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Der Startschuss für den Marathon ist gefallen

Die Freude darüber, die Gartenschau ausrichten zu dürfen, zeigt sich auch in den Plakaten an den Ortseingängen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Freude darüber, die Gartenschau ausrichten zu dürfen, zeigt sich auch in den Plakaten an den Ortseingängen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
In zwölf Jahren sollen die Besucher der gemeinsamen Gartenschau an den Ufern des Neckars und auf der Schillerhöhe flanieren. Ein Gespräch mit den Bürgermeistern Jan Trost (Marbach) und Klaus Warthon (Benningen) über die aktuellen Aufgaben und Herausforderungen des Großprojekts.

Marbach/Benningen. Seit Marbach und Benningen am 14. Dezember 2020 den Zuschlag zur Ausrichtung der Gartenschau 2033 erhalten haben, sind acht Monate vergangen. Seitdem hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung in der weiteren Planung nicht viel getan – oder täuscht dieser Eindruck?

Klaus Warthon: Der Eindruck täuscht. Das Thema Gartenschau ist ein kontinuierlicher Prozess. Mit dem Zuschlag hat sich für uns von einer Minute zur anderen etwas verändert, da begann der Anlauf für eine Veranstaltung, die in zwölfeinhalb Jahren stattfinden wird. Und alles, was in der Machbarkeitsstudie steht, ist seit diesem Tag weiter in der Bearbeitung. Man darf jetzt nicht alles auf die sicher wichtige Bürgerbeteiligung reduzieren. Wir in Benningen haben zum Beispiel schon zwei Grundstücke gekauft, die im Gartenschaugelände liegen, wir hatten einen gemeinsamen Termin mit dem Verkehrsstaatssekretär in Berlin, bei dem es um den Ausbau der Schleuse ging, der jetzt nicht mit 2033 kollidieren darf. Das sind alles Dinge, die uns beschäftigen, die aber vielleicht nicht so öffentlichkeitswirksam sind.

Nun haben ja beide Gemeinderäte vorige Woche in den Sitzungen, in denen die Grundsatzbeschlüsse gefasst wurden, erklärt, man müsse jetzt wieder stärker in die Bürgerbeteiligung gehen. Werden sich die Benninger und Marbacher denn schon in absehbarer Zeit in die Planung einbringen können oder ist da noch Geduld gefragt?

Warthon: Für das, was jetzt nach außen wahrnehmbar wird, hat es erst einmal die Beschlüsse der beiden Gremien gebraucht; diese Entscheidungen haben natürlich auch eine gewisse Vorbereitung benötigt.

Jan Trost: Das Ganze ist ja ein mehrstufiges Verfahren, die erste Stufe waren Machbarkeitsstudie und Bewerbung, die nächste ist der Rahmenplan, das wird rund zwei Jahre dauern. Und dann werden die Karten neu gemischt und über einen Wettbewerb das Büro ausgewählt, das die Gartenschau konkret plant. Es wird wichtig sein, die Bürger bei der Erstellung des Rahmenplans mitzunehmen. Da wird es vor allem darum gehen, die infrage kommenden Flächen auf ein machbares Maß zu reduzieren, dafür ist es wichtig, die Meinung der Bürger zu hören. Deshalb besteht auch Einigkeit darin, dass Marbach und Benningen gemeinsam ein Konzept erarbeiten, wie wir die Bürgerbeteiligung in den nächsten Jahren aufsetzen.

Sie, Herr Trost, haben ja im Gemeinderat angekündigt, nach der Sommerpause eine Idee zu präsentieren, wie die Bürgerbeteiligung konkret aussehen könnte. Lassen Sie uns doch an Ihren Gedanken schon ein bisschen teilhaben.

Trost: Klar ist, dass wir vor allem analoge Formate finden müssen, bei denen die Bürger zusammenkommen – so wie es im Rahmen der Machbarkeitsstudie auch war. Wir werden sicher auch versuchen, digital mehr einzusteigen, und ein Konzept vorschlagen, mit dem man verschiedene Kanäle bespielt, um möglichst viele Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Die Details werden wir jetzt ausarbeiten und dann in den Gemeinderäten diskutieren.

