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Der Bedarf an Helfern wächst

„Deutsch am Nachmittag ist kein Sprachkurs“, betont Katrin Held, die seit Mitte September mit Stephanie Reczko das Projekt des Besigheimer Flüchtlingskreises Asyl für Bewohner der Unterkunft im Wasen organisiert. Das klarzustellen ist ihr wichtig. Um zu erklären, was „Deutsch am Nachmittag“ dann genau ist, dazu muss sie etwas ausholen. Zu vielfältig sind die Menschen, die das Angebot wahrnehmen, und zu vielfältig sind ihre Anliegen, als dass sich diese kurz zusammenfassen ließen.

Ludwigsburg. Da seien etwa die Neuankömmlinge in der Flüchtlingsunterkunft, die zwar willens sind Deutsch zu lernen, die aber mitunter noch nie in eine Schule gegangen seien. „Ihnen fehlt es am kulturellen Hintergrund, um effizient zu lernen“, sagt Katrin Held. Die rund 15 Betreuer des Nachmittagsangebots geben ihnen Hilfestellungen, damit sie sich den Lernstoff aus dem Deutschkurs in der Besigheimer Familienbildung einprägen können. „Denn es gibt beispielsweise Analphabeten, die lernen die Unterrichtstexte einfach auswendig, aber wirklich lesen und verstehen können sie diese immer noch nicht.“ Im Nachmittagsangebot gehe man an solche Probleme ganz spielerisch heran, etwa mit Lernmemory. „So etwas bietet Sprechanlässe und man findet auf diese Weise auch zu Erwachsenen einen guten Zugang.“ Denn spätestens, wenn man gemeinsam herzhaft darüber lache, dass man partout nicht die passenden Kartenpaare findet, fielen die Hemmungen. Andere könnten schon ganz gut Deutsch und suchten einfach Gesprächspartner.

Und wieder andere kämen mit ganz praktischen Problemen, etwa Schreiben, die sie bekommen haben und nicht verstehen. „Kürzlich war eine junge Frau da, die einen Telefonanruf erhalten hatte, jedoch nicht wusste, was man von ihr wollte. Daher bat sie uns, unter der Nummer zurückzurufen“, erzählt Held. Als sie dann den Lautsprecher dabei laut gestellt habe und das Anliegen des Behördenvertreters in „einfaches Deutsch übersetzte“, habe die Frau ihm selbst die entsprechenden Antworten geben können. So leisteten die Ehrenamtlichen von „Deutsch am Nachmittag“ auch Hilfestellungen im Alltag. „Unser Ziel dabei ist es, die Leute so zu unterstützen, dass sie irgendwann in Deutsch so gut sind, dass sie alles selbst erledigen können.“

Die meisten der Flüchtlinge kämen mit ihren Übungsbüchern unter dem Arm, um in Ruhe lernen zu können und um Bestätigungen zu bekommen, ob sie die Aufgaben richtig gelöst haben. Dabei brächten einige von ihnen auch ihre kleinen Kinder mit. Und während die Eltern büffelten, kümmerten sie sich als Betreuer um den Nachwuchs. „So lernen die Kinder auch gleich Deutsch“, sagt Katrin Held. Ältere Kinder wiederum hätten ihre eigenen Hausaufgaben dabei.

Das Angebot „Deutsch am Nachmittag“ spreche sich unter den Flüchtlingen herum. Aber vor allem auch seit die Unterkunft zunehmend belegt werde, sei der Bedarf stark angestiegen. Daher suche man weitere Betreuer für das Angebot, das montags bis freitags jeweils von 15 bis 17 Uhr stattfindet. Eine pädagogische Ausbildung müsse man dafür nicht haben, erklärt Katrin Held: „Ein gesunder Menschenverstand reicht. Man muss eigentlich nur offen für andere Menschen sein, aber auch ein bisschen regelfest sein und Ruhe bewahren, wenn die Kinder mal aufdrehen.“ Wie oft man sich engagiere, könne jeder selbst entscheiden. „Wir sind froh, wenn sich Leute bei uns melden und sagen, ich kann einmal oder ich kann zweimal in der Woche helfen oder auch, ich kann nur ab und zu einspringen.“ Man dürfe sie jederzeit anrufen und fragen.

Info: Wer Interesse hat, sich dem Betreuerteam von „Deutsch am Nachmittag“ anzuschließen, kann sich bei Katrin Held melden unter den Telefonnummern (01 60) 99 85 87 86 oder (0 71 43) 5 88 32.