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„Die Gemeinschaft fehlt saumäßig“

Welche Folgen hat die Coronapandemie für die Gemmrigheimer Vereine? Das wollte die Gemeindeverwaltung wissen und hatte deshalb am Mittwochabend zum Austausch eingeladen. Das Fazit: Im Ort ist zwar kein Verein in seiner Existenz bedroht, das gesellschaftliche Miteinander fehlt den Mitgliedern aber sehr. Festgelegt wurde auch: Im nächsten Jahr sollen die Vereinsmesse und das Fleckenfest stattfinden – gerade wegen Corona.

Neue Ideen gesucht: Das Fleckenfest soll trotz Coronakrise im nächsten Jahr in Gemmrigheim stattfinden, aber wieder mehr Besucher anziehen als zuletzt. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Neue Ideen gesucht: Das Fleckenfest soll trotz Coronakrise im nächsten Jahr in Gemmrigheim stattfinden, aber wieder mehr Besucher anziehen als zuletzt. Foto: Holm Wolschendorf

Gemmrigheim. Unter den Folgen der Coronapandemie leiden nicht nur Unternehmen und Arbeitnehmer, sondern es leidet auch das Ehrenamt. Wegen der Einschränkungen sind viele Vereine kaum noch in der Lage, ihre Arbeit aufrechtzuerhalten. Einnahmen brechen weg, weil Veranstaltungen, Feste und Kurse abgesagt werden, Ausgaben aber bleiben. Wie ist die Situation in Gemmrigheim? Das wollte die Gemeindeverwaltung von den Vereinsvertretern persönlich wissen und hatte deshalb am Mittwochabend zum Austausch in die Kelter eingeladen.

„Jeder Verein ist in irgendeiner Art und Weise von der Coronakrise betroffen, vielleicht sogar in seiner Existenz bedroht“, sagte Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer zu Beginn. Er wollte wissen: „Wie kann die Gemeinde helfen und unterstützen?“ Die rund 20 Vereinsvertreter gaben zunächst ein Stimmungsbild ab. Dabei wurde deutlich: Vor dem finanziellen Ruin steht kein Verein in Gemmrigheim. Die Einschränkungen und Auflagen können die Mitglieder weitgehend nachvollziehen, was ihnen aber fehlt, ist das gesellschaftliche Miteinander und die Gemeinschaft. Auf den Punkt brachte es Volker Schlayer vom Tennisclub. Zwar könne auf den Plätzen wieder gespielt werden, „aber das Leben auf dem Tennisplatz ist erloschen. Wir kommen, spielen und gehen wieder.“ Ralf Schober von den Winzer- und Weinfreunden formulierte es so: „Die Gemeinschaft fehlt saumäßig.“ Viele Vereine mussten in den vergangenen Monaten Veranstaltungen absagen. Die Arbeit ruht teilweise immer noch komplett – wie beispielsweise bei der Kulturinitiative KiG, wo es unter Vorbehalt erst im Advent weitergeht. Oder beim Albverein. Im Juli wolle man entscheiden, wann und wie wieder gestartet werde, sagte Vorsitzender Heiko Herbst. Finanziell habe die Krise den Albverein nicht allzu hart getroffen, da man nicht viele laufende Kosten habe. Abgesagt werden musste aber das Albvereinsfest, die größte Einnahmequelle des Vereins.

Beim VfL sei der Sportbetrieb zum Erliegen gekommen. „Die große Frage war: Wie gehen unsere Mitglieder damit um?“, sagte Vorsitzender Hans-Michael Raiser. Es gab weder Beschwerden noch Austritte, dafür aber viel Zuspruch. Jetzt kehre man langsam zum Trainingsbetrieb zurück. Einen wirtschaftlichen Schaden habe vor allem der Pächter des Vereinsheims zu tragen, der Betrieb dort sei nahezu zum Erliegen gekommen.

Große Einschränkungen gibt es auch noch bei der Feuerwehr, Übungen mussten abgesagt werden, ebenso wie der Präsenzunterricht. „Wir haben den Eindruck, dass im Freizeitbereich mehr erlaubt ist als bei der Feuerwehr“, sagte Kommandant Markus Pleschke. Auch beim Musikverein geht gerade gar nichts, denn das Probelokal ist zu klein. „Wir möchten aber gerne wieder zusammenkommen und gemeinsam musizieren“, erklärte Birgit Seiz. Möglich wäre das beispielsweise in der Festhalle. Ob man diese nutzen könne? Mit einer ähnlichen Bitte war der Gesangverein an die Verwaltung herangetreten, hier soll nun eine Lösung gesucht werden.

Große Einigkeit herrschte darüber, dass die Vereinsmesse und das Fleckenfest im nächsten Jahr stattfinden sollen. Wenn möglicherweise auch noch Einschränkungen nötig seien, so müsse es doch irgendwann auch weitergehen, war der Tenor. Die Messe, bei der sich Vereine und Organisationen aus dem Ort präsentieren können, sei eine Erfolgsstory und ein Alleinstellungsmerkmal für Gemmrigheim. Außerdem sei die Veranstaltung immer eine gute Gelegenheit, um neue Mitglieder zu gewinnen. Geplant ist die Messe am 9. Mai. Überlegt wird noch, von der Festhalle in die Schule oder die Wasenhalle auszuweichen, denn dort gibt es mehr Platz.

Stärker diskutiert wurde über das Fleckenfest, das vor allem im vorigen Jahr nicht ganz so gut besucht war. „Wir haben Nachholbedarf bei dem Fest“, gab auch der Bürgermeister zu. Jetzt sind neue Ideen gefragt, die der Festausschuss Ende des Jahres erarbeiten soll. Stattfinden wird das Fleckenfest am 19. und 20. Juni.

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