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Der große Knall kommt vor Silvester

Die Enttäuschung bei den Pyrotechnikern ist groß: Sie fühlen sich um ihren Jahresumsatz betrogen. Auch Matthias Brunner, der nach eigenen Angaben deutschlandweit die größte Auswahl an Feuerwerkskörpern hat, muss ab heute schließen.

Rund 1000 verschiedene Raketen und Knallkörper hat Matthias Brunner im Angebot. Dieses Jahr bleiben sie in den Regalen. Foto: Alfred Drossel
Rund 1000 verschiedene Raketen und Knallkörper hat Matthias Brunner im Angebot. Dieses Jahr bleiben sie in den Regalen. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim/Cleebronn. Für den 50-jährigen geprüften Pyrotechniker Matthias Brunner ist eine Situation eingetreten, die er sich nicht hat vorstellen können. Nachdem es noch vor zwei Wochen möglich war, Silvesterraketen zu verkaufen, hat er noch einmal ordentlich in die Werbung investiert. Jetzt ist der Lockdown da. Brunner findet das ungerecht, weil seine Produkte, wie Christbäume, nach Silvester nicht mehr gefragt sind.

Noch gestern hätten sich Gewerbescheininhaber in seinem Geschäft in Hohenhaslach mit Ware eingedeckt, berichtet der 50-Jährige.Doch auch sie dürfen Raketen und Böller nicht mehr an Endverbraucher abgeben, obwohl das Abbrennen von Feuerwerkskörpern nach der Coronaverordnung nicht ausdrücklich verboten sei. Brunner befürchtet jetzt einen Schwarzhandel. Viele könnten sich in Polen mit Knallern eindecken, weil dort der Verkauf nicht verboten sei, sagt er.

Wie es weitergeht und mit welchen wirtschaftlichen Folgen Brunner rechnen muss, ist unklar. „Ich habe mir eine Halle gekauft, die ich abzahlen muss“, berichtet er. „Wie, das sagt die Politik nicht.“

Seit 32 Jahren verkauft Matthias Brunner Feuerwerk. Die Faszination für alles Zischende, Leuchtende und Explodierende entdeckte der 50-Jährige schon früh. Heute ist er gelernter Pyrotechniker, choreographiert Feuerwerk für Hochzeiten, Heiratsanträge oder Stadtfeste. Doch dieses Jahr lief gar nichts.

Matthias Brunner weiß natürlich auch, dass es Diskussionen rund um das Thema Feinstaub und Feuerwerk gibt. Dennoch: „Das Abschießen von Raketen macht nun einmal Spaß und findet an einem Tag von 365 im Jahr statt. Man kann den Leuten ja auch nicht alles Vergnügen nehmen“, findet der Feuerwerk-Fan.

Auch das Argument, dass es durch Feuerwerkskörper an Silvester zu einer hohen Zahl an Verletzten kommen könnte, die die Krankenhäuser überlasten, lässt Brunner nicht gelten. Nicht die Feuerwerkskörper seien die Ursache, sondern der zu große Alkoholgenuss.

Arne von Boetticher, Geschäftsführer der Firma Zink-Feuerwerk in Cleebronn, befürchtet große wirtschaftliche Schwierigkeiten durch das Verkaufsverbot von Feuerwerk für Silvester. Noch könne der Schaden nicht genau beziffert werden, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch das Verkaufsverbot gehe an die Substanz der gesamten Branche.

„Das hat uns schon geschockt, denn wir waren ja guter Hoffnung. Und das ist jetzt komplett hinfällig und damit auch ein Großteil des Jahresumsatzes“, sagt Arne von Boetticher. Von dem anstehenden Silvester-Verkauf erhoffte sich der Cleebronner Feuerwerkhersteller 20 bis 30 Prozent des Jahresumsatzes. Das, was jetzt schon an den Handel gegangen sei, liege jetzt am Lager und fehle dann im nächsten Jahr. „Im Grund haben wir teilweise schon fürs nächste Jahr produziert“, stellt von Boetticher fest. Sein Unternehmen sei jedoch breit aufgestellt und damit nicht existenziell bedroht. Eine wichtige Sparte sei in den vergangenen Monaten der Export von Pyrotechnik gewesen, beispielsweise in die Schweiz, wo es keinen Einbruch gegeben habe. Zink verkauft auch Signalmunition in die USA und nach Kanada, die dort zum Beispiel in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

„Wir haben mehrere Standbeine. Aber wenn ein Bein wegfällt, dann steht man schon mal wackeliger als auf zweien“, betont der gebürtige Niederländer Arne von Boetticher.

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