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Der Akademiehof wird ab 23 Uhr gesperrt

Die Stadt greift durch: Ab Freitag wird der Akademiehof an den Wochenenden von 23 Uhr bis 6 Uhr gesperrt. Das Verweilverbot gilt zunächst für vier Wochen. Sollte die Lage sich nicht beruhigen, wird die Stadt das Verbot erneuern.

Die Party um Mitternacht ist vorbei. Ab sofort gilt am Wochenende ein Verweilverbot auf dem Akademiehof. Foto: Ramona Theiss
Die Party um Mitternacht ist vorbei. Ab sofort gilt am Wochenende ein Verweilverbot auf dem Akademiehof. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Um die Lage auf dem Akademiehof in den Griff zu bekommen, setzt Ludwigsburg erstmals in seiner Geschichte auf ein Verweilverbot. Dieses tritt am heutigen Freitag in Kraft. „Wir nehmen die aktuellen Störungen und die Sorgen der Anrainer sehr ernst, deshalb handeln wird entsprechend“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht am Donnerstag der Presse. Ein drastischer Schritt – wir erklären hier, was er bedeutet:

Wo und wann gilt das Verweilverbot? Das Verbot gilt ab sofort für den kompletten Akademiehof. Auch für die Bereiche vor dem Hotel und der Gaststätte. In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag darf sich dort zwischen 23 Uhr und 6 Uhr niemand aufhalten. Das Überqueren des Platzes, etwa um zum Parkhaus zu kommen, ist weiterhin erlaubt. Das Verweilverbot gilt zunächst für vier Wochen, also bis 7. November. Bei Bedarf kann es aber jederzeit neu ausgesprochen werden.

Wer kontrolliert das Verbot? Für die Kontrolle ist die Polizei zuständig. Sie hat dafür an den Wochenenden Zusatzkräfte der Bereitschaftspolizei angefordert. Am heutigen Freitag stellt die Stadt Schilder an jedem Eingang des Platzes auf. Um 23 Uhr wird dann die Polizei anrücken und zunächst alle Personen mit Durchsagen darauf hinweisen, den Platz zu verlassen. Wer dem nicht Folge leistet, kann mit Zwang vom Platz gebracht werden.

Wie begründet die Stadt diesen Schritt? In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu Krawall und Vandalismus auf dem Akademiehof gekommen. Dabei wurden auch Polizisten und Mitarbeiter der Stadt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angegriffen. Auch Wildpinkeln und Ruhestörung spielen eine Rolle. Das benachbarte Hotel hat mittlerweile am Wochenende geschlossen. Der Betreiber wollte seinen Mitarbeitern und Gästen die Situation nicht mehr zumuten. Laut Christian Zacherle, dem Leiter des Ludwigsburger Polizeireviers, kippe die Stimmung am Wochenende meist so gegen 23.30 Uhr. Davor sei der Platz ein friedlicher Treffpunkt. Oberbürgermeister Matthias Knecht, der am vergangenen Wochenende selbst nachts am Akademiehof war, findet die Situation unhaltbar. Gegen Mitternacht wechsle die Stimmung, es seien dann auch keine Durchschnittsjugendlichen, also Schüler oder Studenten aus Ludwigsburg, vor Ort, sondern viele Personen aus dem Umland. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass das noch eine Wohlfühlstimmung ist.“ Zudem sei alles voller Müll gewesen.

Was will die Stadt tun, um die Situation zu verbessern? „Der Akademiehof ist für uns weiter ein Stadtplatz mit hoher Aufenthaltsqualität“, sagt Oberbürgermeister Knecht. Bis in den Abend hinein gebe es dort keine Probleme. Stadt und Polizei wünschen sich weiterhin, dass sich junge Leute in der Innenstadt und auf dem Akademiehof treffen. Für eine bessere Situation am späten Abend sollen eine andere Beleuchtung, Kulturveranstaltungen und soziale Angebote sorgen. In der Arbeitsgruppe „Sicherer Akademiehof“ wird zudem nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten gesucht.

Gibt es Vorbilder für das Verbot? In Ludwigsburg gab es so etwas bisher nicht, der Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, Heinz Mayer, hat sich aber in Stuttgart informiert. Dort wird seit Sommer mit Verweilverboten für verschiedene Plätze gearbeitet.

Rechnen Stadt und Polizei mit Verdrängungseffekten? Wie die Jugendlichen auf das Verbot reagieren, ist noch unklar. Stuttgart habe da unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Wir werden aber reagieren, wenn es woanders Probleme gibt“, so Revierleiter Zacherle.

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