Logo


„Der Naturschutz soll bei den Bürgern hoch im Kurs stehen“

Artenschutz und Klimawandel sind für Gerhard Müller besonders wichtig – Seit September ist der Besigheimer Sprecher des Landesnaturschutzverbandes im Kreis

350_0900_20771_ne_mue.jpg
Gerhard Müller will Bürger für Naturschutz sensibilisieren. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. „Es ist nicht banal, wenn einzelne Arten aussterben. Das stört das natürliche Gleichgewicht“, erklärt Gerhard Müller die Bedeutung des Artenschutzes. Der 65-jährige Besigheimer hat das Amt des Sprechers des Landesnaturschutzverbandes (LNV) im Kreis übernommen. Eine Aufgabe, wie sie besser zu ihm nicht passen könnte, denn sein Einsatz für den Naturschutz reicht weit zurück: Über 31 Jahre arbeitete er als Umweltreferent in einem kommunalen Landesverband, seit 35 Jahren ist er Mitglied im BUND. Im Sommer 2016 ging er in den Ruhestand und begann, die Sitzungen des LNV zu besuchen.

Als sein Vorgänger Werner Brekle sein Amt abgab, wurde Gerhard Müller einstimmig zum Nachfolger gewählt. „Ich bin derzeit noch stark damit beschäftigt, mir ein Netzwerk aus Naturschützern aufzubauen, wie es mein Vorgänger hatte“, sagt der 65-Jährige. Seine Hauptaufgabe ist es, Stellungnahmen zu naturschutzrelevanten Themen zu schreiben, wie Wasserrechts- oder Emissionsverfahren sowie zu Flächennutzungsplänen der Kommunen. Dies sei wichtig für die Städte und Gemeinden, um auch naturschutzrechtliche Argumente für die Bauprojekte in Betracht ziehen zu können. Allgemein wolle er die Arbeitsweise seines Vorgängers beibehalten. „Wie Werner Brekle arbeite ich konsensorientiert. Nur das bringt der Sache was.“

Auch die Themen, für die er sich im LNV einsetzt, seien denen seines Vorgängers ähnlich. Dazu gehöre der stärkere Ausbau der erneuerbaren Energien, wie beispielsweise der Windkraft, unter strikter Beachtung des Artenschutzes. Es müsse dafür gesorgt werden, dass durch Windkraftanlagen keine Vögel oder Fledermäuse zu Schaden kommen. Auch die Förderung des Steillagenweinbaus sowie die Verla- gerung der Bebauung von den Randgebieten der Kommunen ins Zentrum sind für ihn wichtig. Der Verkehr solle außerdem durch den Ausbau der Elektromobilität und des Radwegnetzes umweltfreundlicher werden. Vor einer Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrsnetzes müsse aber erst die Pünktlichkeit der Züge besser werden. In Besigheim gebe es zum Beispiel nur wenige Bahnverbindungen und es komme immer wieder zu Störfällen. „Es muss eine Pünktlichkeitsoffensive geben“, sagt er bestimmt.

Gerhard Müller setzt sich in seinem Amt auch mit aktuellen Projekten in Besigheim auseinander, wie dem Enzpark. Er findet es positiv, dass die Stadt die Bürger durch Rundgänge an der Planung beteiligt hat. Allerdings habe der LNV bereits Einwände gegen die Brückenkonstruktion aus Drahtseilen erhoben, die über die Enz führen soll. Diese könnte großen Wasservögeln gefährlich werden. Die Umgestaltung des Enzufers sei ein Eingriff in die Natur, obwohl die abgeholzten Bäume ersetzt werden sollen. „Ein neuer Baum ist schließlich kein alter Baum. Ich würde der Stadt mehr Mut zur Wildnis empfehlen.“ Für den Besigheimer liegen die wichtigsten Umweltthemen jedoch auf der globalen Ebene. „Naturschutzthemen wie der Klimawandel sind existenziell.“ Die globale Erwärmung löse zum Beispiel Dürren und Stürme aus und bedrohe dadurch nun auch die wohlhabenden Länder. „Selbst bei uns sind Schäden nicht mehr verhinderbar“, erklärt Gerhard Müller.

Und was erhofft er sich von der Zukunft? „Der Naturschutz soll für die Bevölkerung hoch im Kurs stehen.“ Nicht jedes Familienmitglied brauche zum Beispiel ein eigenes Auto. Im Alltag achtet der 65-Jährige darauf, regionale Produkte zu kaufen und viele Strecken mit dem Rad zu fahren.