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Die Hoffnung auf das Frühjahr ist groß

Mindestens bis zum 10. Januar werden die Gastronomen ihre Betriebe noch geschlossen halten müssen. Viele wollen nicht still sitzen und bieten deshalb weiterhin Essen zum Abholen oder zum Teil auch als Lieferung an. Die Hoffnung ist groß, dass sie bald wieder Gäste im Lokal empfangen können. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Im Januar wird es noch nicht so weit sein. Dazu kommt nun noch die Sorge, was die ab Samstag geltenden Ausgangsbeschränkungen für die Abholung von Essen bedeuten.

Die Stühle werden wohl noch eine Weile ungenutzt bleiben. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Stühle werden wohl noch eine Weile ungenutzt bleiben. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Ab dem heutigen Samstag gelten in ganz Baden-Württemberg Ausgangsbeschränkungen – und zwar den ganzen Tag. Ab 20Uhr werden sie noch verschärft. Was das für die Gastronomie bedeutet, war gestern noch nicht klar. Gilt das Abholen von Speisen als triftiger Grund? Die Verunsicherung ist groß. „Wir bekommen heute ganz viele Nachrichten“, berichtet Florian Fleischmann von Lange am Markt gestern. Er geht davon aus, dass ab 20Uhr kein Essen mehr abgeholt werden darf. „Wir werden wohl die Abholzeiten verkürzen, damit die Gäste pünktlich daheim sind“, so Fleischmann. Genaueres soll jedoch erst heute bei einer Teambesprechung ausgemacht werden. Man rechne jedoch damit, dass die Nachfrage noch weiter sinke. „Wir wollen aber weiter für die da sein, die etwas abholen wollen“, sagt Fleischmann.

Wie lange die Situation für die Gastronomen noch so bleibt, ist schwer zu sagen. Die aktuellen Maßnahmen gelten vorerst bis 10.Januar. Dass er im Januar sein Lokal wieder öffnen darf, das glaubt Peter Sager, Wirt des Restaurants Fuchshof, nicht. „Ich denke nicht, dass wir vor Fasching noch mal öffnen dürfen“, so Sager. Er vermutet, dass auf jeden Fall verhindert werden soll, dass an Fasching große Feiern stattfinden. Ende Februar, Anfang März sei ein Zeitpunkt, zu der er sich eine Öffnung wieder vorstellen kann.

„Es werden noch harte Monate auf die Gastronomie zukommen“, sagt Frank Seidel von Seidels Salatbar. Er glaubt, dass im Januar wieder ein härterer Lockdown kommt, bei dem auch der Einzelhandel wieder schließen muss. Das Gespräch wurde vor den neuen Ankündigungen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann geführt. Inzwischen ist ein bundesweiter Lockdown nach Weihnachten im Gespräch.

Die Hoffnung aber sei, so Seidel, dass im März wieder alles besser werden würde, wenn die Gäste nach draußen sitzen können. Ähnlich sieht das auch Florian Fleischmann. „Bis März sind wir auf jeden Fall gesichert“, sagt er. Dann hoffe er, dass man zumindest wieder außen großflächig bewirten kann. Sollte die Schließung noch länger dauern, macht er sich vor allem Sorgen um die jungen Mitarbeiter. Seine drei Auszubildenden erzählen, dass einige Ausbildungskollegen in anderen Betrieben schon rausgeschmissen wurden. Bei Lange am Markt werden sie trotz der Krise aktuell noch weiter beschäftigt und voll bezahlt.

Gedanken um den Nachwuchs machen sich nicht nur Ludwigsburger Gastronomen. Auch in den Nachbarkommunen sorgt man sich um die Auszubildenden. Etwa in den Schwabenstuben in Freiberg. „Wenn Auszubildende in Kurzarbeit geschickt werden, verlängert sich ihre Ausbildung“, sagt Pia Neuberth. Das gelte es zu verhindern. Den Arbeitsplatz der Mitarbeiter zu sichern, das war für sie und ihren Mann, die zusammen das Restaurant am Freiberger Marktplatz führen, ein Grund dafür, Essen zur Abholung anzubieten und zu liefern. „Wir wollen nicht das Unternehmen sein, das nur auf die staatliche Förderung hofft“, sagt Neuberth. Außerdem wolle man durch verschiedenste Angebote bei den Gästen im Gedächtnis bleiben.

Die Schwabenstuben liefern ihre Gerichte, bieten sie aber auch zum Abholen an. Die Abholung werde eher angenommen als die Lieferung, berichtet Pia Neuberth. Zusätzlich zu verschiedenen Gerichten gibt es auch Beilagen im Weckglas oder einvakuumiert. Das Essen muss dann nur noch warm gemacht werden. „Vor allem ältere Kunden nehmen das mit, wenn sie ihr warmes Mittagessen abholen“, so Neuberth. Für Weihnachten hat sich das Team der Schwabenstuben Menüs überlegt, die „zu 95Prozent fertig sind“. Für das Weihnachtsessen fehlen dann nur noch wenige Schritte, die auf einer Anleitung erklärt werden. Essen zum Abholen bieten die Neuberths schon immer an. Aber erst jetzt werde das Angebot auch angenommen.

Schon seit dem ersten Tag liefert das Restaurant Fuchshof. „Das wird jetzt sehr gut angenommen“, sagt Peter Sager. Vor allem abends werde die Lieferung bevorzugt. Das Mittagessen hingegen werde eher abgeholt. Doch wegen der Schließung fehle der Umsatz mit den Getränken. „Im Moment arbeiten wir, damit wir nicht ins Minus kommen“, so Sager. Das gelinge einigermaßen. Es sei ihnen wichtig, dass weiterhin Kontakt mit den Gästen bestehe und das Restaurant nicht stillsteht. „Wir wollen die Küchenmitarbeiter weiter beschäftigen“, sagt er.

Vesna Simunovic hingegen arbeitet in seinem Restaurant Lembergblick in Poppenweiler derzeit alleine mit seiner Frau. „Ich komme klar“, sagt er. Vorausgesetzt, die Hilfen vom Staat kommen bald. Er verstehe, dass die Maßnahmen nötig sind, aber trotzdem treffe das Verbot die Gastronomen schwer. „Man muss gerade jeden Monat drauflegen“, sagt Simunovic. Bei ihm gibt es Essen zum Abholen. Es seien vor allem seine Stammkunden, die dieses Angebot annehmen.

„Man merkt, dass immer weniger Gäste das Essen abholen“, sagt Florian Fleischmann. Bei Lange am Markt hat man darauf bereits reagiert und die Öffnungszeiten verkürzt. Eine andere Beobachtung hat Frank Seidel gemacht: Er vermutet, viele haben sich inzwischen daran gewöhnt, ihr Essen abzuholen. „Es kommen mehr als im Frühjahr“, sagt er. Solange die Läden noch geöffnet sind, sei das gut. Auch würden viele Mitarbeiter von den umliegenden Büros und Geschäften vorbeikommen, um sich ihr Mittagessen zu holen. „Trotzdem, wir haben zu kämpfen.“

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