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Die Rettung für die historische Walcker-Orgel in der Friedenskirche naht

Ab sofort kümmert sich ein Förderverein um die Restaurierung der 120 Jahre alten Walcker-Orgel in der Friedenskirche. Erstes Ziel ist es, eine halbe Million Euro zu sammeln. Das Instrument gilt unter Fachleuten als besonderes Juwel und ist eine der letzten historischen Walcker-Orgeln im Originalzustand.

Der neue Verein: Vorstand Konrad Seigfried, Mareike von Osten, Citypfarrer Martin Wendte, Siegfried Massier, Stephan Matthaei und die beiden Bezirkskantoren Fabian Wöhrle und Martin Kaleschke (von links). Foto: Andreas Becker
Der neue Verein: Vorstand Konrad Seigfried, Mareike von Osten, Citypfarrer Martin Wendte, Siegfried Massier, Stephan Matthaei und die beiden Bezirkskantoren Fabian Wöhrle und Martin Kaleschke (von links). Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Bekannte Namen, ein besonderes Instrument und jede Menge Geld – das sind die Zutaten einer ambitionierten Rettungsmission, bei der jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. Vor wenigen Tagen hat sich der Verein „Walcker-Orgel bewahren“ gegründet. Vorsitzender ist der ehemalige Erste Bürgermeister von Ludwigsburg, Konrad Seigfried. Die Schirmherrschaft hat der Bundespräsident a. D. Horst Köhler übernommen. Auch die beiden Kantoren Martin Kaleschke und Fabian Wöhrle oder der Citypfarrer Martin Wendte engagieren sich in dem Verein.

Horst Köhler als Schirmherr

Dessen Ziel ist hoch gesteckt: Bis 2028 soll eine halbe Million Euro für die Restaurierung der Orgel in der Friedenskirche gesammelt werden. „2028 wollen wir mit der Sanierung beginnen“, sagt Konrad Seigfried bei der Vorstellung des neuen Vereins. Denn 2028 feiern die Kirche und die Orgel, die beide zeitgleich bis 1903 errichtet wurden, ihren 125. Geburtstag. „Noch toller wäre es natürlich, wenn das Projekt bis dahin abgeschlossen wäre“, so Seigfried. Dann müsste das Geld aber in den nächsten vier Jahren durch Spenden und Benefizveranstaltungen zusammenkommen. Mit solch einem raschen Erfolg rechnen die Mitglieder des neuen Vereins nicht. Stattdessen werden fünf bis zehn Jahre kalkuliert, bis die nötigen Mittel zusammengekommen sind.

Jetzt soll die Walcker-Orgel zunächst wieder zurück ins Bewusstsein der Ludwigsburger geholt werden. Denn viele Menschen wüssten gar nicht mehr, was für ein Schmuckstück in der ehemaligen Garnisonskirche schlummert. Von dieser Art Orgel, die vom Ludwigsburger Unternehmen Walcker um das Jahr 1900 gebaut wurden, gibt es in Deutschland nur noch drei Exemplare, die mehr oder weniger im Originalzustand erhalten sind, erklärt Bezirkskantor Martin Kaleschke: Eine in Berlin, eine in Essen und jene in Ludwigsburg, die damit im gesamten süddeutschen Raum einzigartig ist.

Diese Besonderheit erklärt auch, warum Konrad Seigfried, der bisher weder zur Kirche noch zur Kirchenmusik eine große Nähe hatte, sich für das Projekt engagiert. „Diese Orgel ist mehr als die Orgel der Kirchengemeinde“, sagt er. Sie sei auch ein Kulturdenkmal erster Güte für die Stadt Ludwigsburg und sei ein Beweis für die hohe Handwerkskunst der damaligen Zeit. Ähnlich sehen das seine Mitstreiter im Verein. Und Citypfarrer Martin Wendte erhofft sich durch dieses Bürgerprojekt „positive Energie für die Stadtgesellschaft“.

Ganz bei null fängt „Walcker-Orgel bewahren“ übrigens nicht an. 50000 Euro an Spenden wurden in den vergangenen Wochen bereits eingesammelt. Weitere 60000 bis 70000 Euro dürfte am Ende der Denkmalschutz zuschießen. Gut 120000 Euro der 500000 Euro sind damit schon zusammen. Allerdings dürfte es durch die hohe Inflation kaum bei der halben Million Euro bleiben. Martin Kaleschke rechnet zwar nicht damit, dass nach dem Gutachten eines Orgelsachverständigen aus dem Jahr 2020 noch weitere Schäden und verschlissene Teile an dem Instrument zum Vorschein kommen, doch auch er befürchtet, dass die Kosten jedes Jahr, in dem der Verein mühsam sammelt, weiter nach oben klettern. Die Orgel ist mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand und kann kaum noch gespielt werden.

Ähnliches Projekt in der Stadtkirche

Neben der Mitgliedschaft im Verein, Veranstaltungen wie Benefizkonzerten, der Kontaktaufnahme mit Stiftungen oder Patenschaften für jede einzelne der 2500 Orgelpfeifen (zwischen 25 und 500 Euro), hoffen Seigfried und seine Mitstreiter auch auf großzügige Einzelspenden. Im Fall der Stadtkirchenorgel hat das ziemlich gut funktioniert. Für deren Sanierung (auch in der Stadtkirche steht eine Walcker-Orgel) gründete sich 2003 ein Verein. Diesem ist es gelungen, bis 2016 1,3 Millionen Euro an Spendengeldern zu sammeln, die danach in den aufwendigen Erhalt des Instruments gesteckt wurden. Das Geld kam damals auch mit der Hilfe einiger privater Großspender zusammen, die Beträge zwischen 30000 und 60000 Euro beisteuerten.

Martin Kaleschke rechnet damit, dass die Sanierung der Walcker-Orgel mindestens ein Jahr dauern wird. So lange muss die Friedenskirche dann ohne ihr zentrales Instrument auskommen. Bis es so weit ist und der Auftrag an einen der wenigen Orgelbaufachleute vergeben werden kann, werden aber noch einige Jahre vergehen.

Info: Eine erste Benefizmatinee für die Orgel findet am Sonntag, 26. Juni, ab 11 Uhr in der Friedenskirche statt. Dabei erklingen Chorwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy. Es musizieren Angelika Lenter (Sopran), Julia Handlos (Klavier) und der Ludwigsburger Motettenchor unter der Leitung von Bezirkskantor Fabian Wöhrle.

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