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Corona beschleunigt die Digitalisierung

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute geht es um das Thema Digitalisierung.

Lehrer Christian Barth verbringt viel Zeit mit dem Einrichten der Tablets, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden. Foto: Ramona Theiss
Lehrer Christian Barth verbringt viel Zeit mit dem Einrichten der Tablets, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden. Foto: Ramona Theiss
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Freiberg. Für eine Schule kann es kaum Schlimmeres geben, als wegen einer Pandemie komplett schließen zu müssen – so wie Mitte März dieses Jahres. Acht Monate später ist das nicht anders. Doch die Schulen – auch die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg – sind mittlerweile auf dieses Szenario vorbereitet. „Wir könnten heute dichtmachen und morgen online unterrichten“, sagt Christian Barth. Er ist Lehrer am Gymnasium für Mathematik und Physik und einer von sechs Netzwerkberatern der OPS.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich der Pädagoge noch genau an den Freitag, den 13. März. Per Livestream verfolgte das Kollegium, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen) verkündeten, dass das Land Baden-Württemberg wegen der Coronavirus-Pandemie vom darauffolgenden Dienstag an alle Schulen und Kindertagesstätten bis zum Ende der Osterferien am 19. April schließt. „Plötzlich standen wir vor einem Riesenproblem“, sagt Barth. Das Problem hieß: Wie gestaltet man den Unterricht für 1500 Schüler? Schließlich gab es zu diesem Zeitpunkt keine Onlineplattform, auf der Schüler und Lehrer digital zusammen arbeiten konnten. Noch am gleichen Wochenende haben die Netzwerkfachleute der Schule ein Cloudsystem aufgebaut, um Dateien austauschen zu können. „Das hat uns bis zu den Sommerferien begleitet“, sagt Barth. Noch vor Ende des Schuljahres habe man entschieden, Microsoft-Teams anzuschaffen. Dabei handelt es sich um eine Software für digitale Teamarbeit. Damit können in den jeweiligen Klassen Online-Unterrichte stattfinden, aber auch Fachschaftssitzungen, Abteilungskonferenzen und die Gesamtlehrerkonferenz abgehalten werden.

Für den digitalen Unterricht gibt es mehrere Modelle, die auf die jeweilige Situation angepasst sind. Muss die ganze Schule geschlossen werden, findet der komplette Unterricht nach einem vorgegebenen Stundenplan digital statt. Das wurde bereits vor den Sommerferien so praktiziert. Einzige Ausnahme: Die Kursstufe und die Abiturienten hatten Präsenzunterricht. Dieser gilt seit Schuljahresbeginn wieder für die gesamte Schule. Müssen einzelne Schüler in Quarantäne, können sie digital dem Unterricht zugeschaltet werden. Dafür wählt sich der Schüler von zu Hause ein und der Lehrer hat für die Übertragung ein Laptop im Klassenzimmer dabei. Das kommt allerdings nicht bei jedem Lehrer gut an. Denn: „Das Klassenzimmer ist ein geschützter Raum, in dem ein Schüler beispielsweise auch mal getadelt wird“, sagt Christian Barth. Deshalb musste jeder Nutzer der Software eine Datenschutzerklärung unterzeichnen. Damit erklärt jeder Schüler, dass er während des Unterrichts zu Hause alleine im Zimmer ist und keine andere Person mithört. „Das ist ein heikles Thema, doch die Schüler sind sehr motiviert, sich da einzubringen“, so Barth. Schwierig wird es, wenn eine gesamte Klasse in Quarantäne geschickt wird. Hat ein Lehrer beispielsweise in den ersten beiden Stunden Präsenzunterricht, wird die Zeit sehr knapp, danach umgehend den digitalen Unterricht für die Quarantäneklasse zu starten, zumal er auch Pausenaufsicht machen muss. Deshalb wird in solchen Fällen nachmittags in allen Fächern eine Online-Sprechstunde angeboten, in der Aufgaben verteilt und Fragen geklärt werden können.

Insgesamt 540 Tablets mit Tastatur (Surface-Tablets) gibt es mittlerweile in der Oscar-Paret-Schule, um sie den Schülern kostenfrei zur Verfügung stellen zu können. Viel Arbeit für Christian Barth und seine Kollegen, die über mehrere Wochen hinweg täglich Stunden um Stunden damit verbracht haben, die Geräte einzurichten, für jeden Schüler persönliche Accounts anzulegen und die Gesichtserkennung zu deaktivieren. Etwa 20 Minuten pro Gerät waren dafür nötig, was aber schnell auch mal länger dauerte, wenn beispielsweise ein Schüler sein Passwort vergessen hatte.

Jetzt hapert es noch am WLAN, das nur in einem Fachraum sowie im Lehrerzimmer verfügbar ist. Doch im neuen Gebäude wird das kein Problem mehr sein. Bis dahin behilft sich die Lehrerschaft mit sechs Laptopwagen, die mit jeweils 16 beziehungsweise 32 Geräten zum digitalen Arbeiten bestückt sind. Damit sieht Christian Barth die OPS in der Coronakrise gut aufgestellt: „Was die Digitalisierung anbelangt, sind wir seit März im Turbogang.“

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