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„Daran gibt es nichts zu rütteln“

Haben trotz Abschied gut lachen (von links): Die Füenf – also Kai Podack (Little Joe), Jens Heckermann (Pelvis), Patrick Bopp (Memphis), Christian Langer (Justice) und Francesco Cagnetta (Dottore Basso). Foto: Kai Podack/p
Haben trotz Abschied gut lachen (von links): Die Füenf – also Kai Podack (Little Joe), Jens Heckermann (Pelvis), Patrick Bopp (Memphis), Christian Langer (Justice) und Francesco Cagnetta (Dottore Basso). Foto: Kai Podack/p
Das Ende ist definitiv beschlossen: Füenf verabschieden sich mit einer extra langen Tour von ihren Fans

Stuttgart. „Endlich“ ist der schlichte Titel der Abschiedstour, auf die sich die Vokalgruppe Füenf nun begeben hat. Nach beinahe 25 Jahren soll nun Schluss sein mit Stimmakrobatik, spaßigen Gesängen, immer wieder neuen überraschenden Lautmalereien, mit denen sie sich an die Spitze der A-capella-Bands gesungen haben. Wir sprachen vor dem Auftritt am 27. Mai im Theaterhaus mit einem der Gründungsmitglieder, Jens Heckermann, der auch als „Pelvis“ immer an der vordersten Front stand.

Herr Heckermann, ich erinnere mich an eines meiner ersten Interviews als junger Journalist, das war wohl 1996, und mein Gegenüber war damals ein ebenso junger Musiker, der mit seinen Freunden gerade dabei war, die Bühnen mit ihrem damals noch ziemlich neuen A-capella-Gesang zu erobern…

Jens Heckermann: Ja, ich erinnere mich auch, das war wohl eines meines ersten Interviews…

Seither ist doch einige Zeit ins Land gegangen. Was passierte in diesen Jahren?

Über die Jahre kann wohl zu Recht sagen, dass wir eine erfolgreiche Gruppe geworden sind. Im Prinzip haben wir da so etwas wie eine richtige Firma für uns aufgebaut. Insgesamt war das einiges an Arbeit, aber es hat im Grunde immer auch sehr viel Spaß gemacht. Wir haben über 2000 Konzerte gespielt, ich habe zwei Kinder großgezogen, wir haben insgesamt 15 Alben herausgebracht und ich und auch die anderen haben doch auch immer wieder andere, kleinere Projekte verwirklicht.

Und jetzt soll das alles zu Ende gehen.

Ja, jetzt geht die Ära zu Ende. Wir haben irgendwann feststellen müssen, dass auch die besten Ideen endlich sind, dass es uns schwerer fiel, ein wirklich wieder neues Programm zu erarbeiten, das unseren eigenen Qualitätsansprüchen genügt und für das Publikum auch wieder spannend sein kann. Irgendwann sind die Ideen ausgereizt. Dazu kommt, wir sind fünf ganz unterschiedliche Typen und haben auch noch andere musikalische Interessen, die oftmals in den letzten Jahren zurückgestellt wurden.

Da war es dann logisch, dass man über die weitere Arbeit nachdenkt?

Ja, wir haben das gut überlegt und sind zu dem Schluss gekommen, dass es am besten ist, jetzt aufzuhören. Wir haben es einfach nicht mehr geschafft, neue Songs in der Leichtigkeit und auch der Qualität, die wir wollen, zu erarbeiten und so haben wir uns entschlossen, einen Strich unter die Angelegenheit zu ziehen.

Aber eine Abschiedstournee wolltet ihr noch machen.

Ja, wir wollten das Ende nicht so Knall auf Fall durchziehen. Wir wollten uns ordentlich von unseren Fans verabschieden, wir wollten den Leuten, mit denen wir über Jahre zusammengearbeitet haben, die Zeit geben, sich auf die neue Situation einzustellen und für uns selbst ist ein gleitender Übergang in neue Herausforderungen auch das Beste, denn es ist schon eine Umstellung, wenn man über 20 Jahre vor allem als Band gearbeitet hat. Aber wir sind jetzt auch in einem Alter, in dem man nochmals etwas Neues probieren kann, wenn nicht jetzt, dann passiert das wohl nicht mehr.

