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Das Comeback der gelben Stadtbahnen

Der neue Campus des Finanzdienstleisters W&W soll dringend einen ÖPNV-Halt bekommen – Fahren jetzt doch noch Hochflurzüge durch Ludwigsburg?

Gelbe Stadtbahnen verkehren in Ludwigsburg: Nach dem Willen des Landratsamtes könnte ein Ast über Pattonville, die Karlshöhe und die Evangelische Hochschule zum neuen W&W-Campus an der Gemarkungsgrenze zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim führen. Fo
Gelbe Stadtbahnen verkehren in Ludwigsburg: Nach dem Willen des Landratsamtes könnte ein Ast über Pattonville, die Karlshöhe und die Evangelische Hochschule zum neuen W&W-Campus an der Gemarkungsgrenze zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim führen. Fotomontage: Landratsamt Ludwigsburg (p)

Kreis Ludwigsburg. Zuletzt sah es so aus, als würden die alten Schlachten zwischen dem ehemaligen Landrat Rainer Haas und dem früheren Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec geschlagen sein. Endgültig beerdigte der Gemeinderat der Kreisstadt die gelben SSB-Stadtbahnen mit ihren Hochbahnsteigen im Sommer 2018, worauf alle Beteiligten auf eine Niederflurvariante zwischen Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg und Pattonville einschwenkten. Doch jetzt deutet alles darauf hin, als wolle das Landratsamt das Fass noch einmal aufmachen.

In dieser Woche publizierte der Kreisdezernent Heiner Pfrommer im Markgröninger Gemeinderat seine Überlegungen, wonach Pattonville Ausgangspunkt eines Stadtbahnastes sein könnte, der über die Ludwigsburger Siedlung Grünbühl in Richtung Karlshöhe und Evangelische Hochschule zum neuen Campus des Finanzdienstleisters W&W führen würde. An der Gemarkungsgrenze zwischen Kornwestheim und dem Ludwigsburger Süden entstehen derzeit Arbeitsplätze für rund 5000 Menschen.

Am Bahnhof wäre Schluss

Von dort würde es über eine Brücke zu einem Halt an der Pflugfelder Straße am Westeingang des Ludwigsburger Bahnhofs weitergehen – und zwar laut Pfrommer explizit mit gelben Stadtbahnen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Insgesamt stehen drei Korridore zur Auswahl, etwa über die Aldinger Straße und die Robert-Franck-Allee, die auch den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Ludwigsburg als Endstation beinhalten. Allerdings bezweifeln Bahnexperten, dass Fahrzeuge mit hohen Bahnsteigen dort eingefädelt werden könnten. Über den Ludwigsburger Bahnhof hinaus sollen die Züge aber nicht verkehren.

Was die Pläne so besonders macht: dass aus der Stadt Ludwigsburg kein kategorisches Nein mehr zu den gelben SSB-Stadtbahnen kommt. „Wir wollen uns diesen Überlegungen nicht verschließen“, sagt der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk auf Anfrage unserer Zeitung. „Es ist legitim, sich Gedanken zu machen“ – allerdings unter einer Bedingung. Auf keinen Fall dürfe ein weiterer Stadtbahnast das gesamte Vorhaben, das schon hinter dem ursprünglichen Fahrplan zurückbleibt, weiter zeitlich verzögern. Wie alle anderen Anrainer habe auch die Stadt Ludwigsburg vor, die stillgelegte Markgröninger Bahn so schnell wie möglich zu reaktivieren.

Deshalb fordert Ilk mit Blick auf die gelben Stadtbahnen eine schnelle Untersuchung, Neudeutsch „Quick and dirty“, ob die Varianten von Pattonville durch den Ludwigsburger Süden etwas taugen oder nicht. Der Spitzenbeamte bezweifelt das. Das Landratsamt kündigt unterdessen an, bis zum 20. Juni Ergebnisse zu liefern. „Bei der Untersuchung geht es um die überschlägige Abschätzung des Fahrgastaufkommens“, so der Dezernent Pfrommer. Welche Eingriffe später in die Infrastruktur nötig seien, müsse sich noch zeigen. „Nähere Erkenntnisse können sich nur nach der Beauftragung einer entsprechenden Planungstiefe ergeben.“

Was der Ludwigsburger Ilk aber weiterhin ausschließt: dass die klobigen Hochflurbahnen mit ihren satten Radien auch die anvisierten Innenstadtzweige nach Oßweil und Schlösslesfeld nehmen werden. „Da haben wir eine eindeutige Beschlusslage.“

Im Topf sind darüber hinaus noch andere Lösungen, um den neuen W&W-Campus anzusteuern. Als kritisch bewertet es das Landratsamt seit Monaten, die Markgröninger Bahn über Ludwigsburg hinaus zu verlängern. Es führt den hohen Verkehr auf den vier Gleisen in Richtung Stuttgart ins Feld. Das Verkehrsministerium befürchtet dort negative Auswirkungen auf den gesamten Schienenverkehr.

Freie Wähler wie der Markgröninger Rainer Gessler und sein Fraktionskollege Ilk, die beide im Kreistag sitzen, sowie der Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb, schlagen deshalb vor, Züge über das westliche Nebengleis zu führen und mit der Schusterbahn Richtung Kornwestheim, Untertürkheim und Esslingen zu verbinden. Dafür gibt es allerdings noch keinen politischen Beschluss, für den der Stuttgarter Regionalverband zuständig wäre. Außerdem müsste zusätzlich zu W&W ein Halt am Kornwestheimer Güterbahnhof in unmittelbarer Nähe zum Personenbahnhof geschaffen werden. Der Freie Wähler Gessler: „Es geht jetzt um alles.“

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