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Das Konzept für die Rückkehr steht

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute erzählt Schulleiter René Coels, wie er die Rückkehr der Klassen5 und 6 ab nächster Woche plant.

Schulleiter René Coels und seine Stellvertreterin Diana Hoffmann vor der Stundenplantafel. Für die Rückkehr der Fünfer und Sechser mussten einige Änderungen vorgenommen werden. Foto: Holm Wolschendorf
Schulleiter René Coels und seine Stellvertreterin Diana Hoffmann vor der Stundenplantafel. Für die Rückkehr der Fünfer und Sechser mussten einige Änderungen vorgenommen werden. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Der Koalitionszoff der Landesregierung zur Schulöffnung am kommenden Montag macht den Leitern der weiterführenden Schulen die Arbeit nicht leichter. Während Kultusministerin Susanne Eisenmann bei der Rückkehr der Fünfer und Sechser das Abstandsgebot als nicht nötig erachtet, sieht es Ministerpräsident Winfried Kretschmann als absolut notwendig an (wir berichteten). „Wir haben die Planungen für nächste Woche abgeschlossen, obwohl es unterschiedliche Signale gab. Für die Schüler ist das Verhalten der Regierung alles andere als förderlich“, lautet die verhaltene Kritik von OPS-Schulleiter René Coels. Unterdessen habe er mit seinem Kollegium für die Fünft- und Sechstklässler der drei Abteilungen Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule eine Lösung gefunden, die allen gerecht wird. Doch Coels schränkt ein: „Wir wollen unter dem Vorbehalt starten, was das Land noch bis Montag sagt.“

Nachmittagsunterricht nur online

So kehren nächste Woche alle knapp 380 Schüler der Klassenstufen5 und 6 zurück, und zwar von der ersten bis zur sechsten Stunde. Mit den Abschlussklassen sind dann an der OPS 710 von rund 1500 Schülern wieder im Präsenzunterricht. Es findet kein Sport statt, der Nachmittagsunterricht wird mit Ausnahme der Abschlussklassen online abgehalten. „Obwohl die Verordnung vom Sonntag rechtlich kein Abstandsgebot vorschreibt, sorgen wir dafür, dass der Abstand gewahrt bleibt“, versichert René Coels. Folglich wird jeweils eine Klasse auf zwei Räume verteilt – es ist kein Wechselbetrieb vorgesehen. Das ist laut dem Schulleiter ein ganz neues Modell für die OPS und klinge erst mal ganz einfach, da schließlich genügend Räume vorhanden seien. Das Problem: Die Fünfer und Sechser benötigen eine Aufsicht, was einen entsprechend höheren Personalaufwand bedeutet. In Zahlen sieht das folgendermaßen aus: Insgesamt kommen 16 Schulklassen zurück. Sie werden verteilt auf 32 Räume. Für die Aufsicht musste der Schulleiter 25 zusätzliche Lehrkräfte gewinnen. „Wir haben also die Pläne überarbeitet und geschaut, wo gestrichen werden kann“, sagt der Schulleiter. So wurden die Lehrer beim Sportunterricht ebenso abgezwackt wie bei den Ergänzungsbereichen, zu denen beispielsweise Arbeitsgemeinschaften gehören. „Wir haben uns auf diese Weise bei allen Klassenstufen bedient, so dass bei den Schülern im Homeschooling punktuell Abstriche gemacht werden müssen“, sagt Coels. So wird es auch für die Klassenstufen sieben bis elf ab nächster Woche keinen virtuellen Sportunterricht geben. Weil mit der Rückkehr der Unterstufe ab nächster Woche nur noch für die Siebtklässler eine Notbetreuung vorgehalten werden muss, werden auch in diesem Bereich Personalressourcen frei.

Lehrkraft pendelt zwischen den Gruppen

In der Organisation des Unterrichts geht die Oscar-Paret-Schule damit komplett neue Wege, denn eine Lehrkraft hat gleich zwei Gruppen zu versorgen und pendelt dabei zwischen zwei Räumen hin und her. Nachdem sie einer Gruppe den Stoff vermittelt und sie mit Aufgaben versorgt hat, wiederholt sie das Prozedere bei der anderen Gruppe. Die Aufsichtsperson arbeitet lediglich unterstützend mit. „Wie wir das am besten gestalten können, wollen wir in einer weiteren Dienstbesprechung eruieren“, so René Coels.

Wie bereits vor dem Lockdown sollen sich die einzelnen Schulklassen möglichst nicht begegnen. Sie kommen zu unterschiedlichen Zeiten in die Schule und verwenden jeweils verschiedene Eingänge. Um die Kontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren, werden auf diese Weise auch die Pausen entzerrt. Selbstverständlich gilt zu jeder Zeit Maskenpflicht – auch im Unterricht.

Die anderen Schüler, die zu Hause bleiben, erhalten weiterhin Onlineunterricht, was bei manchen Lehrern zu einer Doppelbelastung führt. So ist es möglich, dass ein Lehrer vormittags in der Schule ist und zwischen zwei Präsenzstunden auch einen digitalen Unterricht abhalten muss. „Da bin ich gespannt, was unsere Internet-Bandbreite zulässt“, so Coels.

Bei der Rückkehr der fünften und sechsten Klassen in die Schulen sollen laut der grün-schwarzen Landesregierung neben den Lehrkräften auch die Kinder zweimal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus getestet werden können. „Ich begrüße das“, sagt Schulleiter Coels, zumal noch nicht alle Lehrer der OPS geimpft worden seien. Eine Impf- und Teststrategie sei eine weitere wichtige Säule für den Präsenzunterricht ab Montag. „Auch hier hätten wir uns mehr Details und Konzepte gewünscht“, klagt Coels. Deshalb sei er sehr froh, dass es eine lokale Teststrategie gibt. So wurden in der benachbarten Stadthalle, in der neben den Lehrern auch die Bürger getestet werden können, auch Ressourcen für die Schüler geschaffen. Sie können über eine Internetseite einen Testtermin buchen und sich während der Unterrichtszeit testen lassen. Ihr Ergebnis bekommen sie digital zugesandt. Die Tests sind freiwillig, wobei Coels auf eine große Resonanz hofft, damit das Infektionsrisiko gesenkt werden kann. „Ich bin gespannt, wie das Angebot angenommen wird, zumal die Mutation auf dem Vormarsch ist“, so der Schulleiter. „Daher sind die Testungen für uns von ganz großer Bedeutung.“ Selbstverständlich seien auch die Lehrer angehalten, sich weiter testen zu lassen. Einige Kollegen konnten noch keinen Impftermin ergattern, bei den anderen dauere es ein bis zwei Wochen, bis der Impfschutz bestehe. Außerdem geht Coels davon aus, dass auch geimpfte Personen weiterhin ansteckend sein können.

Der Schulleiter findet es richtig, dass die Fünfer und Sechser wieder zurückkehren dürfen. Insbesondere die Fünftklässler hätten ohnehin Angst vor dem Wechsel an die neue Schule gehabt und bislang digital mehr Unterricht gehabt, als vor Ort. „Das ist auf Dauer nicht gut“, sagt Coels. Es sei für ihre Entwicklung wichtig, dass sie als Klassengemeinschaft zusammenwachsen. Deshalb werde in den ersten Stunden mehr auf die soziale Komponente geachtet als darauf, den Stoff durchzupauken.

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