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Das gemeinsame Lied sitzt

Höpfigheimer Grundschüler besuchen Konzert des SWR Vokalensembles und bekommen vorher Besuch.

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Im Jubeln sind die Grundschüler schon richtig gut, wie sie Holger Frank Heimsch beweisen.Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Noch auf dem Schulhof singen die Höpfigheimer Dritt- und Viertklässler das Lied „Cracker Jack“: Das Ziel des Chormanagements des SWR Vokalensembles ist aufgegangen. Bei Konzerten und Unterrichtsbesuchen wollen die Pädagogen vermitteln, wie kostbar Musik und vor allem die eigene Stimme ist. Selten traf Musikpädagoge Holger Frank Heimsch aber auf so gut vorbereitete Schüler wie in Höpfigheim, sagt er. Der Viertklässler Ryan hat sogar den Song auf dem Metallofon vorgespielt. „Er kannte das Lied von der Kassette aus dem Unterricht und arbeitete es in den Ferien nach Gehör nach“, erzählt Schulleiterin Mechthild Wittmer.

Das Stück ist Teil des Märchens „Die kleine Meerjungfrau“, welches das Vokalensemble am Freitag vor 500 Schülern in der Stuttgarter Liederhalle aufführt. Dabei sind auch die Höpfigheimer Grundschüler und die hatten „Cracker Jack“ bereits mehrmals im Musikunterricht eingeübt, damit sie beim Besuch der Pädagogen gestern gut mitmachen können.

Heimsch hatte gestern Vormittag also gar keine Mühe, als er mit den Dritt- und Viertklässlern sowie Kollegin Annette Ruoff erst die Theorie streifte. Die Musik für das von Hans Christian Andersen stammende Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ komponierte der Däne John Høybye und der sei im Gegensatz zu dem Komponisten Beethoven und Mozart was? „Die sind ausgestorben“, beantwortet ein Junge die Frage. Genau und sie machten klassische Musik, Høybye moderne. „Das Vokalensemble arbeitet immer mit Menschen, die noch leben“, so Heimsch.

Als die ersten Töne des Liedes „Cracker Jack“ erklingen, sind die Schüler kaum noch zu halten, die meisten wippen schon mit den Füßen. Dann singen alle kräftig mit. Auch der Klatschrhythmus klappt ohne viel Federlesen. Einzig beim Tanz gibt es noch Unsicherheiten. „Den haben wir vorher nicht geübt, weil wir uns nicht sicher waren, wie er genau geht und wir wollten nichts falsch machen“, erklärt Wittmer. Deshalb auch Heimschs Rat: „Ihr müsst euch einig sein, in welche Richtung ihr anfangt.“ Und wie benimmt man sich auf einem Konzert? Schließlich reisen die 35 Dritt- und Viertklässler am Freitagmorgen alle nach Stuttgart und sind dann Teil des Konzerts um 11 Uhr – „Cracker Jack“ wird ungefähr in der Mitte von allen gemeinsam gesungen. „Man muss sich schön anziehen und darf nicht so viel Lärm machen“, sagt Annika. Und wenn einem etwas besonders gut gefallen hat? „Dann steht man auf und feiert“, weiß sie auch. Wie das geht, proben die Schüler gleich im Klassenzimmer. Denn jetzt hat Ryan seinen großen Auftritt und wird sogar mit dem Handy gefilmt. „Das gibt es selten, dass uns zusätzlich etwas präsentiert wird“, lobt Heimsch und Ryan bekommt von seinen Mitschülern „standing ovations“.

„Wir bereiten die Schulklassen auf ihren Konzertbesuch vor“, erklärt Heimsch. Für die Kinder sei es immer ein großes Erlebnis zu sehen, was man nur mit Stimme und Mund machen kann. Mechthild Wittmer war es wichtig, den Kindern auch einen Zugang zu moderner Musik zu verschaffen, nachdem Höpfigheimer Grundschüler bereits mehrere klassische Konzerte besucht hatten. „Kulturelle Bildung ist uns wichtig“, sagt sie.