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Die offene Ganztagsschule als Chance

Zwei oder drei Grundschulen? Offene oder gebundene Ganztagsschule? Darüber entscheiden die Freiberger am 26. September. Am Mittwochabend informierten Verwaltung und Schulleitungen in einer digitalen Veranstaltung über die Möglichkeiten der Grundschulentwicklung. Doch das Interesse war verschwindend gering.

Am Standort Kasteneck werden zwei Freiberger Schulen zusammengeführt. Foto: Holm Wolschendorf
Am Standort Kasteneck werden zwei Freiberger Schulen zusammengeführt. Foto: Holm Wolschendorf
Die Freiberger sollen darüber entscheiden, ob die Flattichschule (rechts) und die Kasteneckschule (links) zusammengeführt werden. Die Grünlandschule bleibt auf alle Fälle erhalten. Archivfotos: Holm Wolschendorf
Die Freiberger sollen darüber entscheiden, ob die Flattichschule (rechts) und die Kasteneckschule (links) zusammengeführt werden. Die Grünlandschule bleibt auf alle Fälle erhalten. Foto: Holm Wolschendorf
Die Bürger haben entschieden: Die Flattichschule (Mitte) wird in die Kasteneckschule (links) integriert. Der Standort in Beihingen wird aufgegeben. Erhalten bleibt dagegen die Grünlandschule. Archivfotos: Holm Wolschendorf
Die Bürger haben entschieden: Die Flattichschule (Mitte) wird in die Kasteneckschule (links) integriert. Der Standort in Beihingen wird aufgegeben. Erhalten bleibt dagegen die Grünlandschule. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. „Es ist ein Thema, bei dem man spürt, dass die Diskussion Fahrt aufnimmt“, sagte Bürgermeister Dirk Schaible in seiner Begrüßung. Das mag auf die Stimmung in der Stadt zutreffen, doch nicht auf die Begeisterung an der Infoveranstaltung. Lediglich 21 Teilnehmer hatten sich der digitalen Konferenz zugeschaltet. Zieht man die Mitarbeiter der Verwaltung und Schulleiter sowie Moderatorin und technische Unterstützung ab, waren es gerade mal elf Interessenten, die sich über das Thema informieren wollten. Dabei hat die Stadtverwaltung absichtlich dieses Format gewählt und sich gegen eine Veranstaltung im Prisma entschieden. Laut dem Verwaltungschef wollte man in Sachen Corona auf Nummer sicher gehen. „Außerdem können wir mit einer digitalen Veranstaltung auch die Leute erreichen, die bereits im Urlaub sind“, sagte Schaible auf Anfrage unserer Zeitung.

Regina Göhringer von der Stabstelle Stadtplanung informierte über die Ganztagsschule und wie sie an zwei oder drei Standorten umzusetzen wäre. Dabei machte sie deutlich, dass die Ganztagsschule beim Erhalt aller drei Grundschulen nur an einem Standort – idealerweise am Kasteneck – realisierbar wäre, weil es dort die nötigen Flächen gibt. Die Schule wäre dann zweizügig, das Ganztagsangebot wäre für alle Schüler dort verbindlich. Denn: Aus organisatorischen Gründen kann es an einer zweizügigen Schule nicht parallel Ganztags- und Halbtagsangebote geben. Die Schulbezirke würden aufgehoben, damit die Schüler, die ein Halbtagsangebot wahrnehmen möchten, zur Flattichschule oder zur Grünlandschule wechseln können.

Durch eine Zusammenlegung von Flattich- und Kasteneckschule würde laut Göhringer am Standort Kasteneck eine vierzügige Grundschule entstehen, in der sowohl eine kostenfreie Ganztagsschule als auch eine Halbtagsschule eingeführt werden könne. Die Eltern könnten für ihre Kinder frei wählen und innerhalb der Grundschulzeit auch die Schulform wechseln. In der Gründlandschule würde es ein Halbtagsangebot geben; die Schulbezirke würden bei dieser Variante auch aufgelöst werden.

An der Ganztagsschule führt in Freiberg kein Weg vorbei, da sich bereits 2019 in einer Umfrage 65 Prozent der Eltern dafür ausgesprochen haben. Zudem, so Regina Göhringer, übersteige bereits im Kitabereich die Nachfrage nach ganztägiger Betreuung das Angebot. Legt man eine 1,2-Kilometer-Grenze zugrunde, könnten über 90 Prozent der Kinder die beiden Schulen zu Fuß erreichen. Für die Schüler, die weiter weg wohnen, könne eine Anbindung per Schulbus angeboten werden. An beiden Schulen werde es überdies Betreuungsangebote über den Ganztag hinaus geben. Um der Verkehrsprobleme am Kasteneck Herr zu werden, werde derzeit ein Verkehrskonzept erarbeitet, das beide Varianten – zwei oder drei Grundschulen – im Auge behält.

Folkert Schröder, Leiter der Flattichschule, bat die Freiberger, ihre Entscheidung „aus sachlichen Gründen und nicht aus der Emotion heraus“ zu treffen. Mittlerweile würden nicht mehr die Argumente einer Lebenswelt von vor 20 Jahren gelten. Die Bedingungen der Eltern und die sozialen Bedürfnisse der Kinder hätten sich geändert. Ein Schulgebäude der Zukunft müsse daher offen aufgebaut sein, mehr Fachräume und mehr Zusatzflächen haben. „Mit der Entscheidung für die Zahl der Schulstandorte entscheiden sie auch für die qualitative Weichenstellung bezüglich des Ganztags in den Schulen in Freiberg“, sagte Schröder.

Seine Kollegin Ute Matt, Leiterin der Kasteneckschule, brachte ihren Ärger über ein Flugblatt zum Ausdruck, das in Freiberg verteilt wurde, und worin für „kleine Schulen – kleine Klassen“ geworben wird. Für Schulklassen gebe es allerdings einen Klassenteiler. Wie groß die Klassen sind, hänge auch von der Zuweisung der Lehrer ab. „In dem Flugblatt steht nicht viel Wahres drin“, sagte sie. Matt hob die positiven Aspekte der offenen Ganztagsschule hervor und dass sie in Freiberg am besten in einer großen vierzügigen Schule umsetzbar sei.

„Es geht um einen sinnvollen Ganztag in einer größeren Einheit“, sagte Ulrike Rampmaier-Auer, Rektorin der Grünlandschule. Das Konzept des Landes sei nicht für kleine Schulen geeignet. Bei einer Zusammenlegung der Flattichschule mit der Kasteneckschule würden die Grünlandschüler nachmittags auch weiterhin gut betreut werden – von kommunaler Seite, aber auch durch Kooperationen mit Vereinen und der Jugendmusikschule.

Der geschäftsführende Schulleiter René Coels hob hervor, dass der Bedarf an Ganztagsangeboten „in Freiberg nicht wegzuwischen“ sei. Die Option, zwischen einem Halbtags- sowie einem Ganztagsangebot wählen zu können, dürfe man den Freibergern nicht wegnehmen. Wer glaube, dass in einer zweizügigen Schule zugleich Halbtag und Ganztag möglich ist, sei auf dem Irrweg.

Bürgermeister Dirk Schaible warb für den Urnengang, mit dem eine wegweisende Entscheidung verbunden sei. „Es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir in Freiberg keine Ganztagsschule anbieten könnten“, sagte er.

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