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Deutlich weniger Verkehrstote

2020 ist die Zahl der Unfälle auf den Straßen im Kreis zurückgegangen – auch wegen Corona. Einen Ausreißer gibt es allerdings. Und auch andere Punkte bereiten Sorge.

Auch Unfälle mit Beteiligung von Lkw – wie hier der tödliche auf der B 10 – sind zurückgegangen, obwohl sich ihr Verkehrsaufkommen im vergangenen Jahr laut ADAC mit bis zu 19 Prozent im April nicht so deutlich reduziert hat wie bei Autos (-55 Prozent
Auch Unfälle mit Beteiligung von Lkw – wie hier der tödliche auf der B 10 – sind zurückgegangen, obwohl sich ihr Verkehrsaufkommen im vergangenen Jahr laut ADAC mit bis zu 19 Prozent im April nicht so deutlich reduziert hat wie bei Autos (-55 Prozent). Foto: Alfred Drossel
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Kreis Ludwigsburg. Es war einer der schwersten Unfälle der vergangenen Jahre auf der B10 rund um Schwieberdingen, sechs Wochen nach dem Ende des ersten Lockdowns. Ein 48-Jähriger starb Mitte Juni, nachdem er beim Überholen in einen Silozug geprallt war, der Lastwagen wiederum geriet auf die Gegenspur, kollidierte mit einem Mercedes, in dem ein 19-Jähriger schwer verletzt wurde. Nur gut zwei Wochen zuvor hatte sich ein 41-Jähriger mit seinem Sportwagen auf dem Soldatensträßle zwischen Hochberg und der Straße nach Oßweil überschlagen und dabei so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus starb. Zwei tödliche Unfälle von acht im Kreis Ludwigsburg. Und zwei Ereignisse, die seit 2018 seltener auftreten – und nicht nur mit den Folgen von Corona mit zeitweise weniger Verkehr erklärt werden können.

Denn während die Zahl der Verkehrsunfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent auf 26411 zurückgegangen ist (Kreis: 16999 auf 14249; fast 18 Prozent im Land), gab es bei den dabei Getöteten gar mehr als eine Halbierung. Starben 2019 noch insgesamt 34 Menschen, so waren es im ersten Coronajahr nur acht im Kreis Ludwigsburg (-50 Prozent), vier im Kreis Böblingen (-71) und drei (-63) auf der A81, A8 und A831, dem Zubringer nach Stuttgart-Vaihingen.

Besonders deutlich ist – wenngleich auf niedrigem sowie sinkendem Niveau – das bei Motorradfahrern. 2020 starb kein einziger (2019: 4) – der Tod eines 54-Jährigen in Hessigheim Ende Oktober wird demnach auf gesundheitliche Probleme zurückgeführt. Und auch die Zahl der Unfälle auf den untergeordneten Straßen im Kreis sank, von 132 auf 114. Allerdings wurden dabei mit 70 präsidiumsweit mehr Beteiligte schwer verletzt als 2019 (62), während es bei den Leichtverletzten ebenfalls einen Rückgang gab, von 150 auf 131.

Ganz und gar nicht zufrieden ist die Polizei dagegen mit der Entwicklung bei einer anderen Gruppe von Zweiradfahrern: den Nutzern von Pedelecs. Hier verzeichnet die Übersicht die einzige Zunahme, und zwar deutlich um 18,8 Prozent von 202 auf 240, während es zusammengerechnet mit klassischen Rädern nur ein Plus von 3,1 Prozent gab. In absoluten Zahlen: Im Kreis passierten 499 Unfälle (2019: 477), davon 136 mit Pedelecs (121).

„Das zeigt uns, dass wir dieser Gruppe weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen müssen“, so Polizeipräsident Burkhard Metzger dazu. In den Jahren zuvor hatte es das häufig über Senioren geheißen – wie insgesamt sind aber auch die Unfälle mit dieser Risikogruppe zurückgegangen (-17,4 Prozent), ebenso mit Kindern (-18,1) oder jungen Erwachsenen. Die galten 2019 noch als Sorgenkinder, aktuell hingegen geht ihre Beteiligung mit fast 24 Prozent überproportional zurück. Wohl nicht nur deshalb sieht Metzger die Gesamtentwicklung seit 2018 mit den Verkehrsüberwachungs- und -präventionsmaßnahmen „auf einem guten Weg“.

Hauptursache: Vorfahrt missachtet

Als Beleg dienen könnten auch die Zahlen zu den Unfallursachen. Gerade die Geschwindigkeitsverstöße, denen man mit verstärkten Blitzereinsätzen den Kampf angesagt hat, rutschten in der Rangliste knapp hinter „Fehler beim Abbiegen“ (18,1 Prozent). Unangefochten auf Platz eins liegen aber Vorfahrtsverstöße, ihr Anteil hat auf 33,8 Prozent nochmals zugelegt. Mit Blick auf die Auswertung der Unfälle mit Personenschaden liegt zu dichtes Auffahren ebenfalls weit vorne, je nach Schwere dann aber die Geschwindigkeit.

Alkoholisiert war mindestens ein Beteiligter bei präsidiumsweit 273 Unfällen (2019: 336; 2018: 345). Bei 270 davon war es der Verursacher, 63 von ihnen wurden verletzt, zudem 50 weitere Personen. Auch bei den Unfällen unter Drogeneinfluss gab es einen Rückgang – allerdings nur dank der Entwicklung im Kreis Böblingen. Im Kreis Ludwigsburg hingegen registrierte die Polizei eine Zunahme von 15 auf 23. Immerhin: „Positiv festzuhalten ist, dass anders als in den Vorjahren keine Person im Zusammenhang mit Drogen- oder Alkoholunfällen verstarb“, so die Polizei.

Ausblick

Ob sich die positive Entwicklung so fortsetzen wird, lässt sich freilich noch nicht sagen. Fest steht aber, dass es 2021, im zweiten Lockdown, bislang mehr und vor allem mehr schwere Unfälle gegeben hat, als zwischen Mitte März und Ende April 2020: Erst vergangene Woche starb ein Autofahrer bei Tamm, wenige Tage zuvor ein anderer auf der A81 bei Freiberg.

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