Bürgerbeteiligung hat ja nicht nur etwas mit der Planung, sondern auch mit der konkreten Gartenschau zu tun. Ist es denn angedacht, Bürger, Vereine und Institutionen in die Umsetzung einzubeziehen, so wie es die Remstal-Gartenschau 2019 vorbildlich gemacht hat?

Trost: Das auf jeden Fall. Man muss dabei aber schauen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um auf die Bürger und Vereine zuzugehen, das ist jetzt noch zu früh, wir stehen erst am Anfang des Prozesses. Wenn ich heute zum Beispiel mit einem Vereinsvorsitzenden spreche, weiß ich nicht, ob der in sechs, sieben oder acht Jahren noch Vorsitzender ist. Jetzt geht es zunächst mal darum, wie man das Gelände am besten gestaltet. Das muss modular aufgebaut werden.

Diese lange Vorlaufzeit von mehr als zwölf Jahren betrifft ja auch die Kommunalpolitik. Sie beide als Bürgermeister wissen heute nicht, ob Sie 2033 noch im Amt sein werden; Ähnliches gilt für die Gemeinderäte. Wie geht man damit in der Planung einer solchen Großveranstaltung um?

Warthon: Wir haben unsere Aufgaben als gewählte Verantwortliche in den Gemeinden. Es gibt einen Zeitplan, den wir jetzt sukzessive durchgehen, und tatsächlich machen wir uns jetzt über das „Fest“ selbst noch wenige Gedanken. Wir haben das erste große Etappenziel erreicht, jetzt wird die Machbarkeitsstudie weiter verfeinert, und der ab 2025 anstehende Wettbewerb wird dann sicherlich neue Ideen bringen. Auch Olympische Spiele werden sehr weit im Voraus vergeben, auch da weiß man nicht, was im Planungszeitraum passiert. Ein Beispiel ist unsere Ortsumgehung, die erst ein Vierteljahrhundert nach Planungsbeginn 2022 für den Verkehr freigegeben werden wird. Die Verantwortlichen müssen immer mit der Zeit umgehen, die sie gerade zur Verfügung haben.

Trost: Die Erstellung des Rahmenplans ist ja für die nächsten zwei Jahre ausgelegt, das wird also mit der aktuellen kommunalpolitischen Mannschaft in Benningen und Marbach umgesetzt. Es ist meine und die Aufgabe des Kollegen Warthon, die Vorbereitungen so zu treffen, dass im Zweifelsfall auch ein anderer das alles weitertreiben kann.

Der lange Planungszeitraum ist ja auch eine Herausforderung mit Blick auf Mitarbeiter und Bürger. Wie wollen Sie es schaffen, den vielzitierten Spannungsbogen zu halten?

Trost: Es gibt zum Beispiel die Überlegung, in Marbach den Burgplatz als Informationsplattform zu nutzen. Da könnte dann über den aktuellen Planungsstand informiert, Termine bekanntgegeben, Aktionen gestartet werden und vieles mehr.

Warthon: Einfach ist das nicht. Jetzt mit dem Einstieg in die Rahmenplanung wird man gute Aktionen setzen können, aber das über die Dauer der Zeit hochzuhalten, ist tatsächlich eine Herausforderung. Zuversichtlich stimmen mich die positiven Rückmeldungen und Reaktionen vieler Bürgerinnen und Bürger auf die erfolgreiche Bewerbung, und ich setze darauf, dass sich viele Menschen in Benningen und Marbach engagieren werden.

Auf die Mitarbeiter der beiden Verwaltungen kommt viel Arbeit zu, Bestandteil des Grundsatzbeschlusses ist zudem die Schaffung einer speziellen „Gartenschaustelle“ im nächsten oder übernächsten Jahr. Ist das denn ausreichend?

Warthon: Wenn ich die gemeinsamen Aktivitäten anschaue, die uns auch außerhalb der Gartenschau verbinden – das Gruppenklärwerk Häldenmühle, wo ein neuer Faulturm für sechs Millionen Euro gebaut wird, der Gemeindeverwaltungsverband, der aktuell die Sanierung des Marbacher Bildungszentrums für mehr als 20 Millionen Euro stemmt, das neue Konzept des Tourismusverbands Marbach-Bottwartal –, wenn man das in Summe sieht, brauchen wir diese Gartenschau-Stelle als Hilfeleistung und als zentrale Anlaufstelle. Deshalb ist die Beschlusslage in Benningen so, dass wir diese Stelle möglichst schnell ausschreiben wollen.

