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Der Autoschlüssel ist jetzt drei Wochen lang beim Schultes

Der bundesweite Wettbewerb Stadtradeln reizt im Kreis Ludwigsburg zum Mitmachen – Der Bosch-Mitarbeiter Matthias Herrmann will im Juli ganz aufs Auto verzichten

„Wir haben einen Ruf zu verteidigen“: Stadtradler Matthias Herrmann und Schwieberdingens Bürgermeister Nico Lauxmann. Foto: Ramona Theiss
„Wir haben einen Ruf zu verteidigen“: Stadtradler Matthias Herrmann und Schwieberdingens Bürgermeister Nico Lauxmann. Foto: Ramona Theiss

Schwieberdingen. Bürgermeister Nico Lauxmann empfängt Matthias Herrmann vor dem Schwieberdinger Rathaus. Der Bosch-Mitarbeiter startet beim Stadtradeln 2021 für ein Team seines Unternehmens und will in den kommenden drei Wochen kräftig in die Pedale treten. Damit erst gar keine Zweifel an seinem guten Vorsatz aufkommen, greift der 42-Jährige zu einem ungewöhnlichen Mittel: Herrmann gibt seinen Autoschlüssel beim Schultes ab. Lauxmann ist begeistert. „Ein solches Zeichen ist bemerkenswert“, lobt der Bürgermeister den motivierten Radler. Herrmann wiegelt ab: „Der Ölwechsel muss eh gemacht werden“, sagt er schmunzelnd.

Schwieberdingen ist zum vierten Mal beim Stadtradeln dabei, einer bundesweiten Kampagne des Netzwerks Klima-Bündnis. Der Startschuss erfolgt an diesem Donnerstag, geradelt wird bis zum 21. Juli. „Wir haben einen Ruf zu verteidigen“, sagt Lauxmann. „2020 waren wir die radelaktivste Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg.“ Alleine das Team Bosch@Si-Radler legte im vergangenen Jahr fast 53000 Kilometer zurück. Der TSV Schwieberdingen brachte es auf mehr als 27000 Kilometer, das Team des Schulcampus Herrenwiesen belegte mit mehr als 15000 Kilometern den dritten Platz in der gemeindeinternen Wertung.

Herrmann, der im vergangenen Jahr 2700 Kilometer radelte, nutzt die Gelegenheit und fordert den Schwieberdinger Bürgermeister zum Wettbewerb heraus. „2700 Kilometer schaffe ich nicht“, entgegnet dieser. Zumindest 200 Kilometer müssten drin sein, beharrt Herrmann. „Das sind gerade mal zehn Kilometer am Tag, in 30 Minuten ist das locker zu schaffen.“

Trotz vollen Kalenders willigt Lauxmann ein, fügt allerdings hinzu, dass er sich noch nicht für das aktuelle Stadtradeln eingeschrieben habe. „Erinnern Sie mich, dass ich mich noch anmelden muss“, wendet er sich an seine Mitarbeiterin Kirsten Stangl, die im Rathaus für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Herrmann ist überzeugter Stadtradler, seit 2019 radelt er im Bosch-Team mit. Nach dem langen Homeoffice im Lockdown sei er nicht mehr so gut in Form wie im vergangenen Jahr, räumt er ein. 1000 Kilometer will er aber auf jeden Fall schaffen. „2000 Kilometer wären schön, 3000 die Kür.“

Auf das Homeoffice verzichtet er in dieser Zeit. So werden schon auf der täglichen Strecke von seinem Wohnort Gerlingen zum Bosch-Standort in Schwieberdingen viele Kilometer zusammenkommen. Die Ludwigsburger Kreiszeitung wird sich in den drei Wochen regelmäßig mit Herrmann treffen und über seine Erfahrungen beim Stadtradeln 2021 berichten.

Als fanatischen Fahrradfahrer sieht sich der Boschler nicht, sein positiver Blick auf das Zweirad ist eher rationalen Aspekten geschuldet. „Wenn mehr Leute auf das Fahrrad umsteigen, hat das nicht nur sportliche Vorteile. Das führt auch zwangsläufig zu weniger Autoverkehr, geringerem Landschaftsverbrauch durch Parkplätze und weniger Abgasemissionen.“

Das Stadtradeln versteht Herrmann ausdrücklich als „Stattradeln“. Das Fahrrad sei häufig eine vernünftige Alternative zum Auto. „Man kann oft auf das Auto verzichten“, ist er überzeugt und nennt ein Beispiel: Wenn man etwa Freunde besucht. „Wichtig ist, dass man sich bewusst aufs Fahrrad setzt. Man nimmt die Umgebung dann ganz anders wahr als im Auto.“

Mitunter kommt Herrmann bei seinen Fahrradtouren aufgrund der für Radler häufig eher ungünstigen Rahmenbedingungen ins Grübeln. „An vielen Stellen, vor allem in Stuttgart, weiß man wirklich nicht, was sich die Planer gedacht haben – im Auto hat man diese Probleme eigentlich nie.“

Info: In Freiberg unterstützen drei Bäckereien, die zusammen sechs Ladengeschäfte betreiben, die Stadtradelaktion auf Initiative des örtlichen ADFC. In den Läden ermuntern Plakate und kleine Aufsteller an der Theke, das Fahrrad zu benutzen. In den Stadtradelwochen erhalten Kunden samstags eine Brezel extra in die Tüte, wenn sie mit dem Fahrrad statt dem Auto kommen.

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