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Der Kommandant schlägt Alarm

Eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre: Der Neubau des Gerätehauses in Rielingshausen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre: Der Neubau des Gerätehauses in Rielingshausen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Vielfalt der Aufgaben sei im Ehrenamt nicht zu bewältigen – Genehmigte halbe Stelle für Sachbearbeiter „zu wenig“

Marbach. „Der Job als Kommandant ist kein Hobby mehr und im Ehrenamt nicht mehr zu leisten“, wies der Marbacher Feuerwehrkommandant Alexander Schroth in der Gemeinderatssitzung auf die (zu) große Belastung im Ehrenamt hin. Die Feuerwehr habe seiner Meinung nach eine gute Lösung gefunden, um Synergien zu schaffen, die Arbeitsabläufe zu vereinfachen und das Ehrenamt zu entlasten. Dem Wunsch nach einer 100-Prozent-Stelle als Sachbearbeiter habe der Gemeinderat leider nicht entsprochen. „Das hat uns enttäuscht“, betonte Schroth auf Nachfrage der LKZ. Der Vorschlag der Feuerwehr sah vor, dass der Sachbearbeiter nicht nur administrative Aufgaben übernehme, sondern auch für Katastrophen- und Brandschutz zuständig sei. Diese Stelle hätte eine Fachkraft übernehmen können, Schroth wäre ehrenamtlicher Kommandant geblieben. Oder Schroth hätte bei der Stuttgarter Berufsfeuerwehr kündigen und sich auf die Stelle bewerben können. Er wäre für den Kommandantenposten zu einem gewissen Prozentsatz freigestellt worden. „Es geht aber nicht um meine Person. Es geht um die Aufgaben, die aus der Feuerwehr heraus nicht mehr zu leisten sind“, betont Schroth. Schon jetzt müsse die Feuerwehr Aufgaben an die Verwaltung übergeben.

Die vom Gemeinderat genehmigte 50-Prozent-Stelle reiche nicht aus, um den Aufgaben gerecht zu werden. „Die Person muss sechs Hände und vier Füße haben“, verdeutlicht Schroth. Als Beispiel nannte Schroth Personalgespräche zur Mitarbeitermotivation: Wenn er mit jedem Feuerwehrmann ein Gespräch pro Jahr führe, brauche er 25 Arbeitstage. Die Aufgaben würden sich mit Unwetterereignissen wie Starkregen und weiteren Veränderungen nicht verringern. In den nächsten Jahren stünden Großprojekte wie die Beschaffung zweier Löschfahrzeuge, der Neubau des Gerätehauses in Rielingshausen und die Umstellung auf Digitalfunk an. Die Coronapandemie werde weiter beschäftigen. „Die Zeiten, in denen dies alles ehrenamtlich funktionierte, sind vorbei.“ Noch dazu sei die Stelle bereits im Oktober beschlossen worden, aber noch nicht ausgeschrieben. Auch versteht er nicht, warum noch eine weitere halbe Stelle für den Katastrophenschutz geschaffen wird. „Da kann man doch gleich die 100-Prozent-Stelle machen.“ Dennoch ist es Schroth auch wichtig zu betonen, dass eine halbe Stelle besser ist als nichts.

Das Jahr 2020 sei arbeitsintensiv gewesen. Leider wenig übungsreich. Wegen Corona habe man den Übungsbetrieb reduzieren müssen, es fanden keine Lehrgänge statt. „Die größten Gefahren waren die Ansteckung mit Covid-19, aber auch das Aussetzen der Übungen“, betonte Alexander Schroth, denn „Feuerwehr ist ein Handwerk und jeder Einsatz eine Herausforderung“.

Im vergangenen Jahr hatte die Feuerwehr 175 Einsätze, 110 tagsüber und 65 nachts zwischen 18 und sieben Uhr. Der größte Einsatz war der Brandanschlag in der Niklastorstraße, als ein Bewohner des Hauses hier vor der Kirche und vor der Polizei Molotowcocktails gezündet hatte. 96 Brände verzeichnete Schroth, 71 technische Hilfeleistungen, davon 25 Türöffnungen, acht Gefahrguteinsätze. Bei 46 Brandeinsätzen im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit war die Feuerwehr dabei, zudem bei neun Überlandeinsätzen. Im Durchschnitt liegt die Ausrückezeit bei 3,44 Minuten, innerhalb von sieben bis acht Minuten ist die Feuerwehr am Einsatzort.

Am Ende des Jahres hatte die Marbacher Feuerwehr 205 Mitglieder, in der Abteilung Marbach sind es 80, davon sechs Frauen, in der Abteilung Rielingshausen 49 Männer und eine Frau und in Siegelhausen acht Mitglieder. Der Personalstand habe sich etwas verringert, auch weil viele junge Feuerwehrmitglieder keinen Bauplatz in Marbach finden und wegziehen. Ein Anteil von 0,78 Prozent Feuerwehrangehörigen an der Marbacher Bevölkerung sei zu wenig. Mit einem Durchschnittsalter von 41,2 Jahren habe man sich etwas verjüngt. 22 Jungen und acht Mädchen sind in der Jugendfeuerwehr, 37 Mitglieder hat die Altersfeuerwehr.

„Die Stärkung des Ehrenamts ist tatsächlich ins Stocken geraten“, gab CDU-Fraktionschefin Heike Breitenbücher zu und spielte auf Möglichkeiten zur Motivation und Wertschätzung für das Ehrenamt an. Aber auch wegen der Stelle des Sachbearbeiters müsse man vorwärtskommen. Grünen-Fraktionschefin Barbara Eßlinger war ohnehin überrascht, dass die Stelle noch nicht ausgeschrieben sei. Die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik nannte den Personalmangel in der Kämmerei als Grund. Zwei Vollzeitkräfte seien ausgefallen, man habe zuerst schauen müssen, dass die Kasse weiter funktioniere. Bisher habe die Zeit gefehlt, die Stelle zu definieren. Nachdem die beiden Stellen nun besetzt seien, werde man die Gespräche mit der Feuerwehrführung wieder aufnehmen.