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Der Blick geht zur Landebahn

Gutachten soll Möglichkeiten zur Erweiterung des Gewerbegebiets in Richtung Naurschutzgebiet prüfen

Das Gebiet der früheren Landebahn gilt als wertvolles Biotop. Foto:Alfred Drossel
Das Gebiet der früheren Landebahn gilt als wertvolles Biotop. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim/Oberriexingen. Firmen würden auch während der Coronapandemie Schlange stehen und Bauplätze suchen, sagte Bürgermeister Holger Albrich in der jüngsten Sitzung des Sachsenheimer Gemeinderats. Als Vorsitzender des Zweckverbands Eichwald ist er für eine Weiterentwicklung des Gerwerbegebiets. Der Blick geht dabei in Richtung Naturdenkmal „Ehemalige Landebahn“. Ein Gutachten soll nun klären, wie weit die Industrie an das Gebiet heranwachsen darf. Bisher gilt ein Abstand von 150 Metern.

Die Erweiterung nach Süden wird das brennende Thema der nächsten Monate in den Gemeinderäten der Verbandskommunen sein. Das wurde bereits im Sachsenheimer Gemeinderat deutlich, als es nur darum ging, einen Experten zu beauftragen, der ein fundiertes Gutachten für rund 25000 Euro abliefern soll.

Um mögliche weitere Entwicklungspotenziale zur Ansiedlung einer Tankstelle, aber auch denkbare Erweiterungen von bereits ansässigen Betrieben auszuloten, sollen Szenarien zur Annäherung an das Naturdenkmal untersucht werden. Im Regionalplan sind auch im Bereich nördlich und westlich der Landebahn Flächen für den Gewerbeschwerpunkt Eichwald vorgesehen.

In den vergangenen 20 Jahren wurden für den Bereich „Alte Landebahn“ naturschutzrechtliche und artenschutzrechtliche Gutachten zur Erhebung von Bestandsdaten und deren Analyse, auch im Rahmen des Bebauungsplanes Süderweiterung Eichwald erstellt. Weiter gibt es ein Monitoring des Büro Blaser aus dem Jahr 2012 für Feldlerche und Neuntöter sowie für Wechselkröte und Zauneidechse.

Die Landebahn des ehemaligen Wehrmachtsflugplatzes Großsachsenheim wurde nach 1945 gesprengt und sich selbst überlassen. 1989 wurde der einige hundert Meter lange Streifen, der auf der Gemarkung Oberriexingen und Sachsenheim liegt, durch Verordnung des Landratsamtes zum Naturdenkmal erklärt.

Ziel ist es, das neue Gutachten im Zeitraum Februar 2021 bis Frühjahr 2022 durchzuführen. Da bei diesem Auftrag die Wertgrenze in Höhe von 25000 Euro bezüglich der Verfügung des Verbandsvorsitzenden über die Haushaltsmittel überschritten werden könnte, möchte die Verbandsverwaltung bereits vorab die Zustimmung der Verbandsversammlung einholen, auch über diesen Betrag hinausgehende Beauftragungen vornehmen zu dürfen.

Günther Dick (GLS) ist gegen einen Freibrief und ein Gefälligkeitsgutachten. Er warf Bürgermeister Albrich vor, den 170 Hektar großen Eichwald voll überbauen zu wollen. 80 Hektar seien schon überbaut. Der Naturschutz brauche Abstand. Geschehe dies nicht, sei dies die Vernichtung des Naturschutzgebiets. Dick glaubt, dass der Zweckverband sein Glück zur Zustimmung beim neuen Landrat Dietmar Allgaier suche.

Lars Weydt (CDU) wehrt sich gegen eine Verhinderungspolitik im Eichwald und dass das Gutachten gekauft werden solle. Für Lothar Makkens (FWV) soll das Gutachten Klarheit bringen, wie nah an das Naturdenkmal herangebaut werden könne. Ralf Nägele (FWV) befürchtet nicht nur eine Beeinträchtigung des Naturdenkmals, sondern auch den Verlust wertvoller Kulturflächen. Andererseits aber brauche die Stadt Geld, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Karl Willig (FDP) wehrt sich dagegen, dass die Landwirte schon wieder Opfer bringen müssten. Helga Niehues (SPD) will, dass der Gutachter das Gebiet ein Jahr lang beobachtet, um verwertbare Ergebnisse zu bekommen.

Der Gemeinderat hat mehrheitlich für das Gutachten gestimmt, in der Hoffnung, dass eine Erweiterung möglich wird. Mit fünf Ja- und sechs Neinstimmen bei zwei Enthaltungen hat dagegen der Gemeinderat von Oberriexingen das Gutachten abgelehnt, weil ihm zu wenige Informationen für eine Entscheidung vorlagen.

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