Logo

Der neue Mann am Pult

Hermann Dukek hat sich unter knapp hundert Bewerbern durchgesetzt, am 1. Januar tritt er sein Amt als neuer Dirigent des infonieorchestersLudwigsburg an. Der 39-Jährige setzt auf die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen des Klangkörpers – und möchte doch für Aufbruchstimmung sorgen.

350_0900_14683_COKUHermann_Dukek_Sinfonieorchester_LB_Pr.jpg

Ludwigsburg. Wie groß seine Chancen am Ende sein würden, konnte Hermann Dukek kaum abschätzen, als er sich vor einigen Monaten beim Sinfonieorchester Ludwigsburg um die Stelle des Dirigenten bewarb. Es liegt ja gewissermaßen in der Natur eines jeden Bewerbungsverfahrens, dass der Konkurrentenkreis stets eine abstrakte Größe bleibt. In diesem Fall hatten sich fast hundert Kandidaten für die Nachfolge von Siegfried Bauer, der mit Ablauf dieses Jahres freiwillig den Taktstock abgibt, beworben. Ein Orchester mit voller Besetzung, professionell organisiert, das gibt es nicht überall. „Ich wusste nicht, wo ich stehe“, sagt der 39-Jährige.

Nachdem aus dem Bewerberfeld neun Kandidaten zum Probedirigat eingeladen worden waren, kam Dukek schließlich zusammen mit einem Kollegen in die Endauswahl – und überzeugte Orchester wie Vorstand auf ganzer Linie. „Er war exzellent vorbereitet und hat die Leute für sich gewonnen“, betont der Vorsitzende Marcus Raimann. „Unser neuer Dirigent hat das nötige Interesse gezeigt, sich auf uns einzulassen – und nicht nur zwei Stunden vorne zu stehen und zu dirigieren.“

Nun widmet sich Hermann Dukek voller Tatendrang seinem neuen Amt, das er offiziell am 1. Januar antritt. „Es ist ein sehr sympathisches Orchester, eine gute Gruppe mit einer richtigen schwäbischen Machermentalität“, lobt der gebürtige Backnanger, der seinen Lebensschwerpunkt nun auch aus familiären Gründen von Magdeburg wieder ins Schwäbische nach Korntal verlagert. Doch wie positioniert man sich gegenüber einem Orchester, dessen Leitung 40 Jahre in der Hand eines Dirigenten lag? Die Fußstapfen seines Vorgängers sind groß. Eine Floskel zwar. Die jedoch selten so zutrifft wie in diesem Fall. Dukek will anknüpfen an das, was er vorgefunden hat. Sinfoniekonzerte, Ohrwurmkonzerte, Neujahrskonzerte, Auftritte bei den Stadtgründungsfeiern, Konzertreisen: Siegfried Bauer habe es sehr gut verstanden, Verknüpfungen zu schaffen, sagt der 39-Jährige. Auch sei zu spüren, dass die Verbindung von Stadt und Orchester sehr eng sei. „Diesen Weg möchte ich weitergehen, dabei die Qualität pflegen und vielleicht noch weiter steigern.“

Eine Personalie, die dazu beitragen dürfte, ist auch schon auf den Weg gebracht: Die Violinistin Meike Brandenbusch wird ebenfalls mit Beginn des neuen Jahres als Konzertmeisterin zum Sinfonieorchester Ludwigsburg stoßen. Sie ist bereits Mitglied des Orchesters der Ludwigsburger Schlossfestspiele und lehrt überaus erfolgreich an der Jugendmusikschule. Dukek fühlt sich den gewachsenen Strukturen des Klangkörpers verbunden, will jedoch auch neue Impulse setzen, wie man es von einem jungen Dirigenten wohl erwarten darf und muss. So soll das Orchester in der Stadt künftig noch stärker wahrgenommen werden. „Ich denke, das Sinfonieorchester hat die Möglichkeiten, noch mehr Konzerte zu spielen“, erklärt Dukek.

Die öffentliche Wahrnehmung, die Präsenz im Stadtleben ist, gerade in diesen Zeiten, in denen das klassische Konzert bisweilen mit Nachwuchsproblemen in den Zuschauerrängen zu kämpfen hat, auch eine stete Überlebensfrage, das weiß Dukek. Doch wie damit umgehen? Ab Januar wird es eine Facebook-Seite mit aktuellen Informationen geben, damit soll auch die jüngere Generation verstärkt angesprochen werden. Weitere Ideen hat er bereits im Kopf. Doch natürlich definiert sich ein Orchester nicht zuletzt über das Repertoire, das es bedient. Der künftige Dirigent wird in diesem Bereich wohl keine Zeitenwende einläuten, die Komposition der abendlichen Programme jedoch selbstkritisch hinterfragen. Den Kern dürfte allein schon wegen der vollen Besetzung die ganze Palette der Romantik bilden, von Brahms über Bruckner bis hin zu Mahler, ergänzt durch Barockes, aber auch zeitgenössische Werke. „Diese müssen aber gleichzeitig spielbar und begeisternd sein“, sagt er. Besonders letzterer Aspekt gilt für die Orchestermitglieder wie für das Publikum in besonderem Maße.

Dukek, der Kirchen- und Schulmusik an der Musikhochschule in Stuttgart studierte und ein Dirigier- und Gesangsstudium in Detmold anschloss, dirigierte zuletzt am Theater der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt die Magdeburgische Philharmonie. Nun ist er wieder freiberuflich als Dirigent tätig, beim Sinfonieorchester Ludwigsburger arbeitet er auf Honorarbasis. Hin und wieder kehrt er nach Magdeburg für einzelne Projekte zurück. Weitere Funktionen dürften, wie so häufig in diesem Metier, noch hinzukommen.

Das Jahr 2017 beginnt in jedem Fall ambitioniert: Bereits am 1. April steht das erste Sinfoniekonzert im Forum an. Kein Scherz. Für das wöchentlich probende Laienorchester ein straffer Zeitplan. Auf dem Programm stehen Beethovens Egmont-Ouvertüre, Bruchs 1. Violinkonzert und die 4. Sinfonie von Schumann. „Ich find’s ganz gut so“, sagt Dukek und lacht. „Da kommt ordentlich Schwung rein.“