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Der Wandel im Handel

Sorge um die Zeit nach der Coronapandemie

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Ludwigsburg. In Anbetracht des aktuellen Wechsels in der Ludwigsburger Innenstadt könnte man sich große Sorgen machen. Zahlreiche Geschäfte, die leer stehen und über deren Nachnutzung noch keine Entscheidung gefallen ist. Doch der Ludwigsburger Wirtschaftsförderer Frank Steinert sagt: „Diese Entwicklung haben wir immer wieder.“ Außerdem biete Leerstand stets auch die Chance für etwas Neues, was die Innenstadt bereichert und stärkt.

Allerdings befindet sich der stationäre Einzelhandel in einer Ausnahmesituation. Wegen der Coronapandemie hat die Kundenfrequenz in den Innenstädten abgenommen. Kunden entdecken den Onlinehandel immer mehr für sich. Die Umsätze in den Geschäften vor Ort gehen weiter stark zurück. Nach einer Umfrage des Einzelhandelverbands Deutschland verzeichnen die Händler in den Stadtzentren im Vorjahresvergleich durchschnittlich einen Umsatzrückgang von mehr als einem Drittel.

Die aktuellen Ladenschließungen haben laut Steinert nichts mit der Coronapandemie zu tun. Aber die Neuvermietung der Flächen ist in Zeiten von Corona deutlich schwieriger als sonst. „Die Anfragen aus dem Handel sind sehr dünn.“ Hauptsächlich seien es Gastronomie-Konzepte, die nach Flächen anfragen. Zumindest war das bis vor der erneuten Schließung der Restaurants der Fall.

Eberhardstraße:

Früher war die Eberhardstraße ein Geheimtipp für individuellen Einzelhandel. Den Geheimtipp-Status hat sie längst verloren, ihren Charme hat sich die Straße aber erhalten. Vor kurzem hat das p.p.Studio geschlossen, seit 1976 eine Institution für CD- und Vinyl-Liebhaber. Jetzt entsteht was Neues. Kim Pesch von der ein paar Häuser weiter gelegenen Damenboutique Donna wird hier gemeinsam mit ihrem Partner einen kleinen Conceptstore für Männer-Mode und -Accessoires eröffnen. Derzeit wird die Fläche in Abstimmung mit dem Denkmalamt renoviert. Wenn alles fertig ist, gibt es hier auch eine kleine Auswahl an Möbeln, die derzeit neben Accessoires für den Hund mit Stil im Hinterhaus-Pop-up-Laden Paul‘s Home verkauft werden. Bis es soweit ist, wird es wohl Frühjahr werden, schätzt Kim Pesch.

Der Friseursalon Haarbotschaft hat seine Filiale in der Eberhardstraße geschlossen, sucht derweil aber nach einem neuen Standort. Bis der gefunden ist, werden die Haare in der Bietigheimer Dependance geschnitten.

Eine Teilfläche ist inzwischen an die New-Work-Agency vermietet, die ganzheitliche Arbeitsplatz- konzepte zu ihrem Schwerpunkt gemacht hat.

Kirchstraße:

Einen gastronomischen Wechsel hat es in der Kirchstraße gegeben: Das kleine Restaurant „Fleischlos“ heißt nun Taskin, natürliche Vielfalt. Der ein oder andere Ludwigsburger kennt Taskin bereits vom Wochenmarkt.

Räumungsverkauf ist aktuell bei Bonita, einem Bekleidungsgeschäft nahe der evangelischen Kirche. Noch ist die Ladenfläche nicht neu vermietet, laut Aussage der Wirtschaftsförderung soll es aber kein Textil-Geschäft mehr werden.

Ebenfalls offen ist die Nachnutzung der Jeans Fritz-Fläche. Kurzzeitig war hier ein Pop-up-Konzept untergebracht, doch diese Interimslösung ist bereits beendet.

Seestraße

Nach Sushi kommt Sushi: Monatelang stand die Restaurantfläche in der Seestraße 10 leer. Das Sushi-Restaurant ist geschlossen. Inzwischen tut sich aber wieder etwas. Das Sushi-Konzept Mikoto aus Stuttgart kommt mit einem Ableger nach Ludwigsburg. Eröffnung soll eigentlich im Dezember sein. Wenn die Coronalage es zulässt.

Direkt nebenan hat bereits im Frühjahr das Brillen-Geschäft Brillen.de eröffnet. Zum Unternehmen gehören über 600 Filialen – jetzt also auch in Ludwigsburg.

Dieser Leerstand schmerzt, weil er an so exponierter Lage ist: Das Eckgebäude Wilhelmstraße 15/Seestraße steht leer. Bis noch vor kurzem war hier das Bekleidungs-Konzept Takko untergebracht, das hat aber seine Zelte in Ludwigsburg abgebrochen. Eine Nachfolge ist noch offen.

Untere Marktstraße

Ein Ludwigsburger Traditionsgeschäft in der Unteren Marktstraße ist geschlossen: Betten Goller. Das Geschäft ist geschlossen, Handwerker sind vor Ort. „Das Erdgeschoss soll Handelsfläche bleiben“, sagt Inhaber Jochen Goller. Was genau dort entstehen wird, ist noch offen. „Gastronomie wird es aber nicht werden.“ Das Obergeschoss wird zu Wohnraum umgenutzt.

Körnerstraße

Aus Altersgründen hat Optik Ege in der Körnerstraße sein Geschäft aufgegeben. Immobilienbesitzerin und Apothekerin Meike Raasch (Lindenapotheke) will das Ladengeschäft neu vermieten und weiß auch schon, wie es weitergehen soll. Doch noch ist die Nutzungsänderung bei der Stadtverwaltung nicht durch, und so lange hält sie sich noch bedeckt.

Das Reisebüro an der Ecke Lindenstraße ist ausgezogen. Eine Nachnutzung steht noch nicht fest. (je)

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