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Demenz-Allianz will neue Angebote für Betroffene und Angehörige etablieren

Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen steigt. Sie und ihre Angehörigen benötigen Unterstützung.Archivfoto: Jens Kalaene/dpa
Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen steigt. Sie und ihre Angehörigen benötigen Unterstützung.Archivfoto: Jens Kalaene/dpa
Unter Federführung der Arbeiterwohlfahrt Marbach-Bottwartal ist Vernetzung und die Gewinnung von Ehrenamtlichen ein zentrales Thema

Marbach/Bottwartal. Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind aktuell an einer Demenz erkrankt, davon etwa zwei Drittel an Alzheimer. Etwa 200000 Menschen mit Demenz leben in Baden-Württemberg. Diese Zahlen der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg verdeutlichen eine Entwicklung, die immer mehr in allen Bereichen der Gesellschaft zu spüren sein wird. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hat sich der Ortsverein Marbach-Bottwartal der Arbeiterwohlfahrt (Awo) das Ziel gesetzt, das Thema zum einen stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, zum anderen aber auch Unterstützungsangebote aufzubauen.

Bestehende Initiativen und Angebote zusammenführen

Einen ersten Schritt ist der Ortsverein unter Federführung des neuen Vorsitzenden Hans-Jürgen Stritter schon gegangen: Mit Unterstützung der Kommunen Affalterbach, Benningen, Erdmannhausen, Großbottwar, Marbach, Murr, Oberstenfeld und Steinheim wurde vor wenigen Wochen die Demenz-Allianz Marbach-Bottwartal ins Leben gerufen (wir berichteten). Die Allianz soll in einem ersten Schritt ein Netzwerk in Marbach und dem Bottwartal aufbauen, bestehende Initiativen und Einrichtungen vernetzen, und – wenn eine ausreichende Zahl von Ehrenamtlichen gefunden wird – auch neue Angebote schaffen.

Das Awo-Vorstandsteam kann sich zum Beispiel vorstellen, die Räume des Ortsvereins in der Marbacher Niklastorstraße zu nutzen, um ab September eine Selbsthilfegruppe für berufstätige Angehörige von Demenzkranken anzubieten. „Selbsthilfegruppen sind sehr wertvoll, aber wer noch arbeiten geht, kann solche Angebote tagsüber nicht in Anspruch nehmen“, so Ines Stritter. Ein weiteres Ziel ist die Unterstützung einer bereits bestehenden Selbsthilfegruppe, die sich einmal monatlich im Christophorushaus im Hörnle trifft. Das Awo-Team möchte gerne eine Betreuung der erkrankten Partner der Teilnehmerinnen (aktuell sind es ausschließlich Frauen) parallel zu den Treffen der Gruppe etablieren, um Entlastung zu schaffen.

„Notrufnummer“ in Planung

Und noch ein Thema steht mittelfristig auf der Agenda: Der Aufbau einer Hotline, einer „Notrufnummer Demenz“, so der Arbeitstitel. Den Awo-Aktiven schwebt vor, betroffenen Angehörigen mit Tipps und Informationen, mit der Vermittlung von Kontakten weiterzuhelfen. Das Ehepaar Stritter, das in der eigenen Familie zwei Fälle von Demenzerkrankungen hatte, weiß, wie hilfreich ein solches Angebot sein könnte: „Wenn uns gesagt worden wäre, worauf wir uns einstellen müssen, womit wir zu rechnen haben, wäre das eine tolle Sache gewesen.“

Was die von der Awo angestrebte Vernetzung angeht, gibt es in Marbach schon einen festen Ansprechpartner. 2019 gründete sich die Projektgruppe „Demenzfreundliche Stadt“, die das zentrale Anliegen der Awo teilt: Sie will auf das Thema Demenz aufmerksam machen und Verständnis dafür schaffen. Gegründet hat sich die Gruppe aus der Zukunftswerkstatt „Älterwerden in Marbach“ heraus, die Stadtverwaltung und Krankenpflegeverein ins Leben gerufen haben.

Das eine oder andere wollen die beiden Gruppierungen nun in Kooperation voranbringen, auch in diesem Fall würde die Awo laut Hans-Jürgen Stritter ihre Räume zur Verfügung stellen; die Einrichtung einer Spiel- und einer Leseecke wäre denkbar, ein Ort der Begegnung, auch mit Kindern.

An Ideen mangelt es also nicht, vielmehr aber an einer ausreichenden Zahl von Ehrenamtlichen. Wer Interesse hat, kann sich mit einer E-Mail an awo-marbach-bottwartal@gmx.de bei Hans-Jürgen Stritter melden.