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Der Kreis vermittelt und berät

Klimaschutz gelingt am besten, wenn jeder mitmacht. Zugleich müssen die Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen koordiniert werden. Wie Kreiskommunen dem Klimawandel begegnen, zeigen wir in den kommenden Wochen in einer Serie. Zum Auftakt geht es um die Rolle des Landkreises.

Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Kreishauses in Ludwigsburg (zu sehen ist der Ausbauzustand im Juni 2020) sollen dazu beitragen, dass die Liegenschaften der Landkreisverwaltung bereits bis 2035 treibhausgasneutral werden. Foto: Landratsamt Ludwig
Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Kreishauses in Ludwigsburg (zu sehen ist der Ausbauzustand im Juni 2020) sollen dazu beitragen, dass die Liegenschaften der Landkreisverwaltung bereits bis 2035 treibhausgasneutral werden. Foto: Landratsamt Ludwigsburg

Kreis Ludwigsburg. „Die Auswirkungen des Klimawandels kann man auch bei uns im Landkreis beobachten“, sagt die Klimaschutzmanagerin des Landratsamts, Julia Neuhäuser. An Einzelereignissen solle man das grundsätzlich nicht festmachen, doch vor allem die Tendenz der vergangenen 30 Jahre sei eindeutig: Es gab mehr heiße und weniger frostige Tage, die durchschnittliche Temperatur in der Region ist um etwa ein Grad gestiegen. Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, koordiniert und überwacht Julia Neuhäuser die Umsetzung des kreiseigenen Klimaschutzkonzepts, vernetzt sowohl innerhalb der Kreisverwaltung als auch Kommunen untereinander.

Bereits 2015 und damit im Vergleich zu anderen Landkreisen recht früh hatte der Ludwigsburger Kreistag das Integrierte Klimaschutzkonzept beschlossen. Es bezieht sich nicht nur auf die Zuständigkeiten des Kreises selbst, sondern auch auf die von 34 Gemeinden. Ludwigsburg, Tamm, Kornwestheim, Korntal-Münchingen und Freiberg setzen eigene Konzepte um. Für die anderen enthält das Kreiskonzept detaillierte Steckbriefe mit Energie- und CO2-Bilanz sowie Empfehlungen, was die Verwaltungen, aber auch die Bürger etwa an ihren Gebäuden ändern können.

Als übergeordnetes Ziel strebt der Landkreis derzeit Treibhausgasneutralität bis 2050 an. Dafür müsste jeder Einwohner weniger als zwei Tonnen CO2 pro Jahr verursachen. Das wurde bei der Erstellung des Konzepts von Bund und Land noch als ausreichend angesehen, um die weltweite Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Inzwischen hat sich die Lage verschärft. Ist das Klimaschutzkonzept also veraltet? „Es ist eher eine Richtschnur für die Arbeit. Wichtig ist vor allem, im Rahmen des großen Ziels der Treibhausgasneutralität zu handeln“, sagt Julia Neuhäuser. Die Fortschreibung des Konzepts inklusive einer neuen Datenerhebung für die Kommunen soll im übernächsten Jahr beginnen.

Neben der Reduzierung des Ausstoßes kann die Gesamtheit der Treibhausgase auch eingedämmt werden, indem man sogenannte Senken wie Wälder und Böden schafft, die CO2 binden. Laut Neuhäuser gibt es im Kreis zwar Überlegungen, wie man den Wald klimafreundlich bewirtschaften kann: „Das Potenzial ist aber eher begrenzt, da wir der waldärmste Kreis in Baden-Württemberg sind. Die CO2-Reduzierung steht also im Vordergrund.“

Im Jahr 2016 verursachte jeder Einwohner im Kreis laut der Klimaschutzmanagerin im Schnitt pro Jahr 6,6 Tonnen CO2. Daraus könne man allerdings nicht schließen, dass der Kreis im deutschlandweiten Vergleich vorn sei, auch wenn die Europäische Umweltagentur für Deutschland einen Ausstoß von über zehn Tonnen pro Einwohner angibt. Julia Neuhäuser betont, dass es verschiedene Methoden gibt, eine solche Bilanz zu erstellen. So bilden die Angaben für die Kommunen im Kreiskonzept nicht den Ausstoß ab, den die dort lebenden Menschen insgesamt verursachen, sondern die Menge an CO2-Ausstoß, der auf der Fläche der jeweiligen Kommune anfällt. Nicht enthalten in den Zahlen ist also etwa das CO2, das die Herstellung der Kleidung und Lebensmittel für diese Menschen andernorts verursacht. Wenn keine Kreiskommune über einen Flughafen verfügt, sind auch Flüge nicht einberechnet. Den Kommunen, auf deren Gemarkung eine Autobahn verläuft, wird das CO2 zugeschlagen, das der Verkehr darauf verursacht. Kreiskommunen zu vergleichen, wäre also nur bedingt aussagekräftig.

Bindende Vorgaben kann der Kreis den Kommunen ohnehin nicht machen. Anders sieht es da beim Klimaschutzgesetz des Landes von 2020 aus, das Kommunen etwa verpflichtet, ihren Energieverbrauch zu erfassen. „Die Rahmenbedingungen werden enger gestellt, so dass klimafreundliches Verhalten nicht nur gefördert, sondern auch gefordert wird“, so Julia Neuhäuser. An den Empfehlungen des Kreiskonzepts orientieren sich die Kommunen laut ihrer Einschätzung nur zum Teil. Vor allem größere, in denen es eine eigene Stelle nur für den Klimaschutz gebe, verfolgten eigene Strategien. „Das ist sicher sehr sinnvoll, weil sie näher dran sind“, so Neuhäuser. Besonders für kleinere Kommunen eigneten sich die Empfehlungen aber als Einstieg, etwa beim Energiemanagement. Keine eigene Stelle zu haben, sei kein Grund, keinen Klimaschutz zu betreiben: „Grundsätzlich ist es wichtig, dass sich jede Kommune Gedanken macht. Es reicht nicht, sich auf den Landkreis zu verlassen.“

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