Trost: Wir haben durch die vielen aktuellen Projekte, die in Marbach laufen – ich nenne nur die Stichworte Gesundheitscampus, Erweiterung des Deutschen Literaturarchivs, Grundschulsanierung, Sanierung Fußgängerzone und Neubaugebiete –, einfach nicht die personellen Ressourcen, die Planung mit der Professionalität, die es jetzt braucht, voranzutreiben. Deshalb wird eine Stelle die nächsten Jahre ausreichen, aber aus der Erfahrung anderer Ausrichter weiß man, dass die Organisation in den Jahren vor der Gartenschau noch mal intensiver wird.

Warthon: Das ist vielleicht das Signal nach außen, das man bislang etwas vermisst hat: dass jemand im Rathaus kontinuierlich ansprechbar ist.

Die Machbarkeitsstudie wurde jetzt schon einige Male erwähnt. Die hat das Büro Planstatt Senner erarbeitet, das jetzt auch mit dem Rahmenplan beauftragt wird. In Benningen war der Beschluss glasklar, in Marbach gab es den Wunsch, diesen Auftrag auszuschreiben. Der fand zwar keine Mehrheit, Kritik an Senner gab es aber trotzdem. Wie groß ist denn das Vertrauen in das Planungsbüro?

Trost: Das Büro ist sehr erfahren und sehr breit aufgestellt. Wichtig ist, dass die Spezialisten in diesem Büro für uns jetzt ein maßgeschneidertes Konzept erarbeiten. Es war im Gemeinderat eher die Frage, ob Planstatt Senner diesem Anspruch gerecht werden kann oder ob Konzepte, die schon für andere Gartenschauen ausgearbeitet wurden, wie eine Blaupause für den Rahmenplan für Marbach und Benningen verwendet werden. Da müssen wir drauf schauen, ebenso wie auf die Finanzen, dass wir hier angesichts der Finanzsituation beider Kommunen am Ende die Kostenkontrolle behalten. Es geht darum, kreative Ideen innerhalb der finanziellen Leitplanken zu verwirklichen.

Warthon: Klare Antwort: Das Vertrauen in die Planstatt Senner ist riesig. Wenn das, was das Büro bislang gemacht hat, nicht gut wäre, würden wir dieses Gespräch nicht führen. Die Bewerbung war erfolgreich, so wie vieles erfolgreich war, was das Büro gemacht hat. Ich habe großes Verständnis dafür, dass man im Laufe des Verfahrens sagt, wir brauchen neue Impulse. Und diese neuen Impulse kommen. Sie werden kommen mit dem Wettbewerb. Und ich bin jetzt schon fast sicher, dass die Planung dann ein anderes Büro übernehmen wird. Aber jetzt zwischen Machbarkeitsstudie und Rahmenplan das Büro zu wechseln, damit würde man einen halben Sandkasten ins Getriebe streuen. Das würde dem Projekt garantiert nicht guttun.

Die Idee der Gartenschau lebt ja vom Neckar als verbindendem Element zwischen den beiden Kommunen. Beunruhigt Sie das, was im Ahrtal passiert ist, wird man dem Hochwasserschutz in der Planung mehr Bedeutung beimessen müssen als bislang gedacht?

Warthon: Nein. Dafür gibt es zwei Gründe. Das Hochwasserrisiko bestand vom ersten Moment der Bewerbung an. Es war allen klar, dass das passieren kann. Der zweite Grund: Wir sind hochwassererfahren und haben in den letzten Jahren feststellen können, dass die Ereignisse, die jetzt die Katastrophe im Ahrtal ausgelöst haben, bei uns nicht so das Problem sind. Der Neckar hat ein Stück weit Platz, der muss sich erst mal füllen. Ein kurzer, prägnanter Starkregen, bei dem viel Wasser auf eine kleine Fläche niedergeht, wird bei uns nicht zu einer Katastrophe führen. Bei uns müssen andere Faktoren zusammenkommen, die wir weiter akribisch und verantwortungsvoll beobachten. Deshalb habe ich keine größeren Sorgen als vor drei Wochen.