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Das sagen die Wirte zur 2G-plus-Regel

Ab Samstag gilt auch für die Gastronomie die 2G-plus-Regel. Foto: dpa
Ab Samstag gilt auch für die Gastronomie die 2G-plus-Regel. Foto: dpa
Baden-Württemberg verschärft erneut die Coronaregeln: Ab Samstag dürfen auch Geimpfte und Genesene nur noch im Restaurant essen, wenn sie sich vorher testen lassen. Die Gastronomen in Ludwigsburg sprechen von ein „Lockdown light“, der Branchenverband Dehoga von einem „Lockdown durch die Hintertür“.

„Das ist katastrophal!“, sagt Jörg Adamek vom Ludwigsburger Café Mohrenköpfle. „Das ist ja wie ein Lockdown.“ Bereits die bis dato geltende 2G-Regelung habe ihm Umsatzeinbußen von geschätzt 20 Prozent beschert. Aber wenn er an das bevorstehende Wochenende denkt, sieht er schwarz: „Die Leute gehen spazieren und dann spontan einen Kaffee trinken. Da lässt sich doch keiner vorher testen.“

Ausgenommen von der Testpflicht sind allerdings Personen, die bereits geboostert sind, also die dritte Impfung erhalten haben, kündigte das Land am Freitagabend ergänzend mit.

Für Peter Buhl, Inhaber der Post Cantz, war die 2G-Regel an sich kein Problem. Das Restaurant habe die Situation gut geregelt und sei auf die Kontrollen vorbereitet gewesen. Aufgrund der Verschärfung rechnet Buhl aber jetzt auch mit extremen Einbußen. „Wir machen, was geht“, erklärt er. Weihnachtsfeiern sind auch bei ihm fast gänzlich storniert.

In der Gutsschenke des Schlosshotels Monrepos geht Direktor Felix Sommerrock davon aus, dass die Buchungen einbrechen. Schon jetzt sind es meist nur Pärchen, maximal vier Personen pro Reservierung. Größere Tische werden gar nicht angefragt, Weihnachtsfeiern wurden bereits Mitte November storniert. „Wir werden aber auf jeden Fall das Restaurant offen lassen, das sind wir unseren Gästen und unseren Mitarbeitern schuldig.“ Wirtschaftlich könne man so nicht mehr arbeiten, sagt er. „Aber wir können unsere Mitarbeiter auch kein zweites Mal in die Kurzarbeit schicken, dann haben wir im nächsten Sommer gar kein Personal mehr“, so Sommerrock.

Laut Sozialministerium dürfen die Gastronomen die geforderten Schnelltests bei den Gästen auch selbst durchführen. Sowohl am Monrepos als auch in der Post Cantz ist man entsprechend ausgebildet. „Es stellt sich aber auch die Frage, ob sich die Gäste testen lassen wollen.“ Zur Not müsse man wieder umstellen auf Abholservice, meint Buhl.

Auch Christoph Rieger vom Gasthaus Allgäu würde wieder Außer-Haus-Verkauf anbieten. Aber kostendeckend sei das nicht. „Dann sollte man lieber für zwei Wochen komplett schließen“, ärgert er sich.

Vor allem die Kurfristigkeit dieser Verordnung stößt den Gastronomen bitter auf. Noch nicht einmal 24 Sunden Vorlauf habe man, sagt Christian Ottenbacher vom Adler Asperg, der von der neuen Regelung durch einen Anruf eines Kollegen erfahren hatte. Überhaupt hält er 2G-plus in der Gastronomie für „völlig übertrieben.“

Darüber beschwert sich auch Vesna Simunovic. Er ist Inhaber des Lembergblicks in Poppenweiler. Für ihn wirkt alles eher surreal und kommt viel zu schnell. Er stehe im Lokal und müsse seine eigenen Gäste wegschicken, wenn sie keinen Test vorweisen können. Die gleichen Gäste, die ihm normalerweise den Gewinn bringen. Große Feiern finden bei ihm auch nicht mehr statt. Er wird auf Abholung umstellen müssen, Lieferung sei nicht zu stemmen.

„Jetzt geht es mir gegen den Strich.“ Peter Geiß vom Württemberger Hof hat die Nase voll und findet klare Worte zur aktuellen Regelung. 2G ginge wunderbar, aber 2G-plus sei eine „reine Katastrophe“. Jetzt schon würde eine Absage nach der nächsten reinkommen, er rechnet aber mit noch mehr. Feiern mit mehr als 30 Personen wurden reihenweise storniert, im À-la-carte-Bereich ginge das Ganze genau so weiter. „Wir wissen nicht, was die Politiker sich denken. Wir Gastronomen halten uns an alles. Lüften, Abstand, Masken, Kontrollen.“ Auch bei ihnen in der Bismarckstraße wird bereits auf Abholung umgestellt, das sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das ist nur ein Zeichen an die Gäste, dass es uns noch gibt“, wütet Geiß.

Der Forsthof in Kleinbottwar hat bereits schon Anfang Dezember geschlossen. „Die Zahl der Gäste war überschaubar, und wir wollten nicht so viel Geld für die Fixkosten verbrennen“, sagt Geschäftsführer Mario Diaz. Auch wolle man die größeren Veranstaltungen zu Weihnachten und Silvester nicht gefährden. Sein Personal sei jetzt in Kurzarbeit. Fast schon zynisch wird Gaby Otterbach vom gleichnamigen Restaurant in einem Kommentar auf Facebook: Ob man das Impfen auch nach einer Schnellunterweisung durchführen könne? Bei 100 Impfungen à 28 Euro pro Tag wären wenigstens die stornierten Weihnachtsfeiern kompensiert. Ein kleines Vesper könne man auch anbieten.