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„Die letzten Monate waren sehr hart“: Freiberger Schulleiter berichtet über das Modell „Lernen mit Rückenwind“ in Corona-Zeiten

Mit dem Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ sollen Schüler mit coronabedingtem Förderbedarf gezielt Unterstützung erhalten. Der Mehraufwand für die Schulen ist immens. Foto: picture alliance/dpa
Mit dem Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ sollen Schüler mit coronabedingtem Förderbedarf gezielt Unterstützung erhalten. Der Mehraufwand für die Schulen ist immens. Foto: picture alliance/dpa
„Lernen mit Rückenwind“ heißt das Programm, welches das Land auf die Beine gestellt hat, um seit den Herbstferien coronabedingte Lernlücken bei Schülern zu schließen. Ob es tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt, lässt sich laut René Coels, Leiter der Oscar-Paret-Schule in Freiberg, „erst in den kommenden Monaten beurteilen“.

Freiberg. Das auf zwei Jahre angelegte Förderprogramm baut auf die externe Unterstützung von beispielsweise arbeitslosen oder pensionierten Lehrkräften, Sozialpädagogen und Lehramtsstudierenden. Die Unterstützung der Schüler, deren Förderbedarf in den Wochen nach den Sommerferien von den Schülern ermittelt wurde, ist während, aber auch außerhalb des Unterrichts in kleinen Gruppen möglich. Auch Bildungsgutscheine können Schüler etwa bei professionellen Anbietern von Nachhilfe anbieten.

In den vergangenen drei Monaten haben die Verantwortlichen der Freiberger Oscar-Paret-Schule (OPS) laut Auskunft von Schulleiter René Coels für jede Schulart passende Konzepte entwickelt, abgestimmt und zu Beginn des Schuljahres in allen Klassenstufen einen besonderen Fokus auf die Diagnose von Defiziten gelegt. Anschließend wurden Schreiben an die Eltern versandt, die eine Empfehlung für die Teilnahme ihres Kindes am Förderprogramm enthielten. Etwa die Hälfte hat das Angebot angenommen. Somit werden insgesamt 524 Schüler – Gymnasium: 199, Gemeinschaftsschule: 158, und Realschule: 167 Schüler – mit Förderangeboten versorgt.

Bei der Umsetzung von „Rückenwind“ gibt es laut dem Schulleiter viele Spielräume. So kann beispielsweise ein Teil des Schulbudgets für Sachmittel eingesetzt werden, die einen direkten Mehrwert bringen. Der Großteil des Budgets ist für pädagogische Hilfskräfte, Kooperationspartner oder Bildungsgutscheine vorgesehen. „Wir haben uns für den Fokus auf die pädagogischen Hilfskräfte entschieden, welche unsere Lehrkräfte bei der Umsetzung der Fördermaßnahmen unterstützen sollen“, so Coels. Dabei hat die OPS ausschließlich auf Lehramtsstudierende der Fächer Deutsch, Mathe und Englisch gesetzt. Mit zehn Studierenden wurden Verträge abgeschlossen – zwei bis zum Schuljahresende, acht bis März/April. Das Problem: Die Stundenpläne der Studierenden müssen mit denen der Schule in Einklang gebracht werden. „Dies muss leider regelmäßig neu erfolgen, da die Semester der Hochschulen nicht mit denen der Schulen übereinstimmen“, bedauert Coels.

„Auch wenn wir schon im frühen Oktober mit möglichen Unterstützungskräften von ‚Rückenwind‘ Abstimmungen vorgenommen haben, konnte die erste Kraft erst am 23. November bei uns beginnen, da vorher noch keine Verträge mit den Hilfskräften vorlagen“, sagt René Coels. Durch schuleigene Programme sei es allerdings möglich gewesen, schon im Oktober mit der Förderung loszulegen.

Mehrbelastung im Kollegium

Probleme, geeignetes Personal zu finden, hatte er unterdessen nicht. Es gebe genug Partner und Hilfskräfte, um diese für die Schulen zu buchen. Zudem sei es auch möglich, Bestandslehrkräfte, die Zusatzangebote machen, über das Förderprogramm zu vergüten. „Diese Option wäre für die Schülerinnen und Schüler besonders gewinnbringend, jedoch ist es in der Praxis kaum möglich, da die meisten Lehrerinnen und Lehrer ohnehin schon an der Belastungsgrenze arbeiten und es weiterhin an der Personalversorgung mangelt“, sagt der Schulleiter der OPS.

Wie in anderen Schulen hat „Rückenwind“ auch in der OPS für eine Mehrbelastung im Kollegium gesorgt. So mussten insbesondere Konzepte erarbeitet, Diagnosen durchgeführt, Angebote umgesetzt und die neuen Hilfskräfte angeleitet und betreut werden. „Die letzten Monate waren sehr hart“, erinnert sich Coels. Es sei zudem anfangs nicht schön gewesen, zu planen, ohne zu wissen, ob die investierte Zeit auch vergütet wird. Doch mittlerweile hat die Landesregierung entschieden, dass es Anrechnungsstunden gibt. Somit stelle das Förderprogramm auch für die teilnehmenden Schulen eine Unterstützung dar. Unterm Strich kann René Coels dem Förderprogramm durchaus Gutes abgewinnen: „Wir erhoffen uns eine langfristige Unterstützung der Schülerinnen und Schüler und eine positive Wirkung auf deren Lern- und Sozialverhalten.“