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Das weiße Tor schwebt langsam ein

Das 60 Tonnen schwere untere Schleusentor wird eingesetzt. Der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Stuttgart, Walter Braun, beobachtet die Szene.Foto: Alfred Drossel
Das 60 Tonnen schwere untere Schleusentor wird eingesetzt. Der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Stuttgart, Walter Braun, beobachtet die Szene.Foto: Alfred Drossel
Vor drei Jahren wurde das untere Tor der rechten Kammer der Neckarschleuse Pleidelsheim nach einer Havarie ausgebaut und dann repariert. Gestern wurde das 60-Tonnen-Teil mit einem Schwerlastkran wieder eingesetzt.

Pleidelsheim. Für den Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Stuttgart, Walter Braun, ist das sanierte Tor jetzt ein Novum am Neckar. Es ist nämlich nicht mehr schwarz, sondern weiß. „Deshalb sprechen wir künftig nicht von der rechten oder linken Kammer, sondern vom weißen oder schwarzen Tor“, sagte er.

Kranfahrer Günther Mühleck vom Bietigheimer Schwerlastexperten Wiesbauer leistete Millimeterarbeit, als er das zwölf Meter breite und 60 Tonnen schwere Tor in etwa 30 Minuten an seinen angestammten Platz hievte. Nur wenige Zentimeter von der Neckarbrücke entfernt schwebte der Stahlkoloss ein. Deshalb musste der Autoverkehr auf der Brücke gesperrt werden.

Bis das Einheben erfolgen konnte, war Schwerstarbeit nötig. Die Experten der Stahlbaufirma hatten alles vorbereitet und die Befestigungen angeschraubt. In einem Zeltbau neben der Schleuse waren die monatelangen Stahlbau- und Oberflächenveredelungsarbeiten ausgeführt worden. Dort lag das Tor aufgebockt. Bevor der tonnenschwere Koloss richtig am Haken hing, musste er für die richtige Position gedreht werden. Dazu wurde ein zweiter Autokran eingesetzt. Über Funk sprachen sich Kranfahrer und Monteure ab.

Gesamtkosten bei 1,3 Millionen Euro

Wenn das Tor schließlich wieder richtig sitzt, wird es geschlossen und das Wasser aus der Schleusenkammer gepumpt, um den Untergrund untersuchen und eventuell reparieren zu können. Das werde noch etwa ein Jahr dauern, stellte Bauleiter Daniel Grass fest. Das obere Tor ist bereits fest verschlossen. Die Gesamtkosten beziffert Projektleiter Peter Weller vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stuttgart auf rund 1,3 Millionen Euro. Da es sich um einen Versicherungsfall handle, habe es länger als gewöhnlich gedauert.

Die Schleuse Pleidelsheim gelangte in der Vergangenheit öfters in die Schlagzeilen. Nach einem Schaden an der linken Kammer kam es am 1. September 2019 zu einer Havarie: Samstags gegen 12.30 Uhr ist ein Frachtschiff mit zu hoher Geschwindigkeit in die Schleuse gefahren. Die Besatzung konnte den Frachter nicht mehr stoppen und festmachen. Das Schiff rammte das geschlossene Ausfahrttor, das dabei erheblich beschädigt wurde.

Amtsleiter Walter Braun untersuchte damals den Schaden. Die oberen drei Felder von insgesamt acht waren betroffen. Von „Glück im Unglück“ mochte Braun damals nicht sprechen. „Der Stoßbalken hat Schlimmeres verhindert, sonst wäre es zur Katastrophe gekommen“, betonte Braun damals. Der lädierte Balken mit dem von der Straße sichtbaren Fußgängersteg war nur noch Schrott. Im Jahr 2014 wurde das linke Schleusentor repariert, nun war die rechte Kammer an der Reihe. „Zumindest wussten wir damals, wie das Ganze abzulaufen hatte“, erinnerte sich Braun. Die gemachten Erfahrungen seien sehr hilfreich gewesen.