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„Die Identifikation ist in Besigheim höher“

Die Aussage ist klar: „Markgröningen könnte am Beispiel Besigheim lernen.“ Das sagt Cori Knoll – und die Wahl-Berlinerin sollte es wissen, schließlich hat sie die beiden Kommunen hinsichtlich des Innenstadtmarketings wissenschaftlich verglichen.

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„Innenstadtmarketing ist weit mehr als attraktiver Einzelhandel – aber auch der ist wichtig. “Cori Knoll, Marketingexpertin

Ludwigsburg. Cori Knoll ist in Markgröningen aufgewachsen. Sie kennt die Geschäfte, den Schäferlauf und natürlich die historische Innenstadt, die vor allem für Touristen ein beliebtes Fotomotiv darstellt. „Sie ist sehr bezeichnend für Markgröningen“, sagt Knoll. Auch Besigheim punktet mit seinem altertümlichen Stadtkern. Das ist eine von mehreren Gemeinsamkeiten – aber eine, auf die die damalige Studentin Wert gelegt hat, als sie eine Kommune suchte, die sich mit Markgröningen vergleichen lässt.

 

Nachdem Cori Knoll für ihre Arbeit „Untersuchung zum Innenstadtmarketing am Beispiel der Städte Besigheim und Markgröningen“ in beiden Kommunen viele Interviews geführt und sich vor Ort umgesehen hat, kommt sie nun zu dem Schluss, dass Besigheim beim Innenstadtmarketing besser abschneidet. Zwar habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in beiden Städten einiges getan, bei beiden seien Dienstleistung und Marketing der Schlüssel zum Erfolg für eine gut besuchte Innenstadt. Doch es gebe signifikante Unterschiede, die Knolls Meinung nach für Besigheim sprechen.

 

Da wäre zum einen der Aspekt „Marketing als Denkhaltung“: Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler, den Knoll als Beispiel aufführt, wisse, was Marketing bedeute, vieles werde aus Sicht eines BWLer betrachtet und angegangen. In Besigheim sei am positiven Image gearbeitet worden, jeder Akteur sei begeistert von seiner Stadt. Bei Stadtverwaltung und den Mitgliedern von BdS und MCB (siehe Zweittext) wären die Alleinstellungsmerkmale – wie etwa „Deutschlands schönster Weinort“ und Erholungsort – bekannt. Und diese zu finden und zu nutzen, sei ein wesentlicher Punkt für den Erfolg. Markgröningen habe nur den Schäferlauf als Alleinstellungsmerkmal „und das wird 361 Tage im Jahr nicht genutzt“. Der Sänger Philipp Poisel, der in Markgröningen aufgewachsen ist, wäre ein gutes Zugpferd, um gerade junge Leute als Zielgruppe zu gewinnen.

 

Apropos junge Leute: Eine Zielgruppe, die in beiden Orten nicht erschlossen würde, seien die Schüler. „In beiden Städten gibt es viele Schüler, das wäre eine große Zielgruppe, auch mit Blick auf die Zukunft.“ Generell empfehle es sich, Zielgruppen jeglichen Alters zu befragen.

 

Es sei zudem gut, ein Leitbild im Konsens mit den Bürgern zu erstellen und so die Ziele für die Entwicklung festzulegen. Während Besigheim das mit professioneller Hilfe erarbeitet hat, sei es in Markgröningen nicht weiter verfolgt worden. In Besigheim kümmert sich vor allem der Stadtleitbildbeauftragte um die Umsetzung, es herrsche eine enge Zusammenarbeit mit anderen Verantwortlichen. „In Besigheim engagieren sich viele ehrenamtlich. Das hat mich tief beeindruckt“, erklärt Knoll im Gespräch mit unserer Zeitung. Jeder sei mit Herzblut dabei, die Akteure wohnten und arbeiteten in Besigheim. Und bezogen auf die Stadt bedeutet das: „Die Identifikation ist höher.“ In Markgröningen wohnten die Hauptakteure des Innenstadtmarketings der Stadtverwaltung – bis auf eine Ausnahme – nicht im Ort; „sie erleben die Stadt nie aus privater Freizeitperspektive“. Aber natürlich sei auch dort das Engagement groß.

 

Es sei schwer gewesen, herauszufinden, was Besigheim besser machen könnte. Vielmehr „kann man es fast als Maßstab dafür nehmen, wie es laufen sollte“. In Markgröningen gibt es einen Wirtschaftsförderer, für Besigheim regt Knoll an, einen Stelle fürs Innenstadt-marketing zu schaffen. Eine hauptamtliche Stelle? Bürgermeister Bühler winkt ab: „Ich denke, dafür sind wir zu klein.“ Ein Dauerbrenner in Besigheim sind die Öffnungszeiten der Geschäfte. Diese sind dort laut Knoll „total asynchron“, in Markgröningen hingegen einigermaßen synchron. Die Geschäfte allerdings sind nicht zwingend ausschlaggebend für den Erfolg einer Stadt: „Innenstadtmarketing ist weit mehr als attraktiver Einzelhandel – aber auch der ist wichtig.“

 

Zwar lasse sich das, was in einer Stadt funktioniere, nicht zwangsläufig auf eine andere Stadt übertragen. Aber generell gilt: Marketing müsse verstanden werden als ständiger, sich selbst reflektierender Prozess, der mit analytischem Blick auch Trends erfasse und den Mut habe, mit eigenem Potenzial kreativ umzugehen.

 

Cori Knoll schreibt im Fazit ihrer Bachelorarbeit: „Der Mensch ist ein soziales Wesen, er will alle Sinne einsetzen und sozial interagieren. Wenn eine Innenstadt ein positives, sich erfüllendes Image hat, mit allen Sinnen erlebbar ist und überraschend zugleich die Neugier befriedigt, dann wird diese immer Menschen anziehen.“