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Die Postkartenansicht bröckelt

Man muss wahrlich kein Bauexperte sein, um zu erkennen, dass die Fassade des Rathauses bröckelt, wenn auch (noch) nicht ausbricht. Für das Rathaus ist deshalb eine Planungssumme von 30000 Euro vorgesehen. Ein Gutachter soll klären, was dringend notwendig ist. Parallel dazu läuft ein Gutachten zur Organisationsstruktur.

Auf den ersten Blick sieht das Rathaus ordentlich aus, schaut man genau hin, erblickt man größere Schäden. Fotos: Ramona Theiss
Auf den ersten Blick sieht das Rathaus ordentlich aus, schaut man genau hin, erblickt man größere Schäden. Foto: Ramona Theiss
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Steinheim. Besonders augenfällig sind die Schäden von der Badtorgasse aus gesehen: Die Fensterläden hängen schief, die Farbe blättert ab. Das Tor unterhalb des Treppenaufgangs, hinter dem sich die Mülleimer verstecken, hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Aber auch der Blick auf das Fachwerk neben dem Eingang und auf die Fenster verheißt nichts Gutes: Holzbalken sind morsch und haben bereits Löcher, von den Fensterrahmen blättert nicht nur die Farbe ab. Der Putz der Gefache beginnt zu bröckeln. „Das ist bestimmt nicht die Schokoladenseite des Gebäudes“, gibt Winterhalter auf Nachfrage der LKZ zu.

Aber auch die Situation an der Marktstraße ist nicht viel besser. Alleine schon dadurch, dass sich das Rathaus über drei Gebäude erstreckt. Im Erdgeschoss Marktstraße 29 ist der Polizeiposten beheimatet, im anschließenden Haus Nr. 27 ist im Obergeschoss rechts der Personalraum, der bis auf die technischen Geräte ebenfalls in den 80er-Jahren stehen geblieben ist. Der Raum links im Gebäude ist ungenutzt.

Das Foyer besticht zwar mit Puppenstuben-Charme, wie es Winterhalter bezeichnet, modern und einladend ist aber etwas anderes. Die Türrahmen sind angemackt, die Farbe verblasst und etwas schäbig, auch an den Türen selbst blättert teilweise Holz ab. Natürlich hat die Verwaltung immer ein Auge darauf, dass nichts von den Wänden fällt, auch eine neue Brandmeldeanlage und Brandschutztüren wurden eingebaut, was aber nichts daran ändert, dass die letzte Renovierung 1989 war – wie auch ein schmiedeeisernes Gebilde am Treppenaufgang verdeutlicht. Die Fenster sind lediglich doppelverglast – „energetisch der Supergau“, so Winterhalter. Zwar zieht es nicht durch, die Heizung muss im Winter aber dennoch ordentlich böllern und im Sommer ist es dank fehlender Klimaanlage drückend heiß.

Barrierefreiheit ist schier unmöglich: Da drei Gebäude zusammengebaut sind, gibt es unterschiedliche Höhenniveaus und damit immer wieder Stufen. Es gibt kein gemeinsames Treppenhaus, wo ein Aufzug installiert werden könnte. Ein Einbau wäre mit hohen Kosten verbunden.

Erschwerend hinzu kommt, dass das Rathaus aus dem Jahr 1530 mit Fachwerk von 1686 unter Denkmalschutz steht. „Aber es ist halt nicht nur das Postkartenmotiv“, so Winterhalter. Wenn er bedenkt, dass die Sanierung des Pleidelsheimer Rathauses rund sieben Millionen Euro gekostet hat, wird ihm Angst und bange, ob der Kosten. Deshalb soll ein Gutachter sich das Gebäude anschauen, wo dringend Handlungsbedarf besteht oder wo es vielleicht mit etwas Schönheitskur getan ist.

Parallel stellt sich dabei die Frage, wie die Stadtverwaltung sich in Zukunft aufstellt, wie Arbeitsplätze aussehen müssen, wie die Verwaltung organisiert wird. Im Rathaus selbst gibt es keinen einzigen freien Schreibtisch mehr, auch aus diesem Grund ist das Bürgerbüro mit Ordnungsamt in die Ludwigsburger Straße 2 gezogen. Die Digitalisierung steckt noch in den Kinderschuhen, immerhin ist in Zeiten von Corona ein Teilen des Arbeitsplatzes und flexible Arbeitszeiten von 6 bis 21 Uhr möglich. Die Aufgaben einer Verwaltung werden aber nicht weniger, sondern eher mehr und komplexer, merkt Winterhalter an. Deshalb müsse man sich Gedanken machen, wie es mit dem Rathaus weitergehe. Eine Sanierung während des laufenden Betriebs sei wahrscheinlich nicht möglich. Darüber müsse sich die Verwaltung, aber auch der Gemeinderat Gedanken machen. Auch was mit den Flächen am Marktplatz passieren soll. Immerhin gehören der Stadt die Gebäude rund um den Marktbrunnen (von der Bäckerei, über die Eisdiele bis hin zum Gebäude Badtorstraße 2 und 4, wo derzeit das Röstkaffee untergebracht ist). Derzeit befinden sich in den Gebäuden Wohnungen oder private Büros.

„Zur Stadtentwicklung, wie sie der Gemeinderat möchte, gehört auch eine leistungsfähige Verwaltung“, sagt Winterhalter. Um für Arbeitnehmer attraktiv zu bleiben, brauche es einen gewissen Standard – bei gleichem Gehalt kann dies eben auch auch das klimatisierte Büro ausmachen. Noch gebe es aber keine Gedankenspiele, wie es weitergehen solle.

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