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Corona

Die heimlichen Gewinner der Krise

Lange Sportpause kann für verletzte Athleten zum Vorteil werden – Fußballer hoffen auf Comeback noch in dieser Saison

Während für die Fußballprofis Sasa Kalajdzic (Mitte) und Streli Mamba (unten) eine Rückkehr in den nächsten Wochen wahrscheinlich erscheint, muss sich Leichtathlet Felix Franz (oben) noch gedulden. Fotos: Baumann (2)/dpa
Während für die Fußballprofis Sasa Kalajdzic (Mitte) und Streli Mamba (unten) eine Rückkehr in den nächsten Wochen wahrscheinlich erscheint, muss sich Leichtathlet Felix Franz (oben) noch gedulden. Foto: Baumann (2)/dpa
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Ludwigsburg. Olympia auf 2021 verschoben, die Fußball-Bundesliga lange pausiert – der durch die Coronakrise durcheinander gewirbelte Terminkalender stellt etliche Sportler vor große Probleme. Manche profitieren allerdings von der dadurch gewonnen Zeit.

Streli Mamba

Der Angreifer des Fußball-Bundesligisten SC Paderborn, der in der Saison 2014/15 für den SGV Freiberg in der Oberliga spielte, hatte die Saison eigentlich schon abgehakt. Am 23. Spieltag verletzte sich der Deutsch-Kongolese bei der 2:3-Auswärtsniederlage beim FC Bayern München schwer am Oberschenkel. Die Diagnose lautete Teilriss der Bizepssehne im hinteren Oberschenkel. Die Saison schien damit beendet zu sein. Doch seit gut drei Wochen steht der 25-Jährige wieder auf dem Platz, wenn auch zunächst noch mit angezogener Handbremse. „Die Belastung wird schrittweise erhöht“, sagte Mamba zuletzt in einem Interview mit dem Westfalen-Blatt. Ein unverhofftes Comeback noch in dieser Saison scheint nicht ausgeschlossen – auch wenn Mamba selbst noch nicht zu viel versprechen wollte: „Ich stehe noch vor einem sehr weiten Weg.“

Gerade Mamba könnte der SCP in den letzten Spielen der Saison allerdings sehr gut gebrauchen. Fünf Tore und zwei Vorlagen steuerte der pfeilschnelle Angreifer in dieser Saison für die Ostwestfalen bei, die dennoch auf dem letzten Platz der Tabelle stehen. „Wir schaffen den Klassenerhalt, weil wir einfach einen anderen Fußball spielen als die anderen Teams“, war Mamba aber noch im Februar im Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch über das Erreichen des Saisonziels.

Sasa Kalajdzic

2,5 Millionen Euro soll der Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart im Sommer 2019 für Sasa Kalajdzic auf den Tisch gelegt haben. Der zwei Meter lange Mittelstürmer galt als großes Talent, hatte kurz zuvor noch bei der U.21-Europameisterschaft auf sich aufmerksam gemacht. Nach einem Kreuzbandriss in der Vorbereitung hieß es für Kalajdzic allerdings in dieser Saison eher Rehazentrum statt Mercedes-Benz-Arena. So groß die Freude bei vielen VfB-Fans über den Transfer zunächst war, so schnell geriet Kalajdzic in Vergessenheit. Während seine Teamkollegen um den Aufstieg spielten, mühte er sich in der Reha zeitweise auch gemeinsam mit der Ludwigsburger Turnerin Tabea Alt, die im Januar ein Video von sich mit den VfB-Spielern Kalajdzic und Marcin Kaminski auf ihrem Facebook-Account postete.

Nun könnte Kalajdzic doch noch in dieser Saison angreifen und mit den Schwaben um den Aufstieg stürmen. „Vielleicht kann ich der Mannschaft im Saison-Endspurt jetzt doch noch ein bisschen helfen“, sagte er zuletzt in der Süddeutschen Zeitung. Gegenüber der Kronen Zeitung sagte er zudem: „Der sportliche Stillstand macht die Chance auf meine ersten Einsatzminuten in der Liga immer realistischer. Vor ein paar Monaten war das noch undenkbar.“

Felix Franz

„Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich ein wenig über die Verlegung der Olympischen Spiele freut“, sagt Leichtathlet Felix Franz. Der 400-Meter-Hürdenläufer aus Bietigheim-Bissingen hat eine lange Leidenszeit hinter sich und kämpft noch immer um die Rückkehr in den Leistungssport. „Es weiß ja keiner, ob ich jemals zurückkehren kann, aber die Verlegung nimmt mir ein wenig Druck.“ Erst rätselten die Ärzte, woher seine ständigen Krankheitsbeschwerden kommen, dann warum bei der kleinsten Bewegung seine Achillessehne schmerzt. Mittlerweile wurden eine chronische Krankheit sowie Wirbelsäulen-Probleme festgestellt – seit Sommer 2017 hat der mehrfache deutsche Meister keinen Wettkampf mehr bestritten. „Wir arbeiten gerade viel am Rücken und versuchen, die Beweglichkeit zu erhöhen. Joggen geht noch nicht“, sagt der 26-Jährige über seinen Zustand. „Das erste Ziel ist, halbwegs gesund zu sein.“

Bis zum Spätsommer will sich der Sportsoldat Zeit geben, um zu sehen, ob noch Potenzial für Topleistungen vorhanden ist. Sollte es nicht klappen, will Franz sein Praxissemester absolvieren und sein Studium zu Ende bringen. Wie viele Leistungssportler studiert er internationale Betriebswirtschaft an der Fernhochschule Ansbach.

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