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Der große Trubel bleibt am Ende aus

„Es ist erstaunlich entspannt hier“, sagt eine Dame, die am Dienstag in der Ludwigsburger Fußgängerzone schlendert. Für viele Einzelhändler endet das Jahr mit dem harten Lockdown schlimmer als gedacht. Laut Citymanager Markus Fischer werden die Nachwirkungen noch lange zu spüren sein.

Durch die Fußgängerzone strömen am letzten geöffneten Tag nur mäßig Besucher. Am Breuningerland sind dagegen viele der Parkplätze belegt. Fotos: Ramona Theiss/Holm Wolschendorf
Durch die Fußgängerzone strömen am letzten geöffneten Tag nur mäßig Besucher. Am Breuningerland sind dagegen viele der Parkplätze belegt. Foto: Ramona Theiss/Holm Wolschendorf
Durch die Fußgängerzone strömen am letzten geöffneten Tag nur mäßig Besucher. Am Breuningerland sind dagegen viele der Parkplätze belegt. Fotos: Ramona Theiss/Holm Wolschendorf
Durch die Fußgängerzone strömen am letzten geöffneten Tag nur mäßig Besucher. Am Breuningerland sind dagegen viele der Parkplätze belegt. Foto: Ramona Theiss/Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Gerade noch geschafft: „Wir haben heute unsere letzten Geschenke gekauft“, sagt ein Ehepaar. Die beiden kommen aus Esslingen. „Eigentlich kommen wir immer zum Weihnachtsmarkt, jetzt kommen wir zum Einkaufen. Ludwigsburg hat so schöne Geschäfte.“ Eine junge Frau hat sich zum Bummel mit einer Freundin verabredet. „Auf dem Arsenalparkplatz gab es noch 50 rei Plätze“, stellt sie überrascht fest. Und in der Tat: Der große Ansturm brach am Dienstag nicht über die Ludwigsburger Innenstadt herein. Voll erschien die Innenstadt nur am Vormittag, als Wochenmarkt war. Am Nachmittag aber lässt die Besucherfrequenz nicht auf die letzte Einkaufsmöglichkeit vor Weihnachten schließen. „Den Rest kaufen wir online“, sagen Mutter und Tochter, die sich gerade einen Kaffee zum Mitnehmen gekauft haben.

Auf ein bewegtes Jahr und ein jähes Verkaufsende für viele seiner Mitglieder, blickt Markus Fischer vom Verein der Innenstadthändler (Luis) zurück. Der abrupte Stopp des Weihnachtsgeschäfts sei für viele hart, erklärt der Citymanager. Kaum ein klassicher Einzelhändler habe die üblichen Weihnachtsumsätze gemacht. Aber es gibt auch Gegenbeispiele. Für Lebensmittelgeschäfte, Optiker oder Fahrradläden war es ein sehr gutes Jahr. „Viele Händler hatten zudem gute Sommermonate“, sagt Fischer.

Trotzdem sei für viele Händler und Gastronomen durch die Entscheidungen der Politik eine sehr schwere Situation entstanden: Angefangen von den Restaurantschließungen, kurz nachdem sich viele Wirte teures Equipment für die Winterzeit besorgt hatten, über verzögerte Hilfszahlungen, bis zur Entscheidung gestern, einen Bestell-und Abholservice zu verbieten (Text unten). „Das ist nur schwer zu verstehen, vor allem weil andere Bundesländer es erlauben“, sagt Fischer. Viele Luis-Mitglieder hätten sich für solch ein Angebot interessiert. „Vor den Läden hätte es bestimmt keine Schlangen gegeben.“ Die Kunden hätten zu unterschiedlichen Zeiten zur Abholung einbestellt werden können.

Was die Innenstadt-Händler dieses Jahr besonders zu spüren bekommen haben, ist das völlige Fehlen von Festen und Großveranstaltungen in der Innenstadt. „Allein der Weihnachtsmarkt hat eine Million Besucher“, sagt Fischer. Viele davon, gehen in Ludwigsburg auch einkaufen.

Trotz allem gibt es für Luis auch gute Nachrichten. Der Verein hat 36 neue Mitglieder, „der Zusammenhalt in der Innenstadt ist gewachsen“. Auch der Ludwigsburg-Gutschein bricht dieses Jahr alle Rekorde. Allein seit 1. November wurden Gutscheine im Wert von etwa 250000 Euro verkauft – so viel wie im gesamten Jahr 2019. Mit diesen Gutscheinen kann man bei 160 Geschäften, Restaurants und Dienstleistern bezahlen.

Auch die Aktion mit kostenlosem Parken und „Gepäckaufbewahrung im Linienbus“ an den vergangenen Freitagen und Samstagen habe sich gelohnt. Nach Auskunft der Stadtwerke waren die Parkhäuser in diesem Zeitraum zwischen 16,4 und 35,1 Prozent besser besucht als im Vorjahr. „Für uns war jeder Schritt wichtig, der die Kundenfrequenz erhält“, sagt Fischer.

Eine Prognose für die kommenden Wochen sei schwer. „Das hängt davon ab, wie lange der Lockdown dauert und wie die Unterstützung durch den Staat aussieht.“ Die Nachwirkungen werden aber noch lange zu spüren sein, ist Fischer sicher. Erst in ein bis zwei Jahren werde das ganze Ausmaß klar sein.

Ludwigsburg werde für den Handel aber weiter ein hochattraktiver Standort bleiben, ist der Citymanager überzeugt. „Sogar in diesem Jahr wurden Leerstände sehr schnell wieder gefüllt.“

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