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„Der Richtige in schwieriger Zeit“

Delegierte aus dem Kreis Ludwigsburg setzen auf Friedrich Merz – Wirtschaftskompetenz als Hauptargument

Friedrich Merz (links) hat bei den Sympathien im Kreis die Nase vorn gegenüber Armin Laschet und Norbert Röttgen. Archivfoto: Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz (links) hat bei den Sympathien im Kreis die Nase vorn gegenüber Armin Laschet und Norbert Röttgen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Kreis Ludwigsburg. Im Kreis Ludwigsburg genießt Friedrich Merz bei den CDU-Mitgliedern die meisten Sympathien. Bei einer offenen Mitgliederversammlung, die aus Pandemiegründen lediglich online stattfinden konnte, sprachen sich deutlich mehr als die Hälfte der rund 60 Teilnehmer für den ehemaligen Unionsfraktionschef aus. Für Norbert Röttgen und Armin Laschet jeweils nur rund ein Viertel. Wenngleich die Delegierten aus dem Kreis dieses Votum nicht als verpflichtend, sondern lediglich als Stimmungsbild werten müssen, so steht auch hier der Sauerländer deutlich auf Platz eins. Am Dienstagabend gab es für alle Delegierten einen Testlauf der Bundesgeschäftsstelle, bei dem sie sich mit den technischen Rahmenbedingungen für den komplett online stattfindenden Parteitag vertraut machen konnten. Sogar die virtuelle Wahlkabine stand schon bereit. Doch die wird erst am Samstag geöffnet. Vier der sechs Delegierten aus dem Kreis Ludwigsburg haben sich schon entschieden: Sie werden für Friedrich Merz stimmen. Die anderen beiden haben sich noch nicht endgültig festgelegt.

Steffen Bilger: Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium wird für Friedrich Merz stimmen. „Er ist gerade in dieser schwierigen Zeit der Richtige“, sagt der Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete. Merz könne Wirtschaftspolitik und diese Kompetenz sei gerade in der Zeit nach der Coronapandemie wichtig. Er verspricht sich von ihm, „dass er sensibel ist für die Stimmungen in Partei und Bevölkerung“. Der ehemalige Unionsfraktionschef spreche viele an und könne sie begeistern. Das sei auch im Bundestagswahlkampf sehr wichtig. Die Kanzlerschaft traut er Merz dann auch zu – „in Abstimmung mit der CSU“. Aber noch vorher hofft Bilger auf Unterstützung im Landtagswahlkampf.

Rainer Wieland: Der Kreisvorsitzende hat sich hingegen noch nicht endgültig entschieden. „Das mache ich auch etwas von dem Auftritt auf dem Parteitag abhängig“, so der stellvertretende Präsident des Europäischen Parlaments. Für ihn kommt es darauf an, dass der neue Parteichef die CDU auch im Wahlkampf voranbringen kann. „Vor allem digital müssen wir nicht nur wegen Corona stark sein“, ist sich Wieland sicher. „Hören und führen, fordern und fördern“, das müsse der Kandidat können. Dass der CDU-Vorsitzende auch Kanzlerkandidat werden könne und das erste Zugriffsrecht habe, ist für ihn unbestritten. „Aber das entscheiden wir erst nach Ostern.“ Wieland wird in Brüssel und Gerlingen den Parteitag vom heimischen Laptop mitverfolgen. Auch hier geben Corona und die geltenden Reiseregeln den Takt vor.

Fabian Gramling: Der Landtagsabgeordnete setzt auch wie vor zwei Jahren wieder klar auf Merz. Gestern hatten sich noch einmal alle drei Kandidaten in der Landtagsfraktion vorgestellt. Das habe seinen Entschluss allerdings nur gefestigt. „Wir brauchen jetzt jemanden mit großer Wirtschaftskompetenz“, erläutert Gramling, der im September in den Bundestag einziehen will. Merz habe einen klaren Kompass und das sei in der Autoregion Stuttgart besonders wichtig. „Es wird nach Corona darum gehen, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern“, so Gramling. Merz sei hierfür der richtige Mann. Und er könne auch Kanzler.

Michael Schreiber: Der Regionalrat aus Großbottwar hat sich ebenfalls wieder auf Friedrich Merz festgelegt. „Das Land steht gut da, trotz Corona“, so der Notar. „Aber es ist Zeit für einen Wechsel und die CDU muss sich wieder stärker profilieren“, findet der Vize-Kreisvorsitzende. In der Partei habe fast ein Jahr lang ein Führungsvakuum bestanden – das gelte es jetzt zu füllen. Gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Bund und Land sei es wichtig, eine integrierende Persönlichkeit an der Spitze zu haben, die aber auch inhaltlich „klare Kante zeigen könne“. Merz werde es gelingen, „Klimaschutz und Wirtschaft zusammenzubringen“.

Elke Kreiser: Die Regionalrätin aus Ludwigsburg hat sich nach eigenem Bekunden noch nicht entschieden, wen sie am Samstag wählen wird. „Ich hatte zwar schon einen Kandidaten in der Schublade, aber nach den Online-Runden der vergangenen Tage ist der wieder rausgeflogen.“ Jetzt komme es für sie auf die Parteitagsrede an, „die gibt den Ausschlag“. Denn alle drei hätten das Zeug zum Vorsitzenden. Sie wünscht sich, dass der neue CDU-Chef die Partei zusammenführt und „eine hohe Ausstrahlung nach außen“ habe. Er müsse „ein Mann der Mitte“ sein und sich als Erstes in den Wahlkampf in Baden-Württemberg stürzen. Regierungserfahrung brauche er nicht zwingend – „man wächst ja an seinen Aufgaben“.

Inge Choeb: Die Schatzmeisterin der Frauenunion Nordwürttemberg aus Ludwigsburg wird wie vor zwei Jahren wieder Friedrich Merz wählen. Dabei gebe seine Wirtschaftskompetenz den Ausschlag. „Er hat mich bei seinem Besuch in Ludwigsburg im Oktober stark beeindruckt“, sagt sie. Merz sein kein „Mann des vergangenen Jahrhunderts, sondern ein Politiker mit Zukunftsvisionen“. Ihr imponiere auch, dass Merz „klare Kante gegenüber China und den USA“ gezeigt habe.

In einer Frage sind sich alle Delegierten einig: Es sind große Schuhe, in die der neue CDU-Vorsitzende schlüpfen wird. Denn kaum eine Politikerin habe die Union so geprägt wie Angela Merkel. „Wir werden sie noch vermissen“, sagt Rainer Wieland – und meint damit nicht nur ihre Rolle während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

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