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Das große Gackern

In der Landwirtschaft zeichnet sich auch hierzulande ein Trend ab: mobile Ställe für glückliche Hühner. Woran liegt das?

Kommen bei Verbrauchern gut an: Freilaufende Hühner und ihre mobilen Ställe, wie hier bei Landwirt Jürgen Pflugfelder in Möglingen. Foto: Andreas Becker
Kommen bei Verbrauchern gut an: Freilaufende Hühner und ihre mobilen Ställe, wie hier bei Landwirt Jürgen Pflugfelder in Möglingen. Foto: Andreas Becker

Kreis Ludwigsburg. Die Schäferlaufstadt Markgröningen scheint auf das Huhn gekommen zu sein. Denn nicht nur auf der ehemaligen württembergischen Domäne Aichholzhof plant ein Landwirt jetzt, ein Hühnermobil aufzustellen. Der Unterriexinger CDU-Ratsherr und Gemüsebauer Simeon Fleckhammer hat nachgezählt. „Es wäre der vierte bewegliche Hühnerstall in der Stadt.“ Die Politik ist offenbar glücklich darüber und hat bisher alle Projekte durchgewunken. Der Sozialdemokrat Helmut Schäfer sagt: „Solange es der Markt hergibt, kann man nicht dagegen sein.“

Im Coronajahr 2020 sieht es so aus, dass der Markt mobile Hühnerställe nicht nur annimmt. Den Landwirten wie Jürgen Pflugfelder in Möglingen werden ihre Eier regelrecht aus den Händen gerissen. Sein erstes Hühnermobil mit rund 250 Tieren hat er im vergangenen Jahr auf seinem Aussiedlerhof an der A81 aufgestellt. Vorher setzte Pflugfelder vor allem auf Mastschweine und Muttersauen. Die Weide-Eier, die ihm die Hühner jetzt liefern, verkauft er auf seinem Hof. „Übrig bleibt nichts“, sagte der Möglinger im Sommer unserer Zeitung. „,Jeden Tag bin ich ausverkauft.“

Dabei sind seine Weide-Eier teurer als gewöhnliche Exemplare im Supermarkt. Seine Kunden wissen dafür aber genau, woher Pflugfelders Lebensmittel kommen. Dass die Hühner Auslauf haben und frisches Gras fressen, das dem Dotter eine kräftige Farbe gibt – ohne Zusatzstoffe. Aktuell ist der Möglinger Landwirt, der für die CDU im Gemeinderat sitzt, dabei, Pläne für den Ausbau seiner Produktion zu erarbeiten.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, der Vaihinger Landwirt und Kreisrat Eberhard Zucker, hat beobachtet, dass es nicht nur in Möglingen oder Markgröningen gewaltig gackert. „Es hat sich ein Trend entwickelt“, sagt der Experte unserer Zeitung. Genaue Zahlen hat Zucker zwar nicht parat, dafür Beispiele für mobile Hühnerställe aus seiner Heimatstadt, aber auch aus Nussdorf, Korntal oder Hemmingen. „Für die Landwirte ist diese Art der Haltung ein schönes Zubrot“, sagt der oberste Kreisbauer. Nach Angaben von Agrarexperten leben in Deutschland rund 40 Millionen Legehennen, eine Million Tiere entfallen auf Hühnermobile. Die Tendenz ist steigend.

Die Anlagen bieten ausreichend Platz, Belüftung, Beleuchtung und Temperaturregelung. Dazu Futter, Wasser und Legeboxen. Doch am liebsten sind die Hühner an der frischen Luft. Nach Ansicht des Landwirtschaftsministeriums trägt „der Kontakt mit Umweltreizen und die Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen wie zum Beispiel Sandbaden ausleben zu können, wesentlich zum Tierwohl bei“. Lobend erwähnt das Haus des Ministers Peter Hauk (CDU) zudem, dass die mobilen Hühnerställe regelmäßig versetzt werden und so die Grasnarbe des Grünlands geschont, punktuelle Nährstoffeinträge vermieden und der Krankheitsdruck erheblich reduziert wird. Der Vaihinger Zucker erinnert, dass der Boden bei gewöhnlicher Freilandhaltung intensiviert genutzt wird. „Die Hühner hacken alles heraus. Hinterher haben Sie braune Flecken wie in der Wüste.“

Die Sache mit den mobilen Ställen hat aber auch Haken: Die Tiere müssen gegen Sonne und vor Fressfeinden wie Habichten geschützt werden. Außerdem sind die Landwirte, die in das Geschäft einsteigen wollen, verpflichtet, Bauanträge zu stellen, denn die Hühnermobile gelten als bauliche Anlagen, die der Genehmigung bedürfen (wir berichteten). „Das ist relativ viel Arbeit“, sagt etwa der Hemminger Landwirt Sven Müller.

Auf seinem Haldenhof plant er mit gleich zwei rollenden Ställen für je bis zu 464 Tiere. Neuland ist die Hühnerhaltung für ihn nicht: Sie war Teil seiner landwirtschaftlichen Ausbildung, zudem ist seine Frau damit aufgewachsen. Seine Schwiegereltern in Markgröningen haben ebenfalls mobile Hühnerställe.

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