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„Die Menschen sind am Ende“

Tanja Monteiro aus Asperg über die Coronapandemie in der Wahlheimat Portugal

Volle Krankenhäuser, erschöpfte Pfleger und zahlreiche Tote: In Lissabon transportieren Mitarbeiter des Curry-Cabral-Hospitals einen Covid19-Patienten auf einer Trage..Foto: Pedro Fiuza/dpa
Volle Krankenhäuser, erschöpfte Pfleger und zahlreiche Tote: In Lissabon transportieren Mitarbeiter des Curry-Cabral-Hospitals einen Covid19-Patienten auf einer Trage.. Foto: Pedro Fiuza/dpa

Ludwigsburg. „Ich kann diese erschreckende Situation nur bestätigen.“ Tanja Monteiro ist dem LKZ-Aufruf gefolgt, ihre Erfahrungen im Ausland zu schildern. Ursprünglich aus Asperg, lebt sie seit 25 Jahren im Norden Portugals. Einer ihrer Söhne arbeitet in der Notrufzentrale Inem, der Koordinierungsstelle für den Rettungsdienst (Instituto Nacional de Emergência Médica) und bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Heißt, er ist vorne mit dabei“, er habe selbst eine Covid-Infektion überstanden.

„Die Bilder, die man im TV sieht, werden dieser dramatischen Situation nicht gerecht, es ist noch viel schlimmer“, sagt Tanja Monteiro, „Anrufe bei den Gesundheitszentren und Notarzt kommen im Sekundentakt. Die Verzweiflung der Erkrankten, Einsatzkräfte, der Koordinatorin, Ärzte und Krankenschwestern hat ein Maß erreicht, das Übermenschliches von ihnen verlangt. Diese Menschen sind am Ende.“

Andere Erkrankte mit Herzinfarkt oder Krebs hätten keinen Platz mehr in den Kliniken. „Man nennt das wohl Kollateralschaden.“ Auffallend findet sie, dass viele Touristen weiter ihren Urlaub in Portugal verbringen wollen „und äußerst unsensibel agieren. Es fehlt der Respekt.“ Auch die Politik tue sich schwer.

Natürlich stehe auch die Wirtschaft, Bildung und Kultur auf dem Spiel, aber das rechtfertige nicht den Verlust von Menschenleben. „Es blutet mir das Herz. Aber es zeigt uns, dass man umdenken muss, dass man so etwas nur zusammen bewältigen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen“, sagt sie und schickt Aufmunterndes. „Wie sagt der Portugiese? Temos fé (Wir glauben daran).“ (red)