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Die Praxis beweist: Der Kreisel auf der Sternkreuzung funktioniert

Noch ist die Stern-Kreuzung eine Baustelle. Wenn diese beendet ist, startet die Testphase für einen Kreisverkehr. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Noch ist die Stern-Kreuzung eine Baustelle. Wenn diese beendet ist, startet die Testphase für einen Kreisverkehr. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Noch gleicht der Kreisverkehr auf der Sternkreuzung einem verunglückten Osterei, doch zum Jahreswechsel soll es hier richtig rund gehen. Zunächst als Testlauf, aber mit der festen Absicht, den Kreisel zu etablieren. Dabei hieß es lange, dass das ein Ding der Unmöglichkeit sei.

Ludwigsburg. Es ging nicht um eine Abstimmung, als am Donnerstagabend im Ausschuss für Mobilität und Umwelt der Kreisverkehr auf der Sternkreuzung auf Punkt eins der Tagesordnung stand. Und doch wurde so intensiv diskutiert, als ginge es um weitaus mehr als um eine Kreuzung. Wobei die Sternkreuzung nicht irgendeine Kreuzung in Ludwigsburg ist. Es ist der zentrale Knotenpunkt, die Drehscheibe von Nord nach Süd, von Ost nach West. Die Schlangenskulptur ist in ihrer Mitte platzier wie ein Dartpfeil in der Mitte einer Wurfscheibe.

Kein Wunder also, dass das Interesse am Werkstattbericht von Matthias Knobloch groß war. Der Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität stellte die Planungen vor, mit denen die Stadtverwaltung in einen echten Test-Betrieb gehen möchte.

Versuchsphase soll sechs Monate lang dauern

Noch ist die Kreuzung eine einzige Baustelle. Der Deckel des darunter liegenden Tunnels wird saniert. Der Verkehr eiert schon seit Monaten um die Schlange herum, und das weitaus besser, als gedacht. Dabei hatten Gutachter schon vor Jahren einem Kreisel an dieser Stelle eine Absage erteilt. Doch die Praxis zeigt, dass es funktioniert. Stadtverwaltung und Gemeinderäte sind sich einig: Sie wollen jetzt den Kreisverkehr. Und damit haben sie großen Rückhalt in weiten Teilen der Bevölkerung. Selten ist man sich bei einem Thema so einig.

Sechs Monate lang soll die Versuchsphase dauern, in der der Kreisel im Echtbetrieb läuft, so Knobloch. Im Sommer nächsten Jahres könne man dann entscheiden, ob alles funktioniert, und man den Kreisel in dieser Art final umbaut, oder ob man wieder auf eine Ampel-Lösung wie bisher zurückgreift.

Bemerkenswerte Einigkeit unter den Gemeinderäten

Das möchte offenbar niemand der Gemeinderäte. Die gingen in ihren Plädoyers für den Kreisverkehr sogar noch einen Schritt weiter – und das ist bemerkenswert: Sie alle forderten eine Bevorrechtigung des ÖPNV am Kreisel. Bedeutet: Es ist die Busspur, die in den Kreisel mündet, die Autos müssen sich in die Busspur einfädeln. In der Skizze, die die Verwaltung den Gemeinderäten vorstellte, muss sich der Bus in die Autospur einfädeln. „Die Bevorrechtigung des ÖPNV hat für uns Priorität“, sagte Jochen Zeltwanger (Freie Wähler). Seine Fraktion sowie die FDP-Fraktion hatten den Antrag auf Prüfung eines Kreisels an dieser Stelle gestellt.

Das Einfädel-Prinzip wird es allerdings nur von der Schorndorfer Straße her geben sowie aus nördlicher Richtung (Heilbronner Tor). „Von Süden kommt hier kein Bus, und in der Wilhelmstraße haben wir eine lange Busparkbucht“, so Knobloch.

Verbesserung für Radfahrer

Während der Testphase, erläuterte Matthias Knobloch, werde der Radverkehr im Kreisel verlaufen, „wer unsicher ist, darf auf den Gehweg ausweichen“. Sollte der Kreisverkehr richtig gebaut werden, werde man Rad- und Autoverkehr voneinander trennen. Bereits die Versuchsphase bringt für Radler eine deutliche Verbesserung: Sie können auf der Seite Blüba/Forum problemlos und bevorrechtigt die Schorndorfer Straße queren. „Das ist eine sehr gute Sache“, so Stefanie Knecht (FDP). Fußgänger werden ohne Ampel, dafür mit Zebrastreifen über die Fahrbahnen rings herum geführt. „Uns überzeugt, dass das Modell Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger bringt“, meinte Daniel O‘Sullivan für die SPD. Und Frank Handel von den Grünen fasste sich kurz: „So machen wir es!“

Bevor es aber in die Testphase geht, muss die Baustelle abgeschlossen sein. Bis dahin werde die Planung verfeinert und die Skizze, mit der die Verwaltung in den Ausschuss gekommen war, angepasst. Dann sollen auch die Zebrastreifen etwas weiter vom Kreisel abrücken.