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Der Gigant unter den Montgolfieren

Der größte je in Deutschland gebaute Heißluftballon hebt in Pattonville ab und schwebt über Stuttgart

Der Heißluftballon am kleinen Fernsehturm in Stuttgart. .Foto: Alfred Drossel
Der Heißluftballon am kleinen Fernsehturm in Stuttgart. . Foto: Alfred Drossel

Pattonville. Der größte jemals in Deutschland produzierte Heißluftballon hat am Mittwoch zusammen mit einem kleineren Ballon auf dem Flugplatz Pattonville zu seiner Jungfernfahrt abgehoben. 12500 Kubikmeter Volumen misst der grün-weiße Rekordballon. Damit ist er doppelt so groß wie die für Ausflüge genutzten Heißluftballons. Bis zu 27 Fluggäste können mitfahren.

Die erste Montgolfiere, wie Heißluftballons genannt werden, war ein kugelähnlicher Sack aus Leinen von zwölf Meter Durchmesser. Am 4. Juni 1783 präsentierten die Brüder Montgolfier dieses Gebilde dem staunenden Publikum ihrer Heimatstadt Annonay. Strohballen und Wolle wurden verbrannt – Rauch füllte den Ballonsack, der sich in die Luft erhob. Nachdem die Halteseile gekappt waren, stieg er bis auf fast 2000 Meter und schwebte zwei Kilometer weit.

Der Big Ballon kann allerdings andere Zahlen aufweisen: Er ist so hoch wie ein Hochhaus mit 20 Stockwerken. Seine Hülle besteht aus 784 zusammengesetzten Feldern. Dabei wurden 24000 Meter Faden vernäht und 1900 Meter Gurte verbaut. Die Hülle hat einen Durchmesser von 34 Meter und eine Höhe von 45 Meter. Seine Oberfläche ist 2732 Quadratmeter groß. In seinem 5,70 Meter großen Korb finden bis zu 27 Personen Platz. Der Ballon kostet mehr als 100000 Euro.

Bevor der Rekordballon auf dem Flugplatz Pattonville abheben konnte, vergingen laut Hersteller rund eineinhalb Jahre. In dieser Zeit liefen neben statistischen Berechnungen und Zulassungen bei den Flugsicherheitsbehörden auch Testfahrten. „Künftig beträgt die Bauzeit für weitere große Ballons etwa drei Monate“, sagt René Krämer von Schroeder Fire-Ballons.

Davor habe seine Firma höchstens Ballons mit einem Volumen von bis zu 8500 Kubikmetern gebaut. Betrieben wird der Gigant mit Propan. Bei der ersten großen Fahrt schwebte er mit einer Gruppe von Passagieren an Bord über die Stuttgarter Innenstadt. Bei Einbruch der Dunkelheit kam das Luftgefährt auf den Fildern nahe des SI in Möhringen sicher wieder zur Erde.

Der 62-jährige Joachim Häußer steuerte das Riesending sicher über die Stadtlandschaft, die Baustelle des Hauptbahnhofs, Straßen, Parks und Plätze sowie am Fernsehturm vorbei. Joachim Häußer hat schon 3500 Ballonfahrten hinter sich. „Das sind unglaubliche Massen, die da bewegt werden“, sagt er. Es brauche auf jeden Fall eine sichere Wetterlage und nicht so viel Wind. Am Mittwochabend stimmte alles.

Mit dem Heißluftballon durch die Luft schweben – das sieht von Weitem ganz mühelos aus. Dabei gehört viel dazu, damit der Ballon so fliegt, wie er soll. Und die Mitfahrer müssen beim Aufbau und beim Abbau feste mit anpacken, bevor sie mit einem Gläschen Sekt zur Ballontaufe belohnt werden. Nach der Jungfernfahrt soll er vom Kölner Unternehmen Skytours in ganz Deutschland für Ballonfahrten genutzt werden.

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