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Das größte Puzzle der Welt gelöst

Mehr als 100 Murrer puzzelten sich durch die erste Welle der Corona-Krise. Jeder für sich und irgendwie doch zusammen. Gemeinsam lösten sie das größte Legerätsel der Welt, das es serienmäßig auf dem Markt zu kaufen gibt. Es hat sage und schreibe 52110 Teile.

Das Puzzle besteht aus exotischen Tiermotiven im Urwald.Foto: Ramona Theiss
Das Puzzle besteht aus exotischen Tiermotiven im Urwald. Foto: Ramona Theiss

Murr. Die Idee stammt aus der der Gruppe „Spielzeit“ der evangelischen Kirchengemeinde Murr. Seit Anfang Mai 2018 treffen sich hier regelmäßig zwischen fünf und zwölf Spielbegeisterte. Auch sie mussten wegen des Lockdown ihre Abende in geselliger Runde einstellen. Mitte März rollte der letzte Würfel, wurden die Karten letztmals gemischt. „Was nun, um die einsame Freizeit weiter unterhaltsam zu gestalten?“, so die Frage, die den harten Kern umtrieb.

Judith Renz stolperte im Internet über das Projekt: ein Puzzle mit exotischen Tiermotiven, eine Art Arche ohne Noah mitten im Urwald, mit Papageien und Pinguinen, Löwen und Leoparden, Schlangen und Schmetterlingen. Für 300 Euro wurde das Puzzle im April bestellt und ein 23 Kilo schweres Paket in Empfang genommen.

Der Inhalt: Vier kleinere Schachteln mit zusammen 112 Segmenten zu je knapp 500 Teilen. Sozusagen „Puzzlekacheln“ wurden damit gelegt, die zusammengesetzt ein 14 Quadratmeter großes Dschungelpanorama ergaben. Sieben Meter lang und zwei Meter hoch.

Für Gemeindesekretärin Kim Kappl begann die Arbeit als Erste. Nach dem Auspacken zerlegte sie sortiert die Einzelbilder, die bereits fertig geliefert worden waren, und verpackte insgesamt 52110 Puzzleteile, verteilt auf 112 Tüten, Bild für Bild. Sie kopierte ebenso oft die Anleitungen und Vorlagen, versehen mit einer Notfallhilfe – eine Blaupause, in der das Teilmotiv mit den Umrissen der Einzelteile gedruckt war. Die Gesamtlösung mit einem Datenvolumen von 20 MB war im Internet abrufbar.

Etwa 60 Murrer holten sich diese Taschen kostenlos oder gegen eine freiwillige Spende im Schreibwarenladen von Diana Sailer ab. Auch sie ist eine der „Spielzeitlerinnen“. Einer holte sich gleich fünf Tüten ab, eine landete als Mitbringsel sogar in Bayern. Nach nur drei Wochen waren alle weg und die ganze Aktion rundum finanziert.

Die Murrer puzzelten auf dem Boden, auf dem Esstisch, meist diente ein Karton als Unterlage, in Schüsseln wurde sortiert.

Der evangelische Pfarrer Daniel Renz glaubt, dass die Puzzle nicht nur alleine gelöst wurden, sondern oft auch im Familienverbund. So kommt er auf seine Schätzung von gut 100 Teilnehmern. Renz selbst machte sich mit zwei Motiven ans Werk. „Es war eine recht anspruchsvolle Aufgabe“, sagt er, die ihn doch mehrere Abende beschäftig habe. Insbesondere die großen einfarbigen, also monochromen Flächen hätten aufgehalten. An zwei sommerlichen Samstagen wurden drei Bilder sogar auf dem Dorfplatz gelegt. Kerstin Schwarz löst gerne solche Legerätsel. „Man muss sich konzentrieren, es beruhigt und am Ende steht immer ein Ergebnis“, sagt sie. Dieses Mal ging ihre Strategie allerdings nicht auf. Bei ihr gab es weder Ecken noch Ränder, mit denen sie – wie die meisten anderen normalerweise auch – bei einem Puzzle anfangen konnte. Sie hatte nur Mittelbilder. Es zählten also nur Farben und Formen. Ein Schicksal, das sie mit vielen teilte. Ab und zu unterstützten die 43-Jährige aber ihre Kinder, acht und zehn Jahre alt.

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