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Porzellan

Die letzten Schätze stehen zum Verkauf bereit

Am 31. Dezember 2015 war Schluss: Die 257 Jahre alte Porzellanmanufaktur Ludwigsburg beendete ihren Betrieb und schloss die Türen. Zum Schlosserlebnistag am Sonntag, 16. Juni, öffnen sich diese Türen erneut einen Spalt: Mehr als 8000 Stücke aus dem Bestand stehen zum Verkauf.

Harald Schweizer und Esther Fries im Lager der Weißware.
Harald Schweizer und Esther Fries im Lager der Weißware.

Die Bodengittervase mit historischer Vogelmalerei und Landschaft ist mit 4800 Euro das teuerste Stück in den Lagerräumen des Theaterbaus im Residenzschloss. Und doch ist sie heute ein echtes Schnäppchen. Sie stammt aus einer Serie von exklusiven Sonderanfertigungen für eine japanische Kaufhauskette und wurde einst für annähernd 10.000 Euro verkauft. Doch die Zeiten der exklusiven Produktionen sind längst vorbei, den Traditionsbetrieb gibt es nicht mehr. Dass hochwertiges Porzellan heute weniger gefragt ist – auch einer der Gründe für das Aus des Traditionsbetriebs.

„Die Leute stöbern gerne. Das ist hier wie eine Schatzkiste.“

Esther Fries
Mitarbeiterin der Schlossverwaltung

Die Liebhaber der hochwertigen Stücke aus der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur allerdings haben die stürmischen Zeiten überdauert. Immer wieder landen bei Esther Fries in der Schlossverwaltung Anfragen. „Manche fragen nach kompletten Kaffeeservicen“, sagt Fries. „Das haben wir nicht mehr.“ Viele Sonderwünsche jedoch konnten in der Vergangenheit noch erfüllt werden. Und hinter den Anfragen stecken viele Geschichten. Vor vielen Jahren habe ihr Mann ihr eine bemalte Vase aus Ludwigsburger Porzellan von einer Geschäftsreise mitgebracht, berichtete eine Dame aus Norddeutschland und wünscht sich viele Jahre später ein kleineres Pendant dieser Vase in Rosétönen.

Anfragen wie diese landen bei Harald Schweizer auf dem Tisch. Schweizer hat 38 Jahre lang in der Manufaktur gearbeitet und kann viele Geschichten erzählen. Er war der letzte Ludwigsburger Porzellanmaler, aber nicht nur das. Während das Insolvenzverfahren lief, war er nicht nur für Dekore zuständig, sondern auch für die Vergoldung, den Ofen, das Montieren verschiedener Elemente, den Verkauf und das Verpacken der Stücke. Harald Schweizer nimmt es mit Humor. „Damals konnte ich viel Erfahrung für meine Selbstständigkeit sammeln.“ Heute nimmt er Aufträge an, wie den Wunsch nach einer Vase mit roséfarbenem Dekor. Der Porzellanmaler richtet sich ganz nach den Wünschen der Kunden. Er schreibt Heiratsanträge auf Frühstücksteller aus edlem Porzellan oder malt dem begeisterten Hobbyflieger die geliebte Cessna auf die Manschettenknöpfe.

Die Restbestände in den Lagerräumen im Schloss sind überwiegend unbemalt. Am Sonntag dürfen sich Porellanliebhaber und Neugierige nach Voranmeldung im Lager umsehen. „Das ist hier wie eine Schatzkiste“, sagt Esther Fries. Es gibt bereits Artikel für wenige Euro: Fingerhüte, Brieföffner, Pillendosen und Visitenkartenhalter bieten sich für den kleinen Geldbeutel an.

Wer beispielsweise einen Deckel für eine Zuckerdose mit Flechtrand oder Schuppenmuster nachkaufen will, hat gute Chancen, fündig zu werden.

Es gibt auch noch ein paar echte Raritäten: Teedosen aus Ludwigsburger Porzellan gehören sicherlich dazu, ebenso wie die Urnen-Deckelvase oder die Schildkrötendose nach einem Design von Diane von Württemberg. Ob es auch Käufer für die unvollendeten Werke gibt? Die Kakaokanne gehört dazu. Dem ungewöhnlichen Stück fehlt sowohl der Holzgriff als auch der integrierte Messingquirl. Es sind eben Restbestände – und nicht alles ist fertig geworden, bevor sich die Türen 2015 geschlossen haben.

Info: Beim Schlosserlebnistag am Sonntag, 16. Juni, wird das Lager der ehemaligen Porzellanmanufaktur wieder geöffnet. Sammler und Porzellanfans können sich umschauen und einkaufen. Eine Anmeldung unter der Telefonnummer (0.71.41) 18.64.00 ist erforderlich.

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