitverhalten. Handwerkliches sei wieder im Kommen. „Wenn ich den ganzen Tag vorm Computer sitze, brauche ich abends einen Ausgleich.“ Um diesen Markt zu bedienen, habe Marabu viele Sortimente aufgebaut im Bereich Basteln, Wellness- und Entspannungsmalen. Oder fürs Individualisieren und Einfärben von Shirts oder Schuhen mit Motivschablonen.

 

An den Bestellungen ihrer Kunden können die Geschäftsführer gut ablesen, welche Farben gerade in sind. Während gewisse Klassiker wie Schwarz, Weiß, Rottöne oder Azurblau immer gehen, waren zuletzt schrille Neontöne im Stil der 80er Jahre gefragt. Derzeit sind es pastellige Kreidefarben. „Das folgt den in der Möbelindustrie gefragten Trends zu Vintage und Shabby Chic“, so Matischak. Der Anteil der Neuprodukte bei den Marabu-Farben liege bei 30 Prozent im Jahr. Über 6000 Artikel gebe es zu kaufen, Tendenz steigend.

 

Nach schwierigen Zeiten in den 2000er Jahren ist Marabu seit 2011 wieder auf der Erfolgsspur. Der Umsatz stieg zuletzt um etwa fünf Prozent. Nun soll er die 100-Millionen-Euro-Marke knacken. Marabu hat derzeit 14 Tochtergesellschaften, vor allem in Europa, aber auch in den USA, wo in kleinem Rahmen für die lokalen Märkte produziert werde. Derzeit werde der Standort in China ausgebaut.

 

Das Unternehmen beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter, davon 80 im 2004 eröffneten Kreativfarbenwerk in Bietigheim-Bissingen und 220 am Hauptsitz in Tamm. Boeder und Matischak suchen vor allem Chemiker, Chemiefacharbeiter und -laboranten, aber auch Beschäftigte in Produktion und Logistik. Um dem Fachkräftemangel gegenzusteuern, setzt Marabu auf eigene Ausbildung. Dem Familienunternehmen, das keine Zeit- und Leiharbeiter einsetzt, sei ein „schönes Ambiente und gutes Betriebsklima wichtig. Die Mitarbeiter treffen sich auch in gemeinsamen Fußball- oder Laufgruppen“, so Boeder.

 

Beide Geschäftsbereiche wachsen, die Kreativfarben jedoch überdurchschnittlich. Daher wird nun der Standort in Bietigheim-Bissingen um einen Neu- und Erweiterungsbau vergrößert, das Investitionsvolumen liegt bei knapp drei Millionen Euro. Das Lager wird erweitert, die Logistik optimiert. Der Neubau soll auf 2700 Quadratmetern Platz für 4200 Paletten bieten. Auch für den Sitz in Tamm gebe es Pläne für eine Erweiterung ab 2017, sie seien jedoch noch nicht spruchreif.