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Der Arsenalplatz wird zur Spielwiese

Was kann ein Parkplatz noch sein außer ein Parkplatz? Antworten auf diese Frage soll die Aktion Pop-up-Innenstadt geben. Ende August ist geplant, eine 700 Quadratmeter große Teilfläche des Arsenalplatzes in eine grüne Oase umzuwandeln. Nicht für immer, aber zum Ausprobieren, als Spielwiese der Stadtentwicklung.

Der Arsenalplatz ist wegen seiner zentralen Lage in der Innenstadt einer der beliebtesten Parkplätze in der Stadt. Der an der Wilhelmstraße gelegene Teil dient auch jetzt schon häufig als Treffpunkt – bisher vornehmlich von Teilen der sogenannten Tun
Der Arsenalplatz ist wegen seiner zentralen Lage in der Innenstadt einer der beliebtesten Parkplätze in der Stadt. Der an der Wilhelmstraße gelegene Teil dient auch jetzt schon häufig als Treffpunkt – bisher vornehmlich von Teilen der sogenannten Tuning-Szene. Der hintere Teil in Richtung Wilhelmstraße wird Ende August umgestaltet. Foto. Ramona Theiss

Ludwigsburg. Wie das Pop-up-Konzept funktionieren kann, mit seinen zeitlich begrenzten Verwandlungen, das hat die Friedenskirchengemeinde am Karlsplatz neben ihrer Kirche schon mal vorgemacht, gemeinsam mit der Stadtverwaltung: Zehn Parkplätze sind weg, stattdessen finden sich hinter der Kirche Bäume, Hochbeete, Sitzgelegenheiten, ein Spielbereich für Kinder. Mit vielen freiwilligen Helfern ist an zwei Bausamstagen der Karlsgarten entstanden. Er steht als Treffpunkt allen zur Verfügung – nicht nur der Kirchengemeinde.

Im August folgt nun das nächste Pop-up-Innenstadt-Projekt, das mit Bundesmitteln gefördert wird. Abgetrennt durch einen fest installierten Bauzaun wird ein Teil des Arsenalparkplatzes umgestaltet. Teils sind es bestehende Freiflächen, dazu fallen fallen ein Dutzend Parkplätze weg, die Carsharing-Stellplätze müssen verlegt werden.

Das Projekt nimmt eine Sache vorweg: Der Arsenalplatz soll von Autos befreit und begrünt werden. Darüber wurde in der Lokalpolitik lange diskutiert, inzwischen hat ein Ideenwettbewerb stattgefunden, doch ein Siegerentwurf ist noch nicht gekürt. Laut Stadtverwaltung wurde das Preisgericht wegen Corona vertagt.

Während die eigentliche Umgestaltung des Arsenalplatzes also noch in der Warteschleife hängt, sorgt ab Ende August Pop-up-Innenstadt für neue Impulse. Rund 40 Bäume werden angeliefert, Rollrasen verlegt, ein Sandbereich geschaffen, Kies aufgebracht, ein Podest aufgebaut. „Wir haben kein festes Programm, dort soll sich gemeinsam mit den Bürgern etwas entwickeln“, sagt Jürgen Straß, der im Rathaus für das Projekt verantwortlich ist. In Richtung Wilhelmstraße soll eine Theke aufgebaut werden. Dort könnten sich Vereine und Gruppen präsentieren, so Straß. „Vielleicht legt auch mal ein DJ auf?“ Ideen gibt es viele. Während der Bauzaun fest verankert sein soll, ist ansonsten loses Sitzmobiliar vorgesehen. Bis Anfang 2023 soll diese „multifunktionale Fläche zum Ausprobieren“ bestehen.

„Ich hätte fast nicht gedacht, dass ich das noch erleben darf“, sagte Dr. Christine Knoß (Grüne) bei der Präsentation in einem Ausschuss des Gemeinderats. Für sie ist das Projekt ein guter Start hin zur Umgestaltung des Parkplatzes, den ihre Fraktion schon lange in eine öffentliche Grünfläche umwandeln will. Für die Ideen der Stadt gab es von den Grünen viel Lob, verbunden allerdings mit der Frage: „Wird das nicht etwas zu eng?“

Maik Stefan Braumann (CDU) brachte auch kritische Punkte zur Sprache: Schon länger laufende Projekte wie das Urban Gardening am Schillerplatz und in der Groenerstraße, ebenfalls Bürgerprojekte auf Zeit, sehen für ihn vernachlässigt aus. Er mahnte an, dass solche Projekte auch gepflegt aussehen müssen. In Richtung Karlsplatz bemerkte der CDU-Stadtrat: „Wir sehen die Notwendigkeit, den gesamten Karlsplatz anzugehen.“ Andreas Rothacker (Freie Wähler) hofft, „dass ein langes Provisorium am längsten hält“, und freut sich auf das Projekt. Er mahnt aber: Ein Platz mit hoher Aufenthaltsqualität brauche auch Toiletten, sonst werde „alles vollgepinkelt“.

„Ich bin begeistert, was Pop-up-Projekte alles hervorbringen“, sagte Margit Liepins (SPD). Es solle aber keine Dauerlösung werden, die Aufenthaltsfläche später unbedingt noch ausgeweitet werden.

Jochen Eisele (FDP) findet die Idee grundsätzlich gut, vermisst aber das Thema Einzelhandel. Schließlich habe seine Fraktion auch deswegen zugestimmt, weil auch der durch die Pandemie gebeutelte Einzelhandel gestärkt werden soll.

Bürgermeisterin Andrea Schwarz sieht in attraktiven Plätzen einen Mehrwert für den Handel in der Innenstadt. „Plätze mit großer Aufenthaltsqualität sind Trittsteine“, argumentierte sie. Nach einer Pause auf dem begrünten Arsenalplatz könne man seine Shoppingtour fortsetzen. „Wir erhoffen uns spannende Impulse für die Stadtentwicklung.“

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