Und wohin führt Ihr persönlicher Weg?

Vor allem in den Zeiten von Corona, als man mit der Gruppe nicht viel arbeiten konnte, habe ich mich sehr an neuen Perspektiven orientiert. Vor allen Dingen habe ich eine Coaching-Ausbildung im Gesangsbereich angefangen bei einem großen Gesangsinstitut in Kopenhagen, dem CVT, und damit bin ich nächstes Jahr fertig. Es war für mich immer schon ein kleiner Traum, so etwas zu können. Die haben da eine Gesangstechnik entwickelt, die einfach und klar strukturiert ist und die man auch gut weitergeben kann. Damit habe ich mich die letzten beiden Jahre intensiv beschäftigt und das hat mir auch in den Zeiten ohne Auftritte viel geholfen.

Und was soll daraus dann entstehen?

Ob eine neue Karriere daraus wird, kann man ja nie so genau voraussagen. Ich mache gerade mein Soloalbum fertig, das Projekt heißt „Kauz“ und ich habe gerade in Coronazeiten die ganzen Titel ausgesucht, neu aufgearbeitet und eingespielt. Das Album kommt Ende Juni heraus. Das andere ist dann das Coaching-Thema, du kannst dann in der ganzen Welt Sängerinnen und Sänger coachen, ich hatte jetzt schon das eine oder andere Mal auch Gelegenheit dazu, das hat mit viel Freude gemacht und so ist auch das eine von mir sehr geschätzte Betätigung. Mal sehen, was draus wird.

Wenn man auf den Tourplan schaut, zieht sich der Abschied doch noch einige Zeit hin, es gibt schon Termine bis Anfang 2024.

Ja, als wir zu dem Schluss gekommen waren, dass wir aufhören wollen, haben wir auch beschlossen, dass wir mit einem Best-of-Programm und verabschieden wollen. Und die Arbeit daran hat wieder Spaß gemacht und wir werden somit den Abschied mit viel Freude zusammen mit unseren Fans ausgiebig feiern.

Es gab ja schon öfters Rücktritte vom Abschied. Wie ernst ist es euch mit dem Aufhören?

Der Abschied ist beschlossen, daran gibt es nichts zu rütteln, das ist definitiv. Deshalb haben wir auch bewusst diesen über zwei Jahre hinweg geplant. Wir wollten uns nicht einfach so sang- und klanglos aus der Affäre ziehen und deshalb haben wir gesagt, lasst uns doch noch einmal so ein richtig gutes Best-of-Programm machen, lasst uns und alle, die gerne dabei sind, noch ein wenig genießen, von den letzten 25 Jahren zehren.

Was kommt in dem Best-of-Programm vor? Wie ist das zustande gekommen?

Wir haben unter unseren Fans eine kleine Abstimmung veranstaltet, was sich die Leute wünschen. Dann haben wir das kombiniert mit dem, was wir selber gerne nochmals auf der Bühne gezeigt hätten und daraus ist dann eine Doppel-CD entstanden mit 40 Songs, so viele sind es am Ende geworden, die wir zu unseren absoluten Best-of rechnen. Davon spielen wir dann im Bühnenprogramm so etwa 25.

Lässt sich daraus dann auch so etwas wie die Entwicklung der Gruppe über die Jahre verfolgen?

Ich denke schon. Ich denke, unsere Songs sind im Laufe der Jahre immer feiner geworden, die Arrangements komplexer und differenzierter und das lässt sich dann auch an diesem Abend gut heraushören. Wir bilden tatsächlich ein stückweit die Entwicklung ab, haben Songs aus der Anfangszeit dabei, die schon anders klingen als etwa die, die wir in unsere letzte Show gesungen haben. Deshalb haben wir auch 40 Lieder in der Auswahl, damit man da einen Überblick über die Jahre bekommt.

Info: Für die Abschiedstournee „Endlich“ gibt es Termine bis Anfang 2024, die nächsten Auftritte in der Region sind am 27. Mai im Theaterhaus, am 17. September in Heilbronn, am 25. September wieder im Theaterhaus und am 21. Oktober in Marbach sowie am 11. Dezember in Ludwigsburg im Scala. Mehr unter www.fuenf.com