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Corona-Fall: „Die Kritik halten wir nicht für gerechtfertigt“

Landratsamt reagiert in einer Stellungnahme auf die Vorwürfe des Großbottwarer Firmenchefs – Elf Infizierte – 150 Mitarbeiter in Quarantäne geschickt

Großbottwar. Der Artikel „Firmenchef übt Kritik an der Information des Landratsamts“ am Mittwoch, in unserer Zeitung erschienen, hat offenbar für einigen Wirbel gesorgt – und für eine Stellungnahme der Behörde. Wie berichtet hat es in der Großbottwarer Lederfirma Gmelich elf Corona-Infektionen gegeben; jetzt sind alle 150 Mitarbeiter in Quarantäne. Geschäftsführer Volker Nagel hatte die Informationspolitik des Landratsamtes kritisiert. In der Stellungnahme heißt es nun, Nagel habe sich zunächst sehr kooperativ gezeigt und freiwillig alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Problematisch sei die Sache erst geworden, nachdem das Landratsamt am Montag erfahren habe, dass Volker Nagel zwar alle Mitarbeiter habe kontaktieren können, diesen jedoch mangels E-Mail-Adressen nicht das Merkblatt habe zuleiten können, das ihm bereits in der Vorwoche, gleich nach Bekanntwerden der ersten Fälle, vom Gesundheitsamt zugesandt worden war. Darüber hinaus sei es erst am Nachmittag des Sonntags, gelungen, „die Mitarbeiterliste datenkonform an das Gesundheitsamt zu übermitteln, am darauffolgenden Montagvormittag ergänzt um die Arbeitstage, die für die Festsetzung der Quarantäne-Dauer erforderlich waren“.

Durch die Mitarbeiter, die für die Kontaktpersonennachverfolgung eingestellt worden waren, habe das Gesundheitsamt auf die Liste mit den rund 150 Mitarbeitern der Firma am Montagmittag, sehr schnell reagieren können.

„Es konnten ab diesem Zeitpunkt alle Personen angerufen und mit den notwendigen, ergänzenden Informationen versorgt werden. Leider wurden bis heute aus verschiedenen Gründen einige dieser genannten Kontaktpersonen telefonisch nicht erreicht“ heißt es in der Stellungnahme. So hätten aktuelle Telefonnummern ermittelt werden müssen. Alle Kontaktpersonen hätten zudem ein Infoschreiben des Gesundheitsamts erhalten. Bis gestern Nachmittag seien alle Kontaktpersonen im EDV-Verfahren erfasst und der Kommune übermittelt worden, so dass die Quarantäneverfügungen erstellt werden können. Die telefonische Aufforderung als Kontaktperson zu Hause zu bleiben, sei bereits erfolgt.

„Die Kritik von Herrn Nagel halten wir für nicht gerechtfertigt“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamtes. Über die notwendigen Maßnahmen hinsichtlich der Indexfälle und der Kontaktpersonen sei Nagel schon unmittelbar nach Erstmeldung am Freitag mittels diverser Unterlagen, die üblicherweise an infizierte Personen und die Kontaktpersonen versandt werden, informiert worden, mit der Bitte, alle ihm bekannten betroffenen Personen in Kenntnis zu setzen und ihnen die Merkblätter des Gesundheitsamts auszuhändigen. „Diese Vorgehensweise war zwischen Herrn Nagel und dem Gesundheitsamt einvernehmlich abgesprochen“, heißt es in dem Schreiben. Bei den Anrufen bei den Kontaktpersonen habe sich bestätigt, dass diese Vorgehensweise sehr gut umgesetzt worden sei, da diese bereits „vollumfänglich informiert waren“. Nur in Einzelfällen hätten Mitarbeiter nicht nachvollziehen können, warum sie Kontaktperson sein sollen.

Die Ermittlung der Kontaktpersonen sei in jedem Fall zeitaufwendig und schwierig. Auch bei den Mitarbeitern der Firma Gmelich habe sich dies so bestätigt. „Leider konnten bis heute einige Personen telefonisch nicht erreicht werden. Es war bei einigen Personen nicht möglich, die korrekte Telefonnummer zu ermitteln oder diese unter der genannten Nummer zu erreichen. Diese Personen wurden noch am gleichen Tag postalisch angeschrieben. Das Gesundheitsamt wird weiterhin alle Möglichkeiten der Ermittlung nutzen, um alle Kontaktpersonen zu erreichen“, heißt es abschließend in dem Schreiben. (red/ann)